Jede achte Kindsmisshandlung ist ein Wiederholungsfall

450 Misshandlungsfälle haben die Kinderschutzgruppe und die Opferberatungsstelle des Kinderspitals Zürich im vergangenen Jahr registriert. In jedem dritten Fall handelt es sich um sexuelle Ausbeutung.

Anlaufstelle für misshandelte Kinder: Kinderspital Zürich.

Anlaufstelle für misshandelte Kinder: Kinderspital Zürich. Bild: Keystone

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12 Prozent aller gemeldeten Misshandlungsfälle waren den Kispi-Fachleuten nicht neu: Mit ihnen hatten sich Kinderschutzgruppe oder Opferberatungsstelle schon im Jahr zuvor befasst. Die Statistik habe diese Fälle zum ersten Mal erfasst, heisst es in der Mitteilung.

Manche dieser Kinder und Jugendliche kämen wegen komplizierter Grundkrankheiten immer wieder ins Spital, bei anderen seien die Schutzmassnahmen erfolglos geblieben. Ihre sozial und/oder emotional oft sehr schwierige Situation verlange immer neue, gezielte Interventionen, bis eine befriedigende Lösung gefunden sei.

Jeder dritte Fall: Sexuelle Ausbeutung

Die Kispi-Statistik unterscheidet zwischen sexueller Ausbeutung, körperlicher und psychischer Misshandlung, Vernachlässigung sowie dem so genannten Münchhausen-Syndrom. Meist werde das Kispi mit den beiden ersteren Gruppen konfrontiert, sagte der neue Leiter der Kinderschutzgruppe, Georg Staubli, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die beiden Kategorien machen denn auch den Hauptteil der Misshandlungen aus: Bei jeder dritten Misshandlung (34,2 Prozent) handelt es sich um sexuelle Ausbeutung. Das Kispi registrierte 154 Fälle, ungefähr gleich viele wie 2012. Der damals auch etwa in den USA beobachtete Rückgang setzte sich damit nicht fort.

Andere Kinderschutzgruppen hätten schon letztes Jahr im Gegensatz zum Kispi keinen Rückgang gemeldet, sagte Staubli. Man könne nur hoffen, dass die Zahl in den kommenden Jahren wieder abnehme.

Zwei schwere Körperverletzungen

Bei zwei der 129 Fälle körperlicher Misshandlung (28,7 Prozent) handelte es sich um schwere Körperverletzung, wie es in der Mitteilung heisst. In diesen Fällen habe die Kinderschutzgruppe Strafanzeigen veranlasst.

Auf Fälle von psychischer Misshandlung wird das Kispi meist nur am Rande aufmerksam, so Staubli. Etwa, wenn Eltern am Spitalbett ihres Kindes einen heftigen Streit vom Zaun reissen, oder wenn ein Kind immer schlecht gemacht wird. Immerhin auf 89 Fälle wurden die Fachleute aufmerksam, das waren 19,8 Prozent aller Meldungen.

Als weitere Formen der Misshandlung machte Vernachlässigung mit 58 Fällen 12,9 Prozent aus. Das seltene Münchhausensyndrom wurde zweimal festgestellt (0,4 Prozent). Bei diesem erfindet oder produziert ein Elternteil aufgrund eigener psychischer Probleme Krankheitssymptome des Kindes, dem organisch gar nichts fehlt. Vier Prozent der Meldungen erscheinen in der Statistik als «Risiko». (sda)

Erstellt: 21.01.2014, 14:19 Uhr

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