Ist SRF-Porträt von Uetliberg-Hotelier Propaganda?

«Giusep gibt Gas» eckt an: Wer gegen den Dok-Film über den Uto-Kulm-Hotelier Giusep Fry Beschwerde einreicht.

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Stallikon/Zürich – Darf dies das Staatsfernsehen? Müsste es nicht auf Ausgewogenheit der Information achten? Das fragen sich jene Naturschützer, die sich seit Jahren für die Durchsetzung geltenden Rechts auf dem Uetliberggipfel starkmachen. Sie stören sich daran, dass im SRF-Film «Giusep gibt Gas» vom 24. November «Unwahrheiten verbreitet wurden und unwidersprochen blieben», wie Margrith Gysel festhält, die Präsidentin von Pro Uetliberg. All seine Verstösse würden im Bericht «heruntergespielt und beschönigt». Unwidersprochen bleibe etwa seine Aussage, dass ihn der Abbruch der verglasten Wintergärten, verfügt vom Bundesgericht und derzeit im Gange, um zehn Jahre zurückwerfe und ihn zwei Millionen Franken Umsatz koste.

«Man hätte sogleich beifügen sollen, dass dies erstens allein seine Schuld sei und dass zweitens unbedingt abgeklärt werden müsse, was mit den unrechtmässig generierten Einnahmen auf den illegalen Terrassen geschehen soll», sagt Margrith Gysel dazu. Der Film gibt den Kontrahenten Frys indes keine Stimme. In der Reportage heisst es lediglich, Giu­sep Fry bestreite nicht, dass er es «mit den Baugesetzen nicht immer so genau nimmt». Und weil er sie «allzu locker» interpretierte, habe er auf dem Plateau schon den Kiosk sowie die Gartenwirtschaft entfernen müssen.

«Unsägliche Szene»

Im Bericht wird auch gezeigt, wie der Gastrounternehmer den Verkehr regelt. In einer Sequenz fordert er Autofahrer zum Umkehren auf. Diese Szene ist aus Sicht von Pro Uetliberg «unsäglich», weil sie keineswegs der Realität entspreche. Der Hotelier halte sich selber nicht an Fahrverbote. Obendrein habe er gar ­Autoausstellungen auf dem autofreien Kulm-Plateau organisiert. Und als ein Wanderer ihn einmal vor dem Hotel auf ein illegal eingetroffenes Privatauto aufmerksam gemacht habe und der Fahrer im Hotel verschwunden sei, habe er erwidert, es gehe ihn nichts an, wie seine Gäste heraufkämen.

Streit sollte kein Thema sein

Autor des Fry-Porträts ist Reto Brennwald, ehemals Moderator der «Rundschau» und der «Arena». Über das Zustandekommen des Films berichtet der Journalist auf der Wbsite des Schweizer Fernsehens: «Fry war interessiert, aber skeptisch. Nach viel schlechter Presse wollte er nur bei einem Film mitmachen, der ‹positiv› sei. Das konnte ich natürlich nicht garantieren, aber er glaubte mir, dass ich unvoreingenommen vorgehen würde.»

Darauf angesprochen, wie stark er Fry entgegenkommen musste, sagte Brennwald gestern zum TA: «Ich habe keine Konzessionen gemacht. Aber ich sagte Fry, dass ich seine Privatsphäre respektiere.» Und weshalb liess der Reporter die Naturschützer im Film nicht auftreten? «Ich wollte Giusep Fry als Typen erlebbar machen.» Dass er hin und wieder die Gesetze ritze, sei längst bekannt, weshalb er die Kontroverse mit Pro Uetliberg nicht mehr thematisieren wollte. Der Film sei selbsterklärend, so Brennwald: «Und kritische Fragen an Fry gab es ja durchaus.»

Film läuft auf der Hotel-Website

Lob für seine Arbeit bekommt Brennwald auf der Website des Hotels Uto Kulm: «Es gibt sie noch, die seltenen Momente in der immer hektischeren Medienwelt, wo sich Journalisten Zeit nehmen und einen Standpunkt erlauben, der einen weiteren Blick ermöglicht. Reto Brennwald gehört zu dieser selten gewordenen Spezies Medienleuten.» Er habe in der «Rundschau» und in der «Arena» gelernt, Fragen so zu stellen, dass der Interviewte auch Antworten gab. Ein Beispiel einer solchen Frage im erwähnten Porträt: «Also, der König vom Uetliberg aus dem Bündnerland ist heute ein Multimillionär», sagt Brennwald. Frys Replik: «Nein, er ist einer, der viel Schulden hat.»

Giusep Fry liess mittlerweile die Reportage auf der hauseigenen Website aufschalten. Pro Uetliberg wirft nun dem Staatssender vor, «einen Werbefilm für den innovativen Hotelier» gedreht zu haben, «auf Kosten der Allgemeinheit», wie es im Beschwerdebrief an Ombudsmann Achille Casanova heisst.

Verlangt wird nun eine Sendung, welche die «Kehrseite der Medaille zeigt und all das auflistet, was Fry widerrechtlich unternahm». Immerhin, schreibt ein Uetliberggänger, könne SRF diesmal nicht dafür kritisiert werden, es sei linkslastig. Vielleicht aber ein klein wenig rassistisch? In «Giusep gibt Gas» sieht man den Hotelier im Gespräch mit seiner Küchenmannschaft. Er sagt zu einem Mitarbeiter mit dunklem Teint: «Und du machsch schöni Röschti, so wie dini Farb im Gsicht.»

Erstellt: 03.12.2014, 00:10 Uhr

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Derzeit läuft auf dem Uto Kulm der Rückbau. Fry habe Gesetze «allzu locker interpretiert», heisst es im Film. Foto: Dominique Meienberg

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