Hintergrund

IT-Spezialist Scheck in der Facebook-Falle

Roland Scheck will für die SVP in den Stadtrat. Im Internet pflegte der Webdesigner Kontakte zu Kreisen, die rechtsextreme Inhalte verbreiten.

Sitzt für die SVP im Kantons- und Gemeinderat: Stadtratskandidat Roland Scheck.

Sitzt für die SVP im Kantons- und Gemeinderat: Stadtratskandidat Roland Scheck. Bild: Nicola Pitaro

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Wie unbedarft kann ein IT-Spezialist mit Facebook und Twitter umgehen? Ziemlich unbedarft, wie das Beispiel Roland Schecks zeigt. Der Webdesigner und Stadtratskandidat der SVP pflegte im Internet Kontakte zu Personen, die rechtsextreme Beiträge verbreiten. So postete einer seiner FacebookFreunde, G. S., einen Song des deutschen Neonazis Daniel Giese, in welchem dem Dritten Reich nachgetrauert wird: «Vom Eismeer bis zum Kaukasus, trotz Hunger, Kälte und Beschuss, ruhmreich kämpfte der deutsche Frontsoldat.»

Auf den Eintrag angesprochen sagte Roland Scheck gestern Nachmittag, er kenne G. S. privat sehr gut und sei sich sicher, dass der Post keinen politischen Hintergrund habe. Später liess Scheck den TA per Mail wissen, er sei dem Hinweis nachgegangen und habe G. S. die Freundschaft auf Facebook gekündigt: «So was ist inakzeptabel.»

Inspirationsquelle Teleblocher

Wie Scheck politisch tickt, erfährt man auf Twitter. Dort meldet sich der 46-Jährige fast täglich zu Wort. In seinen 140-Zeichen-Botschaften wettert er über den Stadtrat: «Gibt es etwas Undemokratischeres als eine rot-grüne Regierung?» Über die EU: «Die grösste intellektuelle Fehlkonstruktion aller Zeiten erhält den Friedensnobelpreis.» Über seine künftige Kollegin, sollten er und sie gewählt werden: «Corine Mauch hat den US-Pass zurückgegeben. Ich hätte mir gewünscht, sie täte es umgekehrt.» Scheck schimpft über Linke, Nette, Gutmenschen, Kuschelrichter, gewalttätige Ausländer und macht transparent, wo er sich die Inspiration holt: «Was tue ich nur, wenns Teleblocher mal nicht mehr gibt?» Gefällt ihm ein Tweet, verbreitet er ihn: «Brennt wieder mal in Seebach. Wie üblich war eine Asylantenfamilie mit dem Kochherd überfordert.»

Ein Stadtratskandidat, der dem Stadtrat die Demokratiefähigkeit abspricht – wie passt das zusammen? Scheck sagt, er habe das in Zusammenhang mit dem Hafenkran getwittert. Er wirft dem Stadtrat vor, mit seinem Gegenvorschlag zur Initiative auf Zeit zu spielen, um die Kunstaktion trotz ablehnender Haltung vieler Zürcher durchzuführen. Er sei durchaus in der Lage, «auf der Sachebene» zu streiten. Gelingt dem Gemeinde- und Kantonsrat am 9. Februar der Sprung in den Stadtrat, will er nicht bequem werden.

Roland Scheck folgt auf Twitter 162 Nutzern. Politisch Gleichgesinnten, aber auch Gegnern. Des Weiteren interessiert er sich als Fan von Ballergames für die News von Computerspiele-Herstellern sowie bis gestern Nachmittag noch für das Gezwitschere eines Bloggers, der sich «Schweizer Krieger» nennt und gemäss eigenen Angaben SVP-Mitglied ist. Dieser schreibt etwa: «Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt.» Im Schweizer-Krieger-Blog steht über den Familiennachzug für Flüchtlinge: «Es ist doch eine Schande, wie sich unser Land immer und immer mehr verdunkelt und von Kakerlaken überrannt wird.»

Scheck: «Das ist inakzeptabel»

Er folge jenen, die ihm folgten, sagte Roland Scheck gestern Nachmittag. «So funktioniert Twitter.» Eine Überprüfung der Inhalte nehme er nicht vor. «Doch es verbindet mich nichts mit Schweizer Krieger.» Es sei ihm bislang schlicht entgangen, dass jener User rechtsextreme Inhalte verbreitet. Das erstaunt, denn Schweizer Krieger ist auf der Plattform noch aktiver als Roland Scheck selbst. Im Schnitt setzt er gut und gerne 60 Tweets pro Tag ab. Mittlerweile folgt Roland Scheck dem fraglichen User nicht mehr. Auch dieser Fall sei inakzeptabel, sagt er, Toleranz gebe es da keine.

Im Falle einer Wahl würde Scheck sein Twitter-Verhalten anpassen: «Ich würde mich vermutlich nicht mehr politisch, sondern nur noch privat äussern.» Tweets über Bergtouren, Zigarren, das Abschneiden des FCZ oder den Zustand seiner Konsole, wie etwa dieser: «Schlimmes ist mir soeben widerfahren. Meine Playstation hat den Geist aufgegeben.»

Zeit zum Spielen hat Roland Scheck nicht mehr so viel, seit er letzte Woche zum SVP-Stadtratskandidaten gekürt worden ist. Bis zum Wahltag will er keine Aufträge mehr als Webdesigner annehmen. Den Beruf übt er seit rund einem Jahr aus. Nachdem er als Direktionsmitglied über zehn Jahre lang als ITController bei der ZKB gearbeitet hatte. Gegangen sei er, weil ihm eine Umstrukturierung nicht gepasst habe. Er habe deshalb die Chance gepackt, sein Hobby, die Informatik, zum Beruf zu machen.

Erstellt: 10.09.2013, 07:50 Uhr

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