«Ignorante Argumente»

Trotz des Neins im Gemeinderat will der Verein Limmatwave weiter für eine Surfwelle in Zürich kämpfen, sagt Vorstandsmitglied Philipp Kempf. Auch wenn er erst als 60-Jähriger darauf surfen könne.

Aus der Traum: Die Zürcher Surfer müssen auf die Limmatwelle beim Unteren Letten verzichten.

Aus der Traum: Die Zürcher Surfer müssen auf die Limmatwelle beim Unteren Letten verzichten. Bild: Visualisierung: Fabian Staehelin.

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Ihr Verein hat sich sechs Jahre für die Welle beim Kraftwerk Letten eingesetzt. Nun hat der Gemeinderat das Projekt abgelehnt. War der Einsatz umsonst?
Die Enttäuschung ist riesig. Wir haben eine kompromissfähige, detaillierte Lösung ausgearbeitet. Trotzdem verlief die Diskussion im Rat unsachlich. Teilweise wurden ignorante Argumente angeführt. Wir werden dennoch nicht aufgeben und nach einer anderen Lösung suchen.

Die Hauptkritik lautete: Der Letten werde durch die Surfer übernutzt. Und wegen des aufblasbaren Riesenschlauches gehe Strom für 70 Haushalten verloren. Was ist daran falsch?
In unserem Konzept steht, dass wir eine Nutzungsbeschränkung einführen würden, wie sie etwa bei Tennisplätzen oder Squashhallen üblich ist. Interessierte Surfer müssten sich vorher anmelden. Es dürften nie mehr als zwölf Leute gleichzeitig die Welle befahren. Die Welle wäre also kein Dauerevent, wie die Gegner behaupteten. Die Surfer würden zudem mit dem öffentlichen Verkehr anreisen und nicht mit «Fucktrucks», wie ein SVP-Vertreter die VW-Busse kalifornischer Surfer nannte.

Transportiert man Surfbretter nicht leichter im Auto?
Die Limmatwelle liesse sich nur mit Brettern surfen, die höchstens 1,80 Meter lang sind. Sie passen problemlos in ein Tram. Man kann nicht von Amerika auf die Schweiz schliessen. Dort ist der öffentliche Verkehr deutlich schlechter.

Und der Strom, der verloren ginge?
Unsere 430 Mitglieder könnten diese Energiemenge mit kleinen Massnahmen im eigenen Haushalt wieder einsparen. Das hat unser Ingenieur berechnet. Dazu wären wir natürlich bereit.

Auch die Wanderrouten der Fische, für welche die Stadt kürzlich eine Treppe gebaut hat, würde unterbrochen.
Das stimmt nicht. Unser Schlauch würde die Fischwanderung nicht abschneiden. Der Widerstand im Rat kam vor allem aus einem Bauchgefühl heraus.

Was für ein Bauchgefühl?
In Zürich misstraut man Innovationen. Das sieht man immer wieder, etwa beim Kongresshaus oder dem Landesmuseum. Aber mit Hartnäckigkeit und Geduld setzt man sich durch. Wir müssen einfach noch 20 bis 30 Jahre weitermachen. Auch wenn wir erst als 60-Jährige zum ersten Mal auf der Stadtwelle surfen können.

Haben Sie zu wenig lobbyiert?
Wir haben im Vorfeld den Kontakt zu allen Parteien gesucht. SVP und FDP wollten uns gar nicht erst anhören. In der SP 4 und 5, wo der Widerstand zuerst gross war, bewirkten wir aber einen Umschwung, der sich auf die ganze SP übertragen hat. Letztlich fiel der Entscheid knapp aus. Wir haben auch die Möglichkeit einer Volksinitiative durchgedacht. Die Unterschriften kämen wohl problemlos zusammen. Doch auch eine Initiative brächte letztlich nicht viel, wenn sich der Stadtrat sträubt.

Trotzdem wollen Sie nicht aufgeben. Welche anderen Standorte kommen in Frage?
Das kann man nicht allgemein sagen. Wir werden verschiedene Lagen genauer prüfen. Die jetzige Lösung mit dem Schlauch lässt sich nicht einfach übernehmen, da sich die Verhältnisse überall anders präsentieren.

Woher nehmen Sie die Motivation für diesen Einsatz?
Das Gefühl beim Surfen, das In-der-Mitte-einer-Welle-Sein, ist unheimlich stark. Und gibt Kraft.

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Erstellt: 24.06.2010, 21:34 Uhr

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