Interesse am Seerestaurant wächst

Seit dem Jahr 1947 existiert die Idee von einem Seerestaurant am Bürkliplatz. Aktuell scheint die Umsetzung des Projekts realistischer denn je.

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Meistens sind es Linke, die ohne Bewilligung demonstrieren. Doch am Montag waren es drei bürgerliche Kantonsräte, die sechs Quadratmeter Bürkliterrasse besetzten. Und im Gegensatz zum Schwarzen Block konnten sie sich der allgemeinen Sympathie sicher sein: Lorenz Schmid (CVP, Männedorf), Marco V. Camin (FDP, Zürich) und Martin Arnold (SVP, Oberrieden) tafelten über Mittag an einem weiss gedeckten Tisch und warben damit für ein Seerestaurant neben der Schiffanlegestelle Bürkliplatz. Diesem Projekt wollen sie mit einer Motion zum Durchbruch verhelfen: Der Regierungsrat soll eine Vorlage präsentieren, damit das Kantonsparlament einen Richtplaneintrag beschliessen kann. Dieser Eintrag ist die planerische Voraussetzung für einen Gastrobetrieb in der Freihaltezone am Seeufer.

Ein alter Delfin

Ein Seerestaurant am Bürkliplatz ist wie ein alter Delfin, der seit Jahren unterwegs ist und regelmässig auftaucht und wieder verschwindet. Schon Stadtbaumeister Albert H. Steiner legte 1947 einen Entwurf mit vorgelagerter Terrasse vor, der allerdings nie realisiert wurde. Später wurden Ideen schubladisiert mit dem Verweis auf ein neues Kongresszentrum am See. Dieses ist seit der Volksabstimmung vom 1. Juni 2008 aber definitiv vom Tisch. Kurz darauf wurde Zürich vom Euro-08-Fieber erfasst, etwa auf dem Partyfloss am Bellevue. 8000 Personen unterschrieben danach eine Petition für eine Verlängerung der schwimmenden Lounge, was den Architekten Walter Wäschle motivierte, seine zehn Jahre alte Vision eines flachen Glasbaus auf einer Terrasse erneut zu präsentierten. Seither ist die Idee ein Delfin, der nicht mehr taucht.

Im Zürcher Gemeinderat haben Severin Pflüger (FDP) und Daniel Meier (CVP) schon letztes Jahr eine Motion eingereicht, die eine Projektierungsvorlage für ein Seerestaurant verlangt. Sie argumentieren, die Euro 08 habe die einmalige Lage Zürichs als Stadt am See wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht. Der Standort wäre ideal, da er mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend erschlossen ist und der Bürkliplatz samt oberer Bahnhofstrasse ohnehin aufgewertet werden sollte.

Bürkliplatz ungenügend

Auch die kantonale Baudirektion und das städtische Hochbaudepartement halten den Raum Bürkliplatz/Quaibrücke für ungenügend, insbesondere den Übergang von der Bahnhofstrasse zum Seeufer. In ihrem gemeinsamen Entwicklungskonzept zum Seebecken, letztes Jahr beschlossen, wird die Aufwertung des Gebietes angeregt und sogar ausdrücklich gefordert: «Zürichs Visitenkarte im Raum Schifflände/Quaibrücke/Utoquai soll Gastronomieangebote erhalten, welche in ihrer Erscheinung der Bedeutung des Ortes gerecht werden.» Mit ihrer am Montag eingereichten Motion wollen die drei bürgerlichen Kantonsräte nichts anderes, als das Leitbild Seebecken konkret zu machen. Ähnliches tut derzeit auch eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Stadt und des Kantons sitzen. Sie untersuchen, wie der Raum Bürkliplatz neu gestaltet werden könnte.

Für diese sogenannte Entwicklungsplanung hatte der Stadtrat im letzten Dezember drei Jahre Arbeit in Aussicht gestellt. Das Seerestaurant schilderte er als überaus komplexes Vorhaben, bei dem es insbesondere abzuklären gelte: Zuständigkeit Stadt/Kanton, Konzessionsland, Grundeigentümerverhältnisse, Städtebau, Archäologie, Natur- und Heimatschutz, Flachwasservegation oder Uferschutz. Doch mittlerweile geniesst die Frage nach einem Seerestaurant in der Arbeitsgruppe Priorität und soll nach Auskunft von Urs Spinner, dem Mediensprecher des Hochbaudepartements, schon im kommenden Frühling entschieden werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2010, 21:00 Uhr

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