«In der Innenstadt werden Brunnen als Pool missbraucht»

Nichts ist in den kommenden Hitzetagen so gefragt wie kühlendes Nass. Genau das bieten die rund 1200 Brunnen der Stadt – und anders als in den Badis ist dort fast alles erlaubt. Fast.

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Herr Colazzo, Sie sind zuständig für Brunnenanlagen von Zürich. In den kommenden Tagen soll eine regelrechte Hitzewelle über die Stadt hinwegrollen. Könnte das Brunnenwasser knapp werden?
Nein, in Zürich hat es immer genügend Wasser, da muss man sich keine Sorgen machen. Es werden auch keine Brunnen abgeschaltet. Sie stehen alle in den kommenden heissen Tagen als kühlende Treffpunkte und zum Durstlöschen bereit.

Also fliesst in allen Brunnen der Stadt Trinkwasser?
Ja, unsere Brunnen werden alle mit Trinkwasser versorgt. Nur in seltensten Fällen, wenn der Brunnen beispielsweise direkt im Wald mit Quellwasser gespeist wird, ist die Qualität nicht optimal. Dann weisen wir die Leute mit Schildern darauf hin, dass man dort nicht trinken darf, bis die Laborwerte sich verbessert haben.

Wie viele Brunnen gibt es eigentlich in der Stadt?
In der Stadt gibt es etwas mehr als 1200 Brunnen. 180 davon befinden sich im Privatbesitz. Pro Jahr kommen etwa vier bis fünf neue Brunnenanlagen hinzu. Unsere acht vollamtlichen Brunnenwärter sind von Montag bis Freitag in ihren zugeteilten Bezirken unterwegs. So können wir sicherstellen, dass jeder Brunnen einmal pro Woche gereinigt und kontrolliert wird.

Darf man in den Brunnen baden?
Es gibt diesbezüglich keine allgemeingültigen Regeln. Wenn das Baden in einer bestimmten Anlage nicht erlaubt wäre, dann würde ein entsprechendes Schild angebracht.

Dann dürfen selbst Hunde in die Becken springen?
Ja, Vierbeiner sind schliesslich auch Lebewesen. Wenn sich ein Hund abkühlen will, ist das ok. Es könnte einzig bei den Ableitungen Probleme entstehen, weil die Hundehaare den Abfluss verstopfen. Aber bei solchen Temperaturen lässt sich das kaum vermeiden. Allerdings ist es nicht erlaubt, die Hunde gleich noch in den Brunnen zu schamponieren.

Kam das schon vor?
Es kam schon vor, dass jemand Shampoo in den Alfred-Escher-Brunnen beim Zürcher Hauptbahnhof geschüttet hat. Weil es ein Umwälzbecken ist, schäumte natürlich alles innert kürzester Zeit und bei uns liefen die Telefondrähte heiss, weil besorgte Leute das beobachtet haben. In solchen Fällen bieten wird den zuständigen Brunnenwärter sofort auf, um das Becken zu säubern. Zu Vandalenakten kommt es aber zum Glück äusserst selten.

Wie warm ist das Brunnenwasser im Durchschnitt?
Jetzt wird es zwischen 8 und 15 Grad warm sein. Je nach Grösse und Exponiertheit des Beckens und je nach dem, wie lange das Wasser im Becken bleibt, kann es sich selbstverständlich leichter aufwärmen.

Das ist doch relativ kühl. Werden die Brunnen denn überhaupt zum Baden genutzt?
Natürlich. Vor allem in der Innenstadt werden grosse Brunnen fast schon als Pool missbraucht. Kinder haben ganz besonders viel Spass daran, in die Becken einzutauchen. Wichtig ist, dass sie dabei immer gut beaufsichtigt werden und dass das Wasser nie so stark gestaut wird, dass es über 20 cm tief ist. Sonst ist die Gefahr zu gross, dass ein Kleinkind darin ertrinkt.

In welchen Brunnen würden Sie denn am liebsten hineinspringen?
In den Waldmannbrunnen an der Rämistrasse. Er wird von zwei schönen Frauenfiguren flankiert und ins grosse Becken fliesst ein herrlicher Wasservorhang.

Und haben Sie sich schon einmal unter diesem Wasservorhang gekühlt?
Nein, noch nie. Aber das könnte in den kommenden Tagen schon mal passieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2012, 15:35 Uhr

«In Zürich hat es immer genügend Wasser»: Silvio Colazzo, Brunnenplaner der Stadt Zürich. (Bild: ZVG)

Silvio Colazzo

Die Abteilung Haustechnik der Wasserversorgung der Stadt übt als Kompetenzzentrum für Installationsfragen eine Kontrolle aus, steht aber auch für die Beratung von Bauherren, Architekten und Planern zur Verfügung. Für die Brunnenplanungen sowie den Unterhalt und die Wartung der bestehenden Brunnenanlagen der Stadt ist Silvio Colazzo zuständig. Er koordiniert auch die Arbeit der acht vollamtlichen Brunnenwärter von Zürich. Sie sorgen dafür, dass die Anlagen regelmässig gereinigt und kontrolliert werden. Und sie melden, wenn Reparaturarbeiten an der Wasserversorgung oder am Brunnen selbst vorgenommen werden müssen.

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