Im Rosenkrieg schweigen die Waffen

Im erbittert geführten Scheidungskrieg haben sich Thomas Borer und Shawne Fielding geeinigt. Seit Freitag sind auch die strafrechtlichen Aspekte erledigt: Fielding kam vor Obergericht mit einem blauen Auge davon.

Shawne Fielding vor Beginn ihres Prozesses am Obergericht. Foto: Sabina Bobst.

Shawne Fielding vor Beginn ihres Prozesses am Obergericht. Foto: Sabina Bobst.

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Man braucht gar nicht ins Detail zu gehen, um sich vorstellen zu können, was im Hause Borer-Fielding los war, seit der Ex-Botschafter Anfang Februar 2010 beim Bezirksgericht Horgen ein Eheschutzbegehren gestellt hat. Es genügt ein Blick in die Anklageschrift. Der Ex-Miss Texas wurde vorgeworfen: falsche Anschuldigung, mehrfacher Diebstahl, Urkundenfälschung, mehrfacher Hausfriedensbruch, mehrfaches unbefugtes Aufnehmen von Gesprächen und mehrfache Ehrverletzungen.

Von den meisten dieser Delikte erfuhr die breite Öffentlichkeit nichts. Besonders schwer aber wogen die Verleumdungen, weil Fielding sie via Blog mit der ganzen Welt teilte. Sie stellten Borer laut Anklage als sexsüchtigen, Frauen schlagenden, unheilbaren Psychopathen hin, der nebenbei auch noch Steuerhinterziehung und Steuerbetrug betreibe. Das waren keine einmaligen Ausrutscher. Fielding war «planmässig darauf ausgegangen, den Ruf Borers zu untergraben», wie es im Gesetz heisst.

Doch das – und vieles mehr – ist Schnee von gestern.

Zahlreiche Freisprüche

Im ersten Prozess hatte das Bezirksgericht Horgen Shawne Fielding zu einer bedingten Geldstrafe von 150'000 Franken (300 Tagessätze à 500 Franken) und einer unbedingten Busse von 5000 Franken verurteilt. Gleichzeitig sprach es die 45-Jährige von zahlreichen Vorwürfen frei. So fehlte dem Gericht die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich sie es war, die in zwei Fällen private Gespräche unbefugt aufgezeichnet hatte, oder dass sie es gewesen war, die aus dem einstmals gemeinsam bewohnten Haus diverse Gegenstände gestohlen und dabei auch Hausfriedensbruch begangen hatte.

Man kann trotz der Freisprüche nicht behaupten, dass Shawne Fielding, deren Beruf im Urteil mit «Hausfrau» angegeben ist, gestern Freitag völlig entspannt am Zürcher Obergericht erschienen wäre. Darüber täuschte auch die Küsschenbegrüssung mit dem Anwalt ihres Noch-Ehemanns nicht hinweg. Denn sie war gekommen, weil «ich beweisen möchte, dass ich unschuldig bin». In einem mehrstündigen Plädoyer begründete ihr Verteidiger, warum eine Verurteilung wegen falscher Anschul­digung und Urkundenfälschung nicht haltbar sei.

Borer sei Dank

Dass sich Fielding nicht auch noch gegen die weiteren Vorwürfe, darunter insbesondere jenen der mehrfachen Ehrverletzung, verteidigen musste, hatte sie, ausgerechnet, Thomas Borer zu verdanken. Er hatte noch vor der Berufungsverhandlung sämtliche Strafanträge zurückgezogen. Weil es damit an einer zentralen Prozessvoraussetzung fehlte, wurden diese sogenannten Antragsdelikte nicht weiterverfolgt.

Der Rückzug der Strafanzeigen war Teil der Einigung, welche das Ehepaar im Laufe dieses Jahres endlich hatte erzielen können. Details der Scheidungskonvention wurden nicht bekanntgegeben. Borer hatte im Vorfeld aber ausdrücklich erklärt, an einer Verurteilung seiner Frau auch bei den sogenannten Offizialdelikten kein Interesse zu haben. Fielding, so ihr Anwalt, habe alle zumutbaren Anstrengungen unternommen, um das von ihr bewirkte Unrecht auszugleichen. Deshalb sei auch das Strafverfahren wegen falscher Anschuldigung und Urkundenfälschung einzustellen.

«Die Steuerzahler wirds freuen»

So einfach war es dann doch nicht. Bei einer Urkundenfälschung, die das Vertrauen in den Geschäftsverkehr erschüttert, besteht ein nicht geringes öffentliches Interesse an einer Verurteilung. Fielding, die die Unterschrift ihres Mannes gefälscht hatte, um an dessen Kreditkartenabrechnung heranzukommen, wurde deswegen zu einer bedingten Geldstrafe von 21'000 Franken (60 Tagessätze à 350 Franken) verurteilt.

Einen Freispruch erreichte sie aber im Zusammenhang mit der falschen Anschuldigung. Laut Obergericht ist es nicht bewiesen, dass sie gelogen hat, als sie ihren Ehemann bezichtigte, sie tätlich angegangen und bedroht zu haben. Das bedeutet umgekehrt aber auch nicht, dass die Vorwürfe wahr sind.

Aufgrund des Prozessausgangs muss der 45-Jährigen als «zwingende Folge des Gesetzes» eine Entschädigung zugesprochen werden, konkret: 43'500 Franken. «Die Steuerzahler wirds freuen», meinte der Gerichtsvorsitzende. Grund zur Freude hat auch Shawne Fielding: «Ich bin froh, diesen Abschnitt meines Lebens hinter mir lassen zu können», sagte sie nach der Verhandlung.

Erstellt: 24.10.2014, 23:06 Uhr

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