Islamisten-Anlass auch in Zürich

In Winterthur sorgt eine Veranstaltung von Hasspredigern für Unruhe. Einen Tag später organisiert der Islamische Zentralrat Schweiz in Zürich eine Aktion mit ebenfalls umstrittenen Rednern.

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In Winterthur droht morgen ein harmloser Sammeltag für Opfer des syrischen Krieges zu einem Treffen radikaler Islamisten zu werden. Doch auch in Zürich sammeln am Sonntag Islamisten für ihre muslimischen Brüder und Schwestern in Syrien. Organisiert wird dieser Anlass jedoch vom radikalislamischen Verein Islamischer Zentralrat der Schweiz (IZRS).

IZRS-Sprecher Abdel Azziz Qaasim Illi zeigt sich erstaunt, dass die deutsche Gruppierung Ansaar International einen ähnlichen Anlass am selben Wochenende durchführt. Dass es irgendeine Verbindung der beiden Anlässe gibt, streitet Illi ab. «Wir haben absolut nichts miteinander zu tun», sagt er. Es sei, wie wenn zwei Parteien am selben Wochenende ihren Parteitag durchführen würden.

Umstrittene Redner

Doch auch die Benefiz-Auktion in Zürich-Altstetten hat prominente und umstrittene Redner auf dem Programm. Der IZRS-Präsident Nicolas Blancho tritt auf, der zum Islam konvertierte Schweizer, der in Biel an der Ar-Rahman-Moschee lehrt. Die «Weltwoche» hat ihn einst als gefährlichsten Islamisten der Schweiz bezeichnet. Blancho werden Verbindungen zu mutmasslichen Terroristen der Libyschen Islamischen Kampftruppe nachgesagt.

Der Berliner Islamist Sheikh Abdul Adhim ist der zweite Redner. Deutsche Medien haben auch ihn schon als Hassprediger bezeichnet. Illi dementiert jedoch. «Adhim arbeitet in Berlin bei diversen Integrationsprojekten mit den Behörden zusammen. Es ist noch nie zu Differenzen gekommen.» Daneben wird zum ersten Mal der Dokumentarfilm von Naim Cherni gezeigt. Der IZRS-Generalsekretär hat Syrien während des vergangenen Ramadan bereist.

Anfang 2012 hat der Bülacher Stadtrat einen Anlass des IZRS in der Stadthalle verboten. Er schätzte den IZRS als zu extrem ein. In der Vergangenheit hat der IZRS immer wieder umstrittene Redner zu seinen Veranstaltungen eingeladen.

Erlös wird in Syrien verteilt

Es ist das erste Mal, dass der Islamische Zentralrat eine entsprechende Benefiz-Gala durchführt und sponsert. Die Mitbrüder und Mitschwestern sind aufgerufen, gebrauchte Gegenstände für eine Auktion zu spenden und an der Veranstaltung versteigerte Gegenstände zu kaufen. Das Geld kommt vollumfänglich den muslimischen Geschwistern in Syrien zugute. Eine Person verkauft zudem neue Kleider und spendet den Erlös. Dazu kommen die Erträge aus den verkauften Speisen und Getränken. Für die Besucher ist der Anlass gratis. Die Spenden setzt der IZRS direkt in Syrien für bedürftige Personen ein. «Pro Familie verteilen wir zwischen 100 und 300 Franken», sagt Qaasim Illi.

Der Veranstaltungssaal, die Light & Byte-Eventhalle an der Baslerstrasse, fasst 160 Personen. Qaasim Illi rechnet am Sonntag mit 100 bis 150 Besuchern. Angst, dass die zufällige Häufung der beiden Anlässe und die damit verbundene negative Presse den Anlass beeinflussen könnten, hat Illi nicht.

Die Light & Byte AG Flühmann als Vermieterin will zum Anlass keine Auskunft geben. Bei der Stadtpolizei Zürich gilt der Anlass als normale «Standaktion» und ist nicht speziell auf dem Radar.

Erstellt: 27.09.2013, 14:51 Uhr

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