«Ich bin selber Vater von zwei Kindern, wir nehmen das ernst»

Die in Zürich umstrittene E-Zigarette Juul ist ab heute am Kiosk erhältlich. Jonathan Green, Schweiz-Chef des amerikanischen Unternehmens, nimmt Stellung.

Als würde man an einem USB-Stick saugen: So sieht das Produkt aus. Bild: PD

Als würde man an einem USB-Stick saugen: So sieht das Produkt aus. Bild: PD

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Juul gibt es ab heute in der Schweiz zu kaufen. Wo überall?
An allen K-Kiosken, Press & Books und Avec. Und in etwa 80 Dampfläden. Bis zu tausend Läden in der Schweiz sollen es insgesamt werden. Dazu kommt unser Onlineshop, der ab heute auch aufgeschaltet ist.

Zürcher Behörden, Lehrer und Eltern sind alarmiert. Dies, weil sich Juul an US-Schulen im vergangenen Jahr extrem verbreitet hat. US-Medien und Behörden sprechen von einer Epidemie. Wie werden Sie eine solche in der Schweiz verhindern?
Ich bin selber Vater von zwei Kindern. Wir nehmen das Thema Jugendschutz sehr ernst. Unsere Zielgruppe sind die 1,78 Millionen erwachsenen Raucher in der Schweiz. Sie sollen auf ein viel weniger schädliches Produkt umsteigen können. Mit dem Rauchen aufhören ist extrem schwierig, die wenigsten schaffen das ohne Ersatz.

Die Kritik lautet: Juul ziele auf Jugendliche ab.
Verschiedene Massnahmen sprechen dagegen: Wir unterstützen 18 plus als Verkaufsalter. Wir machen keine Werbung mehr, die auf Teenager abzielt. Ebenso sind Testkäufe bei allen unseren Partnern ein Thema. Und es gibt eine Altersverifizierung auf der Website. Das Produkt wird also nicht in die Hand von Teenagern gelangen.

«Sicher ist: Die Models in der aktuellen Werbung sind alle älter als 28 Jahre.»

Wie können Sie das garantieren? In der Schweiz gibt es eine Gesetzeslücke. E-Zigaretten fallen nicht unters Tabakgesetz und dürften theoretisch an Kinder verkauft werden.
Die Dampfshops, die Valora-Kioske und wir haben den vom Dachverband aufgesetzten Verhaltenskodex mitunterzeichnet. Darin steht, dass man auf den Verkauf an Minderjährige grundsätzlich verzichtet.

Wie werden Sie Juul genau bewerben?
Das ist noch nicht genau definiert. Sicher ist: Die Models in der aktuellen Werbung sind alle älter als 28 Jahre, und wir halten uns auch in diesem Bereich an den Branchenkodex, der besagt: keine Werbung für unter 18-Jährige.

In den USA wurde auch die Social-Media-Kampagne kritisiert, da sie Jugendliche anspreche. Juul stoppte diese daraufhin. Wie werden Sie Social Media in der Schweiz handhaben?
Wir werden in der Schweiz darauf verzichten, Juul über Facebook, Instagram oder andere Social-Media-Kanäle zu bewerben.

«Unsere Geschmacksrichtungen sind aber ganz auf erwachsene Raucher ausgerichtet.»

Kritisiert wurden auch die süsslichen Geschmacksrichtungen, da sie für junge Menschen attraktiv sind. Wie sieht es hierzulande damit aus?
Es gibt Studien, die besagen, dass Geschmack auch für Erwachsene eine wichtige Rolle spielt, wenn sie mit dem Rauchen aufhören wollen. Unsere Geschmacksrichtungen sind aber ganz auf erwachsene Raucher ausgerichtet.

Dagegen sprechen Geschmäcker wie Mango oder Royal Creme.
Es gibt in der Schweiz nur fünf Geschmacksrichtungen: Golden Tobacco, Mint, Mango und Royal Creme. In einigen Shops auch Apple. Es sind also viel weniger als in den USA. Und die anderen Massnahmen sprechen ja alle gegen die Zielgruppe Jugendliche.

Dann ist die Epidemie in den USA nur ein dummer Zufall? Wir haben viel gelernt aus der Situation in den USA, wo wir sehr nah mit der Behörde zusammenarbeiten und Teil eines Prozesses sind. Das Unternehmen ist erst drei Jahre alt. Wir waren selber überrascht über unseren Erfolg und planen Schritt für Schritt.

Zu reden gab auch der Nikotingehalt von Juul-E-Dampfgeräten in den USA, der dort pro Füllung einer Packung Zigaretten entspricht. In England, wo Juul bisher als einziges Land in Europa vertrieben wurde, ist dieser halb so hoch. Was gilt für die Schweiz?
In der Schweiz werden die EU-Normen übernommen. Er ist also in etwa halb so hoch wie in den USA.

«Raucher machen in der Schweiz beinahe 25 Prozent der Bewohner aus. Das ist tendenziell viel.»

Die Schweiz ist nach England der zweite europäische Markt, in dem Juul erhältlich ist. Warum die Schweiz?
Wegen des Anteils der Raucher, der hier beinahe 25 Prozent der Bewohner ausmacht. 1,78 Millionen Raucher, das ist tendenziell viel. Dazu kommt, dass es 80 sogenannte Dampfläden gibt in der Schweiz.

Spürten Sie bereits Widerstand aus der Schweiz?
Es wurde viel diskutiert. Wir sind gerne Teil des Dialogs, der entsteht, und treiben den Prozess, der damit einhergeht, voran. Die Vape-Produkte sind deutlich weniger schädlich als herkömmliche Tabakerzeugnisse. Corporate Responsibility ist wichtig für uns.

Werden an Kiosken Alterskontrollen durchgeführt?
Ja, deshalb haben sie den Kodex unterschrieben. Der ist seriös, die Partner halten sich daran. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.12.2018, 13:01 Uhr

Jonathan Green ist General Manager von Juul Labs Schweiz. Der in der Schweiz lebende gebürtige Brite war vormals Länderchef der Novartis-Tochter Alcon und ehemaliger Manager bei Vitra, Sonova und Migros.

Die Debatte

Juul ist eine moderne E-Zigarette in der Form eines USB-Sticks. Sie haben sich in den letzten Jahren in den USA massiv verbreitet. Besonders unter Jugendlichen sind sie sehr beliebt, laut einer Studie benutzen dort 7 Prozent der 15- bis 17-Jährigen Juul. Die Behörden sprechen von einer Epidemie. Das Unternehmen wuchs in den letzten Jahren zum Marktleader im Bereich der E-Zigaretten. Investoren bewerten Juul mit 15 Milliarden Dollar. Kritiker und Behörden aber schlagen Alarm. Sie sagen, dass Juul zugeschnitten sei auf ein jugendliches Publikum. Dafür sprechen für sie das schlanke Design oder süssliche Geschmacksrichtungen wie Mango oder Gurke. Ebenso die vom Unternehmen initiierte Social-Media-Kampagne, die mit Hashtags wie «juuling» operiert und mittlerweile vom Netz genommen wurde. In den USA wurde der Verkauf von Juul teilweise beschränkt, verschiedene Strafverfahren sind hängig. Einige Zürcher Schulen haben sich bereits auf den Markteintritt von Juul vorbereitet und planen Infoveranstaltungen. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich derzeit auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilte mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. (dsa)

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