Ja zu Sexboxen: «Wir kämpfen weiter»

Die Zürcher stehen hinter den Sexboxen in Zürich-Altstetten. Die künftigen Nachbarn und Gegner der Verrichtungszone geben sich aber noch nicht geschlagen.

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«Eins zu Null, ein Irrenhit!» freut sich Max Egger über das Abstimmungsergebnis. Obwohl die Annahme des Projekts für viele keine Überraschung war, hat der Hauswart einer Liegenschaft am Sihlquai selber nie recht daran glauben wollen: «Ich war mir nicht einmal sicher, ob die Sexboxen von den Bewohnern des Kreis 5 angenommen werden.»Wer selber nicht direkt davon betroffen sei, könne leicht die Augen verschliessen vor den Auswüchsen des Strassenstrichs.

Gerade in letzter Zeit sei es wieder schlimmer geworden: «Die Frauen stehen am Sihlquai, als ob es etwas gratis gebe.» Nach drei Jahren Einsatz gegen den Strassenstrich vor ihrer Haustür versprechen sich die Anwohner am Zürcher Sihlquai von den Sexboxen in Altstetten eine «enorme Beruhigung». Egger ist zuversichtlich und hofft darauf, dass die «Züglete» im Herbst losgeht.

«Kein gutes Projekt»

Des einen Freud ist des anderen Leid. Die Liegenschaftsbesitzer der IG Aargauerstrasse 180 bedauern das Resultat. Die Gegner der Verrichtungsboxen hatten im Vorfeld der Abstimmungen ein baurechtliches Rekursverfahren eingeleitet. Für ihren Vertreter, den Rechtsanwalt Urs Steimen, ist klar: «Wir kämpfen weiter. Schliesslich konnten wir fast die Hälfte der Stimmenden davon überzeugen, dass es kein gutes Projekt ist.»

Das Rekursverfahren schreite zügig voran. Das Baurekursgericht habe noch in diesem Monat eine Besichtigung des Geländes angekündigt. «Wir werten das als Signal, dass es schnell zu einer Entscheidung kommen wird», sagt Steimen.

In ferner Zukunft

Thomas Kunz, der Direktor der Asylorganisation Zürich, hofft, dass die Asylunterkunft an der Aargauerstrasse so wenig wie möglich mit dem Betrieb auf dem benachbarten Strichgelände in Berührung kommen wird. Dennoch sieht er den Verrichtungsboxen gelassen entgegen: «Das Projekt ist so ausgearbeitet, dass wir keine Beeinträchtigung unserer Wohnsiedlung erwarten.»

Die Bewohner seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht informiert worden, da der Zeitpunkt der Inbetriebnahme aufgrund hängiger Rekurse noch ungewiss sei. «Wir freuen uns jetzt zuerst einmal auf das Basislager und den Austausch, den es zwischen den Menschen geben wird.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2012, 17:05 Uhr

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