«Irrsinn»: Ex-Chefbeamter schiesst gegen Rosengartentunnel

Bruno Sauter kritisiert das Herzensprojekt seiner Ex-Chefin Carmen Walker Späh scharf. Und stellt einen Profit-Vorwurf in den Raum.

«Völlig abstruse Verkehrsführung»: Bruno Sauter fällt seiner Ex-Chefin Carmen Walker Späh vor der Rosengarten-Abstimmung in den Rücken. Archivbild: Keystone

«Völlig abstruse Verkehrsführung»: Bruno Sauter fällt seiner Ex-Chefin Carmen Walker Späh vor der Rosengarten-Abstimmung in den Rücken. Archivbild: Keystone

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Bruno Sauter ist kein Verkehrsexperte. Er war bis im September 2019 noch Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Dann verliess er die Volkswirtschaftsdirektion. Er soll sich mit Regierungsrätin Carmen Walker Späh überworfen haben. Nun äusserte er sich gestern auf der Onlineplattform «Inside Paradeplatz» scharf gegen das Rosengarten-Projekt – das wohl wichtigste Projekt seiner ehemaligen Vorgesetzten. Seit 30 Jahren kämpft Walker Späh für den Tunnel, der die Quartierbevölkerung vom Lärm entlasten soll. Er gilt für sie als Herzensangelegenheit.

Bruno Sauter wählt in seinem Kommentar deutliche Worte. Er spricht von einer «völlig abstrusen Verkehrsführung» des Rosengartentunnels, einem «selbst­verliebten Strassenprojekt». Der Kanton habe andere Probleme – etwa eine dringend notwendige Oberlandautobahn oder eine Entlastung des Brüttiseller Kreuzes.

Stau bilde sich nicht am Rosengarten, sondern im gesamten Glattal und Oberland bis Winterthur sowie bei den Zufahrten in die Stadt Zürich am Schöneich, bei der Brunau und beim Hardturm. Beim Rosengarten sei für den Verkehr im Kanton Zürich kein Mehrwert zu erkennen. Und ausserdem sei der Tunnel mit 1,1 Milliarden Franken viel zu teuer.

Angriff auf Walker Späh?

Sauter erwähnt Regierungsrätin Walker Späh nicht namentlich – und doch werden viele Leserinnen und Leser von «Inside Paradeplatz» sie darin erkennen. Denn Sauter schreibt, vom Rosengartentunnel würden nur «wenige Anwohner profitieren von insbesondere massiven Wertsteigerungen auf ihren Liegenschaften». Erst Anfang September 2019 berichtete das Onlineportal in mehreren Beiträgen, Familie Walker besitze im Quartier ein Haus und würde vom Tunnel profitieren. Die Regierungsrätin wehrte sich daraufhin mit einer Gegendarstellung. Das Haus befinde sich «weit genug von der Rosengartenstrasse entfernt», sodass es nicht vom Lärm betroffen sei.

Sauter sagt der NZZ, sein Kommentar sei nicht gegen seine ehemalige Vorgesetzte gerichtet. «Mir geht es einzig um die Sache», zitiert die Zeitung den ehemaligen AWA-Chef. Er halte das Projekt für einen «fundamentalen Irrsinn» und habe das mit seinem Beitrag ausdrücken wollen, sagt Sauter.

Die NZZ spekuliert weiter, Sauter könnte mit seinem Beitrag gegen die Treuepflicht verstossen haben. Mutmasslich betrage seine Kündigungsfrist mindestens 6 Monate, damit würde er noch heute Lohn vom Kanton beziehen. Weder Sauter noch die Volkswirtschaftsdirektion von Walker Späh äussern sich über die Abgangsmodalitäten.

Erstellt: 16.01.2020, 07:52 Uhr

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