Im schlimmsten Fall droht Kündigung auf einen beliebigen Zeitpunkt

Nach dem Wasserrohrbruch von vergangener Woche ist noch immer unklar, wo die Mieter der Uetlibergstrasse 27 künftig leben werden. Der Mieterverband nimmt nun die Stadt in die Pflicht.

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Gut eine Woche nach dem verheerenden Wasserrohrbruch an der Uetlibergstrasse ist die Lage für die Mieter noch immer ungewiss. «Im Moment ist noch unklar, wie es mit den in Mitleidenschaft gezogenen Wohnungen weitergehen wird», sagt Flavia Morelli, Pressesprecherin der zuständigen Liegenschaftsverwaltung Wincasa, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Frage, ob das von den ausgetretenen Wassermassen am meisten beschädigte Gebäude an der Uetlibergstrasse 27 abgerissen werden könnte, blieb unbeantwortet.

Die 15 Mieter des Hauses seien derzeit laut Morelli entweder in privaten Wohngemeinschaften oder in Hotels untergebracht. Eine für alle Seiten unbefriedigende Situation. Denn auch für die Vermieter wird es teuer, wenn nicht bald eine Lösung gefunden werden kann.

Unkostenbeitrag bei privater Unterbringung

«Der Vermieter ist an die Schadensminimierungspflicht gebunden. Er muss den Mietern eine neue Wohnung oder eine adäquate Unterkunft anbieten», erklärt Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbandes. Für die Zeit im Exil ist der Vermieter zudem entschädigungspflichtig. Er muss zum Beispiel für höhere Kosten der Verpflegung aufkommen, wenn es in der neuen Bleibe keine Kochmöglichkeit gibt. «Kommen die Mieter bei Bekannten unter, dann muss der Vermieter einen Betrag an die Unkosten beisteuern, der mit der Unterbringung in einer einfachen Pension vergleichbar ist», so Angst.

Auch die Stadt Zürich täte laut Angst gut daran, Ressourcen für eine längerfristige Unterbringung der betroffenen Hausbewohner bereitzustellen. Die städtische Wasserversorgung kann für die verursachten Schäden haftbar gemacht werden. «Der Mieter muss den Schadenersatz beim Vermieter geltend machen, und dieser muss wiederum die Schadenssumme bei der Stadt einfordern.»

Angst ist allerdings davon überzeugt, dass sich die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung in diesem Fall kulant zeigen werden. «Zürich hat ein gutes Versicherungskonzept, das in einer solchen Situation zum Einsatz kommt. Abgesehen davon ist es ein einmaliger Schaden. Dass es schon morgen wieder einen ähnlichen Fall geben wird, ist kaum zu erwarten.»

Wünsche an die neue Wohnung nur bedingt möglich

Wünsche an die von der Stadt oder von der Verwaltung bereitgestellten Wohnungen können von den Mietern allerdings nur bedingt angebracht werden – beispielsweise wenn Kinder in den Umzug involviert sind, deren Schulweg unzumutbar würde. «Wenn man eine vorgeschlagene Wohnung ablehnt, weil sie zu weit weg liegt, hat man vermutlich später Mühe damit, Schadenersatz einzufordern», so Angst.

Würde das Haus abgerissen, könnte der Eigentümer den Mietern sogar auf einen beliebigen Zeitpunkt hin künden, weil die Vertragserfüllung unzumutbar wäre. Also beispielsweise schon per Ende Mai. Die Bewohner würden dann ohne eigenes Verschulden innert kürzester Zeit auf der Strasse stehen und müssten auf dem ohnehin harten Zürcher Wohnungsmarkt nach einer neuen Bleibe suchen.

Es sei in einem solchen Fall gemäss Angst unbedingt ratsam, einen Mietrechtsanwalt beizuziehen, denn der Richter bestimmt die vermögensrechtlichen Folgen einer Kündigung unter Berücksichtigung aller Umstände. «Vermögensrechtliche Mietfragen sind zwar immer schwierig zu klären, weil viele Aspekte mit einfliessen. Man ist als Mieter aber nicht völlig wehrlos.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2013, 15:44 Uhr

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