In der Not lebt man auch eng

Die Wohnungsknappheit begünstigt eine neue ­Wohnform: Apartments.

Lukratives Geschäftsmodell: Apartment-Haus von Peter Sander an der Klingenstrasse in Zürich. Foto: TA

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Peter Sander macht vor, wie man im Zürcher Immobilienmarkt heute Geld verdienen kann: mit Kleinstwohnungen, die in manchen Fällen aus grösseren Einheiten herausgelöst werden. Solche Zimmer kosten oft über 1000 Franken. Die NZZ berichtete am Montag über einen anderen Hauseigentümer, der 80 ähnliche «Apartments» vermietet. Diese sprechen längst nicht nur Sozialhilfeempfänger an. Zu den Mietern gehören Sans-Papiers, Arbeiter aus dem EU-Raum, Menschen, die unbedingt in der Stadt leben wollen, alle, die Mühe haben, etwas Besseres zu finden.

«Viele Leute sind gezwungen, in der Stadt zu leben, meist wegen ihres Jobs», sagt Walter Angst, Sprecher des städtischen Mieterverbandes. Auf dem regulären Markt hätten sie oft kaum Chancen. «Sie sind gottenfroh, überhaupt etwas zu bekommen», sagt Angst, der auch schon eine Familie beraten hat, die zu dritt in einem Zimmer für 2700 Franken lebte. Wenn der Markt derart ausgetrocknet bleibt, wird die Zahl solcher Liegenschaften laut Angst wachsen.

«Es ist sicher so, dass die Nachfrage nach Kleinstwohnungen gestiegen ist», sagt Robert Weinert von der Immobilien-Beratungsfirma Wüest & Partner. Je mehr Druck im Wohnungsmarkt herrsche, des­to mehr Leute fänden sich mit wenig Wohnraum ab. Die Entwicklung werde dadurch verstärkt, dass immer mehr Menschen in der Schweiz allein lebten.

Laut Albert Leiser, Direktor des städtischen Hauseigentümerverbandes, handelt es sich bei der Umwandlung von Wohnungen in Apartments aber nicht um einen Trend. Ihm seien drei bis fünf Eigentümer bekannt, die so vorgingen. Obwohl die Nachfrage bestehe, bedeuteten die vielen Mieter und ständigen Wechsel einen grossen Verwaltungs­aufwand. «Wenn man das seriös macht, hat man hohe Betriebskosten.»

Auch die Statistik zeigt keinen Trend an. Der Anteil von Einzimmerwohnungen am Gesamtwohnbestand ist in den letzten zehn Jahren von 13,4 Prozent auf 12,1 geschrumpft. Seit 2011 steigt die Zahl aber wieder leicht an. Die Fläche in den Einzimmerwohnungen hat sich von 31 auf 33 Quadratmeter vergrössert.

Lukrative «Businessnomaden»

Lukrativ scheint das Geschäft mit den teureren, möblierten Business-Apartments zu sein. Einer der grössten An­bieter ist die international tätige Vision­apartments, die in Zürich gut 600 Wohnungen vermietet. «Wir sind fast immer ausgebucht und suchen weiterhin neue Häuser», sagt Sprecher Alain Gozzer. Etwa 80 Prozent der Mieter seien internationale Geschäftsleute, «Business-Nomaden», die von Stadt zu Stadt ziehen. Der Rest bestehe aus Menschen, die wegen Notfällen dringend eine Unterkunft bräuchten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt drei Monate.

Auch bei Visionapartments geht die Entwicklung Richtung «kompakt». Derzeit baut die Firma ein Haus an der Militär­strasse um, dabei werde man die «Einheiten verkleinern», sagt Gozzer. Das mache die Wohnungen günstiger.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2015, 20:47 Uhr

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