Nachgefragt

«Ich war naiver, als ich sein sollte»

Der Rektor der Uni Zürich bedauert die neuste Kommunikationspanne.

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Die Uni Zürich hat vor drei Wochen gross angekündigt, sie werde die Sammlung des medizinhistorischen Museums für Medien und Politiker öffnen. So könnten sich diese selbst ein Bild machen. Nun krebsen Sie zurück und wollen die Sammlung nur wenigen Journalisten zeigen, die nicht darüber berichten dürfen. Was soll das?
Unser Ziel war, die Diskussion um den Zustand der Sammlung ein für alle Mal zu erledigen. Ich wollte einen Schlussstrich unter diese Geschichte ziehen und die Spekulationen beenden. Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen merkten wir aber, dass wir dieses Ziel nicht erreichen werden. Im Gegenteil. Die einen würden sagen, wir hätten nur die schlimmsten Ob­jekte gezeigt. Die anderen würden behaupten, wir hätten gerade die schlimmsten nicht gezeigt. Kommt hinzu, dass jene Objekte, welche die Medien am meisten interessieren, aus ethischer Sicht am heikelsten sind.

Welche zum Beispiel?
Alles, was mit menschlichen Präparaten zu tun hat.

Warum kann man sie nicht zeigen?
Dadurch würde die Menschenwürde verletzt. Andere Objekte wie Skalpelle oder Operationstische wären kein Problem. Aber sie würden die Medien wahrscheinlich weniger interessieren.

Was ist mit dem Durcheinander, das offenbar in der Sammlung herrscht? Darf man dieses aus ethischen Gründen ebenfalls nicht zeigen?
Doch. Aber es steht ja inzwischen im Bericht der kantonsrätlichen Aufsichtskommission für Bildung und Gesundheit, dass die Sammlung in einem kritischen Zustand ist – und dass die Inventarisierung ungenügend ist. Dieser Bericht wurde von den Mitgliedern der Kommission einstimmig angenommen.

Das reicht?
Ja. Aber nachdem wir zugesichert haben, die Sammlung den interessierten Kantonsräten und Medien zu zeigen, wollen wir das Versprechen auch einlösen. Allerdings ohne, dass darüber berichtet wird. Das ist nicht mehr nötig.

Warum wollen Sie denn nicht, dass die Medien den Zustand beschreiben?
Ich will nicht, dass es nochmals einen grösseren Wirbel gibt, nachdem die kantonsrätliche Kommission den schlechten Zustand der Sammlung schon öffentlich gemacht hat.

Was hielt Christoph Mörgeli von Ihrem ursprünglichen Plan, die Sammlung zu zeigen?
Sie können sich vorstellen, dass er dies keine gute Idee gefunden hat.

Befürchtet er einen Schauprozess?
Das war nie geplant. Aber wir können leider nicht ausschliessen, dass andere einen solchen daraus gemacht hätten.

Hätten Sie sich all dies nicht überlegen können, bevor Sie am 1. Juni die Besichtigung angekündigt haben?
Doch. Ich bin neu als Rektor. Und ich dachte, ich könne die Diskussion auf diese Weise beenden. Ich war naiver, als ich sein sollte. Aber wir wussten damals auch noch nicht, dass die Kommission des Kantonsrats den Zustand der Sammlung so kritisieren würde, dass sich eine Führung nachher erübrigt.

Ist dies nicht eine weitere Kommunikationspanne in der ohnehin schon pannenreichen Affäre Mörgeli?
Wenn dies so wahrgenommen wird, ist das mein Fehler und tut mir leid. Aber dieser Fall ist nicht ganz einfach. Es liegen überall Minen. Wir haben einen Entscheid aufgrund neuer Fakten überdacht. Das ist immer besser, als stur an etwas festzuhalten.

Wie würden Sie den Zustand der medizinhistorischen Sammlung umschreiben?
Zum Teil als chaotisch. Vor allem sind viele Objekte nicht inventarisiert. Das mindert den Wert der Sammlung enorm.

Der Bericht der Expertenkommission Jütte ist Ihrer Ansicht nach also korrekt?
Ja. Und nun müssen wir viel investieren.

Erstellt: 21.06.2014, 11:23 Uhr

Der 48-Jährige ist seit 1. Februar dieses Jahres Rektor der Universität Zürich.

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