In der Europaallee fehlt das Leben

Seit einem Monat studieren angehende Lehrer in der Europaallee. Die Überbauung wirkt trotz der vielen jungen Menschen grau und leblos.

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Seit knapp einem Monat haben Studenten und Lehrer die pädagogische Hochschule bezogen und mehr als zehn Läden ihre Regale gefüllt. Wer gehofft hat, mit den Studenten käme etwas Leben in die Überbauung, wird aber enttäuscht. Der Gebäudekomplex der Europaallee fügt sich nahtlos in das derzeit graue Zürcher Wetter ein. Kühl, grau, trist.

Die Studenten finden den zentralen Standort und die moderne Ausstattung des Campus durchaus interessant. «Der Eingang zur Bibliothek sieht fast aus wie die Garderobe eines Zürcher In-Lokals», sagt eine junge Frau. Auch die nahen Filialen von Coop und Starbucks kommen den jungen Leuten entgegen. Im Coop decken sie sich mit erschwinglichen Mahlzeiten ein. Laptop-bestückte Kaffeetrinker können im amerikanischen Kaffeehaus ganz in der Nähe des Bahnhofs verweilen. Wer auf den Zug warten und noch arbeiten muss, dem steht nun endlich ein Ort mit Internetverbindung zur Verfügung.

Doch das Preissegment der restlichen Läden in der Europaallee entspricht nicht gerade dem Budget eines durchschnittlichen Pädagogikstudenten: In einem Laden, in dem abends auch Yogalektionen stattfinden, wird etwa ein Pump-Fläschchen Handseife für 25 Franken verkauft.

Wanderschuhe für die ganze Stadt

Die Auswahl der Geschäfte ist ein Kontrastprogramm zur kahlen Architektur der Europaallee: Verkauft werden vor allem Outdoorsportartikel. Fahrräder im Happy Bike, Schlafsäcke im Ochsner Sport, Snowboard-Hosen im Doodah. Der König der Europaallee ist indessen der Transa-Laden. Er ist so gross, dass sich dort mühelos die ganze Stadt mit Multifunktionsschuhen und atmungsaktiven Regenjacken eindecken könnte. Wer durch die Regale mit Polycarbonhelmen in allen Regenbogenfarben flaniert, seinen Blick über funkelnde Kletter-Utensilien schweifen lässt, der verspürt unweigerlich den Drang, alles zu kaufen und damit das Matterhorn zu besteigen.

Trotz der wenigen Passanten, die ihren Weg in die Europaallee finden, zieht Heidi Schwizgebel, Mitglied der Transa-Geschäftsleitung nach dem ersten Monat eine positive Bilanz.

2,5-Zimmerwohnungen für 1,32 Millionen Franken

Praktisch ist die direkte Passage zu den Geleisen des Hauptbahnhofes. Sie könnte die Kasernenstrasse entlasten. Denn auf der schmalen Strasse, die an der Sihlpost entlang in den HB führt, ist zu Stosszeiten fast kein Durchkommen möglich. Doch noch haben sich die Passanten noch nicht an den neuen Weg gewöhnt. Die Europaallee scheint leblos.

Das könnte sich ändern, wenn die Wohnungsmieter einziehen: Beim Gustav-Gull-Platz in einem der beiden Türme ist eine Seniorenresidenz geplant, im anderen 42 Eigentumswohnungen, die ab 2015 einzugsbereit sein sollen. Die kleinsten Wohnungen verfügen über 2,5 Zimmer und eine Grundfläche von 96 Quadratmeter. Eine 2,5-Zimmerwohnung direkt an den Geleisen wird für 1,32 Millionen Franken verkauft. Aktuell sind in der Stadt sechs ähnlich grosse Wohnungen in diesem Preissegment ausgeschrieben – allerdings ohne Zuglärm.

Erstellt: 12.10.2012, 12:16 Uhr

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