«Ich habe keinen Tunnelblick»

Der Walliseller Roland Kobel trägt als Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie die Hauptverantwortung für das 2-Milliarden-Projekt. Heute feiert er den Durchstich des Weinbergtunnels.

Vor dem Durchstich spürt Gesamtprojektleiter Roland Kobel eine gewisse Anspannung. Bild: Keystone

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Roland Kobel, nach mehr als drei Jahren Bauzeit steht heute der Durchstich des Weinbergtunnels an. Sind Sie nervös?
Ein wenig schon. Nicht aus Angst, dass noch etwas schiefgehen könnte. Vielmehr habe ich noch nie eine so grosse Einladung organisiert. 400 geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft werden in einem Festraum in Oerlikon den Durchstich live mitverfolgen. Das zeigt die Wichtigkeit der Durchmesserlinie. Wir bauen zwar hier in Zürich, die Auswirkungen werden aber bis nach Genf spürbar sein. Die Reisezeit auf der WestOst-Achse verkürzt sich für den Fernverkehr erheblich. Aber vor allem die Kapazitäten im S-Bahn-Netz werden so optimiert. Von Wiedikon nach Oerlikon braucht man danach noch 11 Minuten.

Mit dem Durchstich wird auch die Halbzeit beim Bau der Durchmesserlinie erreicht. Welches Fazit ziehen Sie bislang?
Es läuft gut. Wir liegen im Zeitplan, auch wenn wir die Inbetriebnahme der ersten Etappe von Ende 2013 auf Sommer 2014 verschieben mussten. Der Grund für die längere Bauzeit liegt beim Bahnhof Oerlikon, der um die Gleise 7/8 ergänzt wird. Das war im ursprünglichen Projekt nicht vorgesehen. Es gibt immer wieder Sachen, die nicht so ablaufen wie geplant. Wie sich gezeigt hat, sind wir aber auf solche Schwierigkeiten vorbereitet.

Wie auch beim Zwischenfall von Ende April 2009, als der Bahnhofplatz wegen Einsturzgefahr für den Verkehr gesperrt werden musste.
Durch einen technischen Defekt in einer Tunnelbohrmaschine bestand die Gefahr, dass sich der Bahnhofplatz absenkt. Für solche Fälle gibt es aber einen Massnahmenplan, in dem nach einem Drehbuch die genauen Abläufe festgehalten sind. Alle beteiligten Stellen haben richtig und vor allem schnell reagiert, sodass der Bahnhofplatz nach 23 Stunden saniert war und wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte.

Und wie gehen Sie mit solchen Erlebnissen um?
Ich war damals gerade in Oerlikon bei einer Anwohnerversammlung, als ich per Telefon über den Vorfall informiert wurde. Wenn so etwas passiert, funktioniert man nur noch. Man muss ruhig und konzentriert bleiben und die nötigen Schritte einleiten. Am Ende ist es zum Glück gut herausgekommen. Bei einem Spaziergang mit meiner Frau und meinem Hund kann ich solche Geschehnisse in den Hintergrund rücken lassen.

Sie sind seit 36 Jahren im Tunnelbau tätig. Worin liegt nach so langer Zeit noch der Reiz?
Das erste Projekt, bei dem ich mitgearbeitet habe, war der Seelisbergtunnel in den 70er-Jahren. Danach folgten Gubrist- und Zürichbergtunnel und zuletzt der Zimmerberg- und Uetlibergtunnel. Alle Bauten begleitete ich von Unternehmerseite. Als Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie stehe ich in der Rolle des Bauherrn. Damit trage ich von der Planung bis zur Inbetriebnahme die Gesamtverantwortung. Diese Herausforderung habe ich gesucht. Der Aufgabenbereich ist viel breiter geworden. Sich in Details zu verlieren, bringt nichts. Ich habe keinen Tunnelblick, der sich nur auf Kleinigkeiten richtet.

Mit den Brücken nach Altstetten wird die Durchmesserlinie 2015 endgültig fertiggestellt. Was machen Sie danach?
Wenn sich bis dahin das Pensionsalter nicht ändert, werde ich in jenem Jahr eine neue Baustelle in Angriff nehmen. Ich war schon beim Bau des Zürichbergtunnels Ende der 80er-Jahre dabei, als die S-Bahn Zürich ins Leben gerufen wurde. Mit dem Ende der Durchmesserlinie schliesst sich für mich auch irgendwie der Kreis. Noch bin ich aber zu sehr mit der Durchmsserlinie beschäftigt, um mich mit dem Ruhestand auseinanderzusetzen.

Erstellt: 22.11.2010, 11:59 Uhr

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