In die Selnau-Post zieht das drittgrösste Hotel der Schweiz

Die Budget-Hotelkette Motel One macht den Drei- und Viersternhotels Konkurrenz.

Der Aussenfassade der Selnaupost ist seit 100 Jahren unverändert, im Innern jedoch ist schon alles ausgehöhlt. Foto: Urs Jaudas

Der Aussenfassade der Selnaupost ist seit 100 Jahren unverändert, im Innern jedoch ist schon alles ausgehöhlt. Foto: Urs Jaudas

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Von aussen sieht das altehrwürdige Postgebäude noch aus wie vor 100 Jahren. Doch im Inneren der 1915 erstellten Telefonzentrale Selnau an der Ecke Brandschenkestrasse/Dianastrasse hat die Zukunft bereits begonnen: das Mobiliar ist entfernt, in den grossen Sälen stehen nur noch die tragenden Säulen. Erhalten sind vom Gebäude der einstigen PTT nur noch die denkmalgeschützten Aussenfassaden und die Zwischendecken.

2017 will die deutsche Budget-Hotelkette Motel One (Jahresumsatz 268 Millionen Franken) in der Selnau das grösste Hotel der Deutschschweiz eröffnen. Grösser als die geplante Unterkunft für 400 Gäste sind gemäss der Fachzeitschrift Hotelrevue nur das Starling Geneva und das Grand Hotel Kempinski in Genf.

Neue starke Konkurrenz

Für das ehrgeizige Projekt in Zürich hat Motel One mit einem der potentesten Akteure der Schweizer Immobilienwirtschaft zusammengespannt: Eigentümerin des fast 4000 Quadratmeter grossen, ehemaligen PTT-Komplexes mit vier Gebäuden ist die grösste börsenkotierte Immobilieninvestmentgesellschaft der Schweiz, Swiss Prime Site (SPS), mit einem Portfolio von zehn Milliarden Franken. Das ehemalige Innenleben der Telefonzentrale Selnau und der später dort untergebrachten Poststelle hat das Unternehmen bereits entfernt. Zur Zeit kehren die Bauarbeiter die letzten Überreste der Innenwände zusammen. Die Baubewilligung für die Hotelräume erwartet Swiss Prime Site gemäss Portfolio-Manager Anastasius Tschopp in diesen Tagen.

«Für die Zürcher Hotellerie ist ein neues Hotel dieser Grössenordnung – geplant sind 400 Zimmer – eine ziemliche Herausforderung», sagt der Präsident des Zürcher Regionalverbandes von Hotelleriesuisse, Martin von Moos. Obwohl die Hotelbuchungen im Raum Zürich relativ konstant seien, rechnet der Geschäftsführer des Hotel Belvoir in Rüschlikon durch den starken neuen Mitbewerber mit weiter sinkenden Preisen in der Branche. «Besonders für Dreisternehotels wird die Budgethotelkette ein ernstzunehmender Konkurrent sein», sagt von Moos.

Ursprünglich wollte die Motel One Group in Zürich Zimmerpreise von 139 Franken anbieten. Angesichts der Aufhebung der Euro-Untergrenze muss die Kette mit Hotels in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Belgien und der Tschechischen Republik die Preise wohl nach unten korrigieren. Denn die Mehrzahl der Hotelgäste wird voraussichtlich aus dem Euroraum anreisen. Beim ebenfalls von Motel One geplanten neuen Hotel am Basler Barfüsserplatz geht der Hotelkonzern von Preisen ab 95 Franken pro Nacht und Zimmer aus.

Fassade mit Fernsprechtechnik

Regionalverbandspräsident von Moos kann dem neuen Akteur auf dem Platz Zürich allerdings auch Gutes abgewinnen: «Die Hotelkette Motel One vermarktet ihre Hotelzimmer in Europa sehr erfolgreich. Damit kann sie zusätzliche Hotelgäste nach Zürich bringen, von denen andere Dienstleister und die Destination profitieren können», sagt von Moos. Dass das Gebäude der ehemaligen Telefonzentrale Selnau über keine Parkgarage verfügt, sieht er nicht als Wettbewerbsnachteil. «Der öffentliche Verkehr ist in Zürich so gut, dass auch viele Geschäftsreisende ohne Auto unterwegs sind», sagt der Hotelier.

Eigentlich sollte die neue Bleibe für Reisende schon 2016 eröffnet werden. Der Umbau wird jedoch länger dauern als geplant. «Bei den denkmalgeschützten Bauten muss man auf sehr viele Details Rücksicht nehmen», sagt SPS-Projektleiter Tschopp. Dafür bleiben den Hotelgästen und den Zürchern liebenswürdige Details erhalten.

Wer genau hinschaut, entdeckt an der Fassade allegorische Figuren des Bildhauers Hans Markwalder. Sie erinnern an die Fernsprechtechnik, die einst vor 100 Jahren Einzug hielt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2015, 05:21 Uhr

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