«In Zürich wird selbst aus einer Markthalle ein überteuerter Designschuppen»

Die Geschäfte in den Viaduktbögen kommen bei Quartierbewohnern im Kreis 5 nicht gut an. In zahlreichen Kommentaren kritisieren Kunden die teuren Produkte, die sich nur eine Elite leisten könne.

Einzigartig, aber nicht für alle erschwinglich: Markthalle in den Viaduktbögen.

Einzigartig, aber nicht für alle erschwinglich: Markthalle in den Viaduktbögen. Bild: Bruno Schlatter

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Vier Monate nach der Eröffnung der Markthalle im Bahnviadukt bei der Josefwiese ist eine hitzige Diskussion über das Angebot entbrannt. In den Kommentarspalten auf Tageanzeiger.ch kritisieren viele Leser die Preise der Stände und Geschäfte als viel zu teuer. Der mässige Erfolg sei «kein Wunder bei diesen Preisen», schreibt etwa Mark Berger. «Eine echte Markthalle mit günstigen, frischen Artikeln, wie man sie im Ausland kennt, ist dies ja nicht», schreibt er weiter. Viel mehr sei es ein Ort, an dem man seine Design-Konfitüre kaufen könne. Bergers Fazit: «Das passt ja auch mittlerweile ganz gut in die Gegend.»

Zahlreiche Leser bedauern denn auch die Ausrichtung der Viaduktbögen auf eine zahlungskräftige, trendbewusste Kundschaft, statt auf weniger kaufkräftige Quartierbewohner. Damit werde der Kreis 5 getrennt, statt ihn zu verbinden, findet Armin Kühne: «Der Viadukt macht eine Grenze zwischen den Einkommensschichten und sozialen Gruppen sichtbar.» Ernst Sommer findet, «manche Mieter verharren noch immer auf einer total illusorischen Tarif-Ebene. Das sei auch schlecht für realistische Mieter.»

Keine Zone wie die Bahnhofstrasse

Pius Meier fragt sich, warum alles immer so rausgeputzt sein müsse? «Etwas einfacher und weniger teuer würde dieser Stadt gut tun.» Enttäuscht ist auch Alexander Keller. «Als ich dort einkaufen wollte, hatte ich leider keine 300 Franken übrig», schreibt er. Schliesslich liege der Viadukt in einer grossen Wohnzone und nicht in einer Touristenzone à la Bahnhofstrasse.

Die Ausrichtung auf Spezialitäten, exklusive Mode- und Sportartikel sowie Ateliers sieht Marc Meier denn auch als Risiko für die Mieter: «Das urbane Yuppie-Stadtvolk ist keine treue Kundschaft.» Und «um die Delikatessenverkäufer vom Globus oder Jelmoli wegzulocken, wird in der kleinen Markthalle einfach zu wenig geboten», schreibt Andreas Walla.

«Mit den richtigen Produkten bleibt der Erfolg nicht aus»

Die Kritik an der Preispolitik versteht Kurt Pohl nicht. Er erinnert an den Preisvergleich von Tagesanzeiger.ch. Dieser ergab, dass bei ähnlichen Produkten die Markthalle sogar günstiger als die Migros ist. Und obwohl «etwas mehr Quartierbezug besser wäre», mahnt David Adair zu mehr Geduld: «Jeder Selbstständigerwerbende weiss, dass es drei bis fünf Jahre dauert, bis der Laden läuft.» Das sieht auch Norbert Ilg ähnlich – und freut sich über den Viadukt: «Ein tolles und innovatives Projekt.»

Positiv bewerten neben anderen Kunden auch zwei Mieter in den Viaduktbögen ihre Geschäftslage. Regula Stutz versteht die Kritik nicht: «Wir führen den Pie Shop mit viel Erfolg und es scheint, dass mit den richtigen Produkten der Erfolg nicht ausbleibt.» Auch Michael Fontana-Jones vom British Cheese Centre frohlockt: «Seit der Eröffnung habe ich Tausende von glücklichen Kunden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.01.2011, 11:21 Uhr

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