«Ich habe nicht gewusst, dass es in Europa so gruusige Hotels gibt»

Für die Sendung «Verkehrte Welt» auf SRF hat der Zürcher Gastronom Michel Péclard für eine Woche Küche und Wohnung mit wilden Holländern aus Zurich getauscht.

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Herr Péclard, wie sind Sie in der SRF-Soap «Verkehrte Welt» gelandet?
Das Schweizer Fernsehen war auf der Suche nach einem Ehepaar aus einem meiner Betriebe, das für eine Woche Wohnung und Job mit einem anderen Paar tauschen sollte. Ich fand die Idee toll. Da ich Single war, habe ich vorgeschlagen, mit meinem Geschäftspartner Florian Weber anzutreten, er ist ja so etwas wie mein Ehemann. Schon beim Casting lachten wir Tränen.

War Ihnen Zurich am Wattenmeer bekannt?
Wir hatten keine Ahnung, wohin die Reise gehen sollte, das war Teil des Konzepts. Wir hofften auf eine Schafzucht oder eine Crevettenfarm, als wir in Amsterdam landeten. Doch dann reisten wir weiter ins 200-Seelen-Dorf Zurich im holländischen Friesland. Das einzige Hotel dort ist auch das heruntergekommenste am ganzen Wattenmeer. Ich habe nicht gewusst, dass es in Europa so gruusige Hotels gibt wie De Steenen Man.

Wo haben Sie angepackt?
Das Hotel hat bloss acht Zimmer, es stinkt dort und regnet herein. Wir haben dreckige Laken vorgefunden und eine klebrige Küche. Unser Ziel war es, wenigstens Gäste ins Restaurant zu locken, freiwillig hätte bestimmt niemand im Hotel übernachten wollen. In Zürich habe ich 140 Angestellte, in Zurich war es nur eine Frau mit einem halben Pensum und schlimmen Rückenschmerzen. Florian Weber hat gekocht, ich habe die Zimmer gemacht, in denen die Filmcrew und wir beide wohnten, WCs geputzt und serviert. Dabei habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nur noch managen kann…

Wer hat im De Steenen Man gegessen?
Wir sind durchs Dorf spaziert und haben alle eingeladen. Viele kamen, weil wir mit einer TV-Crew unterwegs waren. Florian Weber hat literweise altes Frittieröl weggeleert und statt Fritten einen Fünf-Gänger mit Krabben oder Zürcher Geschnetzeltes gekocht. Die Leute waren begeistert!

Was war Ihr Highlight?
Wir sind aufs Wattenmeer gefahren und haben Krabben gefischt und gleich auf dem Boot ausgenommen. Die Crevettes grises haben es mir angetan! Wenn man sie mit der Schale frittiert, sind sie ein wunderbarer Snack. Der Fischer bekommt für ein Kilo 1,80 Euro, bei uns werden sie für 82 Franken das Kilo verkauft.

Der Geschäftsmann hat angebissen?
Gut möglich.

Was hat das niederländische Paar in Zürich angestellt?
Sie haben meine Wohnung mit ihren drei Kindern auf den Kopf gestellt, alles leer gegessen und getrunken und in einer Woche 700 Liter Abfall produziert… In den Betrieben haben meine Kollegen dafür gesorgt, dass sie nicht viel anrichten konnten. Die Fondue-Degustation zum Abschluss im Fischers Fritz jedenfalls haben sie genossen.

Würden Sie wieder bei einer solchen Sendung mitmachen?
Jederzeit!

Erstellt: 20.02.2014, 12:44 Uhr

Von Zürich nach Zurich am Wattenmeer

Die Sendung «Verkehrte Welt» wird Morgen Freitag um 21 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.

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