In Oerlikon ertrinken chinesische Bäume

Die Eschen und Blauglockenbäume im Oerliker Park serbeln. Grund dafür sind die Bautätigkeit und ein Pilz. Einige der Bäume haben die Stadtgärtner bereits gefällt, Dutzende folgen.

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Zehn Jahre nach seiner Eröffnung gibt der Oerliker Park heute ein tristes Bild ab. Die einst jungen Bäume weckten im wachsenden Stadtteil Hoffnung auf ein grünes, schattenspendendes Dach. Sie entwickelten sich aber zu Sorgenkindern der Gärtner von Grün Stadt Zürich. Seit der Eröffnung des Oerliker Parks im Jahr 2001 serbeln besonders zwei Sorten: die Eschen und die aus China stammenden Blauglockenbäume.

Die Stadt setzte beim Bau des Parks um die Jahrtausendwende 33 der chinesischen Pflanzen – seither ist mehr als die Hälfte verendet. Grund dafür ist die Bautätigkeit rund um den Oerliker Park. «Dadurch ist der Grundwasserspiegel gestiegen», sagt Handschin.

Bestellung gestoppt

Die chinesischen Pflanzen hätten «nasse Füsse» gekriegt. «Das schätzt diese Baumart überhaupt nicht.» Einige Bäume haben die Stadtgärtner schon gefällt, die übrigen werden folgen. Eigentlich hätten Wassertannen, ursprünglich ebenfalls in China heimisch, die Blauglockenbäume ersetzen sollen, wie die Lokalzeitung «Zürich Nord» schreibt.

Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt Handschin: «Sie waren schon bestellt». Die Stadt stoppte den Auftrag allerdings bald darauf wieder. «Um die Artenauswahl gründlich zu überprüfen.» Als Ersatz sind nun mehrere Baumarten im Gespräch. «Grün Stadt Zürich will in dieser Sache keine voreiligen Entscheide fällen», sagt Handschin. Um welche Baumsorten es sich handelt, darüber schweigt sich die Stadt aus.

Eschen von Pilz befallen

Das zweite Sorgenkind in der Anlage sind die Eschen. Die Bäume um den roten Pavillon leiden am Eschentriebsterben. Ein Pilz mit dem harmlosen Namen Falsches Weisses Stengelbecherchen lässt einzelne Triebe absterben. «Die Eschen reagieren darauf, indem sie unterhalb des abgestorbenen Teils verstärkt austreiben», sagt Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich. Ein Mittel gegen den Pilz gebe es noch nicht. «Auf Anraten der Wissenschaft warten wir ab und beobachten, wie sich der Befall entwickelt.» Im Park stünden verschiedene Eschensorten, es sei deshalb durchaus möglich, dass einige von ihnen sich als resistent erwiesen.

Der Oerliker Park entstand als erster von vier Parkanlagen und ist Teil der Gebietsentwicklung «Zentrum Zürich-Nord». Der westliche Parkteil diente der Maschinenfabrik Oerlikon während Jahren als Deponie. Die Altlasten mussten vor dem Bau des Parks mit einer Abdichtung gesichert werden. Den östlichen Teil des Parks nutzten die Mitarbeiter von ABB als Sportanlage. 1999 fuhren die Bagger auf, 2001 war der Oerliker Park fertiggestellt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.09.2012, 11:17 Uhr

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