«Ich bin jetzt im Zirkus angekommen»

Der Bündner Komiker Claudio Zuccolini hat die schlechten Kritiken verdaut. In Zürich will er die Leute in der Manege des Circus Knie mit neuen Gags und Sprüchen zum Lachen bringen.

Er hat sein Programm umgebaut und kann jetzt wieder lachen: Knie-Komiker Claudio Zuccolini.

Er hat sein Programm umgebaut und kann jetzt wieder lachen: Knie-Komiker Claudio Zuccolini. Bild: Sabina Bobst

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Was war das schönste Kompliment, das man Ihnen in den letzten Wochen gemacht hat?
Jemand schickte mir eine Schachtel Pralinés, das hat mich wahnsinnig aufgestellt. Auch haben mir Leute teils von Hand geschrieben und die Kampagne kritisiert, die gegen mich gelaufen ist.

Weshalb ist die Kritik an Ihrem Programm für Sie eine Kampagne?
Es hat eine Dimension angenommen, die ich nicht mehr verstehe. Persönliche Angriffe. Da habe ich mich schon gefragt, ob denn nichts läuft in der Welt. Bin ich wirklich so wichtig? Ich habe ja nicht Steuern hinterzogen, sondern bin einfach nicht so gut beim Publikum angekommen. Das ist kein Verbrechen.

Wie haben Sie das verarbeitet?
Ich hatte ja keine Zeit dafür! Jeden Tag ist Vorstellung, hinzu kommen die vielen Presseanfragen. Das ist nicht so einfach. Wenn du am Abend in die Manege gehst und genau weisst, dass so und so viele Leute zuvor all die negativen Sachen über dich gelesen haben. Nach ein paar Tagen haben wir das Programm komplett umgestellt, jetzt läufts.

Welche Schlagzeile hat Sie am härtesten getroffen?
Nicht lustig fand ich, als eine Zeitung titelte: «Wann fliegt der Langweiler aus der Manege?»

Haben Sie da ans Aufgeben gedacht?
Der Gedanke ging mir schon durch den Kopf, alles andere wäre gelogen. Aber ich wollte so ein Ende unbedingt vermeiden, dieses Eingeständnis, gescheitert zu sein. Diese Freude wollte ich meinen Kritikern nicht machen.

Bevor Sie Komiker wurden, waren Sie Banker. Sind Sie neidisch auf Ihre ehemaligen Kollegen?
Nein, es ist doch schön, wenn die dank mir mal für eine Weile aus dem Schussfeld geraten. Das ändert wieder.

Bekommen Sie eigentlich einen Bonus, wenns besonders gut läuft?
(lacht) Nein, aber für diese unfreiwillige Medienpartnerschaft müsste ich eigentlich schon noch was extra bekommen. Im Ernst: Es ist viel Arbeit, und der Lohn dafür ist anständig.

Bei Ihren Soloshows auf der Bühne geniessen Sie Erfolge. Was wollen Sie sich im Zirkus beweisen?
Es ist in erster Linie eine einmalige Chance. Einmal mit dem Zirkus unterwegs zu sein, da erlebt man viel Spannendes. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch ein Wagnis.

Mögen Sie Zirkus überhaupt?
Als Kind ging ich in den Zirkus, später ging ich als Journalist an die Premieren. Grosse Komiker waren vor mir in der Manege, deshalb hat es mich gereizt.

In Sachen Unterhaltung sind die Zürcher verwöhnt. Nervös?
Ich habe mich nicht speziell auf Zürich vorbereitet. Ich sehs als Vorteil: Da man in Zürich vieles kennt, ist man offener. Mit Sachen ausprobieren bin ich jedoch generell vorsichtig geworden. Im Moment greife ich auf Bewährtes zurück.

Welchen Spruch haben Sie nach der Premiere in Rapperswil gestrichen?
Der mit der S-Bahn zum Beispiel: Mein Hund fährt damit, weil er so gern isst.

Den fand ich jetzt noch hübsch.
Danke.

Und der Gag mit dem Bündner und dem Sprengstoffgürtel?
Der ist draussen. Für mindestens zwei Wochen, vielleicht auch für immer.

Welche Pointe finden Sie lustig?
Ich kenne meine Witze halt, deshalb lache ich nicht mehr so oft darüber. Man kann das im Zirkus nicht abschätzen: Es gibt Sachen, die kommen an einem Abend bestens an, am nächsten aber überhaupt nicht. Es gibt da leider keine Garantie.

Versuchen Sies. Ich verrate nichts.

Wie werden Sie dereinst Ihren Enkelkindern von der Zeit im Knie erzählen?
Ich bin jetzt endlich im Zirkus angekommen und beginne, die Zeit zu geniessen. Wochenlang beschäftigte mich allein die Frage, wie ich besser werden kann. Irgendwann sagte ich mir: Jetzt musst du es einfach laufen lassen. Die Reiserei, das Leben im Wohnwagen, die Menschen – das sind die positiven Seiten. Die anderen sind momentan aber noch sehr präsent. Zum Glück ist es im Leben so, dass man die weniger schönen Momente schnell vergisst und die guten für immer bleiben.

Erstellt: 03.05.2013, 10:18 Uhr

Claudio Zuccolini im Interview.

Circus Knie

Zum letzten Mal auf der Landiwiese
«Probleme sind da, um sie zu lösen», sagte Franco Knie gestern Vormittag beim Medienfrühstück. Gemeint waren nicht die Startschwierigkeiten von Gastkomiker Claudio Zuccolini, sondern die Hürden, die genommen werden mussten, um nächstes Jahr auf den umgestalteten Sechseläutenplatz zurückzukehren.

Auf diesem gibt es extra Verankerungen fürs Chapiteau. Dem grossen Eingangszelt steht jedoch eine Bauminsel im Weg. Knie muss deshalb für 2014 extra ein neues Eingangszelt für Zürich bauen lassen. Auf das letzte Gastspiel auf der Landiwiese (ab heute bis 2. Juni) freue man sich, sagte Franco Knie. Zumal jetzt «Zirkuswetter» herrsche: «Es ist nicht zu kalt und nicht zu warm.»

Dennoch könne man es kaum erwarten, 2014 wieder auf der anderen Seeseite seine Zelte aufzuschlagen. Zehn Prozent der Einnahmen liefern die Knies als Miete an die Stadt ab. In der Vergangenheit waren das stets ein paar Hunderttausend Franken.

Das 95. Knie-Programm «émotions» sei jetzt eingespielt, sagte Fredy Knie jun. «Gewisse Nummern funktionierten sofort, andere sind nach der Premiere Ende März in Rapperswil angepasst worden.» Routiniert für Lacher sorgte von Anfang an der Ungar Steve Eleky, der seit 15 Jahren mit dem Programm auf Tour ist.

Und auch Zuccolini sei jetzt lustig. Fredy Knie bezeichnete die Kritik der letzten Wochen an seinem Gastkomiker als unfair. Man habe noch nie einen Clown gehabt, der allen gepasst habe. Zuccolini habe sein Bühnenprogramm der Manege anpassen müssen, dies sei ihm gelungen.

Zu den weiteren Highlights in diesem Jahr gehören Alessio Fochesato mit seiner ebenso farbenfrohen wie magischen Papageiennummer, der brasilianische «Spiderman» Super Silva oder die aus der Fernsehshow «Die grössten Schweizer Talente» bekannte Berner Kontorsionistin Nina Burri.

Morgen Samstag findet von 9 bis 12 Uhr die Elefanten-Matinée auf der Landiwiese statt. Um 10 Uhr proben die Dickhäuter in der Manege, anschliessend können Besucher mit etwas Glück selber Elefanten füttern. Der Eintritt ins Zelt und in den Zoo ist an diesem Vormittag gratis.

Knie, 3. Mai bis 2. Juni, Landiwiese.

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