Jeder Satz ein Treffer

Polizeianwärter scheitern oft am Deutsch. Das währe nicht nötig.

Deutsch ist nicht unseren künftigen Helfern sein Freund: Zürcher Polizei-Aspiranten und -Aspirin warten vor der Kirche St. Peter auf ihre Verteidigung.

Deutsch ist nicht unseren künftigen Helfern sein Freund: Zürcher Polizei-Aspiranten und -Aspirin warten vor der Kirche St. Peter auf ihre Verteidigung. Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zahlen der Zürcher Polizeischule nüchtern auf. Jeder zweite Bewerber ist offenbar dem korrekten Deutsch nicht mehr mächtig (TA von gestern). Und selbst gestandene Polizisten leisten sich vermehrt sprachliche Schnitzel im Rapport. Erschreckend. Doch die Ordnungshüter und ihre Anwärter sind nicht die Einzigsten: An den Unis und in Amtsstuben, in Werbebüros und selbst auf Zeitungsredaktionen: Überall schwindet die Beherrschung der Muttersprache. Dabei gänge es so einfach: Fünf kleine Tipps für fehlerfreie Eleganz in Spruch und Brief.

Keine Experimente. Versuchen Sie nicht, mit entlegten Fremdwörtern Eindruck zu schänden; es sind die verständlichen, schlichten Sätze, die heften bleiben und ans Ziel kommen. Muss es wirklich eine Kakaofonie sein? Riesenmais tuts auch.

Obacht mit Metaphern. Ja, Sprachbilder sind poethisch und manchmal hilfreich verunschaulichend. Aber wie leicht greift man daneben: Wenn der Himmel «schwarz wird wie ein Tramgast ohne Billet», schüttelt es den Leser zurecht wie Erbsenlaub.

Schachteln will gelehrt sein. Ein nur aus Hauptsätzen gezimmerter Text ist sicher roh, primitiv. Mit geschickt platzierten Nebensätzen beweisen Sie Finässe. Doch auch hier gilt, Mass zu halten: Niemand, der sich nicht auch privat gern Wege durchs Kugelschreiber-Labyrinth sucht, die jeweils – aber nicht nur – im Rätselheftchen zu finden sind, welches monatlich am Kiosk erständlich ist, quält sich gern durch Schachtelsatzungeheuer.

Sparsam mit Adjektivien. Die gehäufte Verwendung auch von guten, schönen, vortrefflichen Eigenschaftswörtern ist, entgegen weit ausgebreiteter Meinung, keine Dichtkunst.

Facebook ist anders. Ansichtlich des bedächtigen Deutschniveaus bei den Polizeiprüfungen im Kanton Zürich speckulieren einige Fachleute nun, ob die vermehrte Chat-, SMS- und Facebook-Betätlichkeit wohl das Volksgespür für regelkonformes Deutsch zersetze. Andere halten dagegen: Soziale Netzwerke förderten immerhin die Schreiblust an sich. Wie auch immer: Bewerbungsbriefe etc. sind weiterhin in vollem Deutsch zu verfassen und haben btw auch ohne Emotikons auszukommen. :(

Haben Sie das Zeugs zum Polizist? Finden Sie es in unserem Test heraus.

Erstellt: 24.06.2015, 22:13 Uhr

Artikel zum Thema

«Wenn ich Polizist wäre, verhaftete ich Sepp Blatter»: Konjunktiv I oder II?

Bei der Kantonspolizei haben 51 Prozent der Bewerber die Deutschprüfung beim Eignungstest nicht bestanden. Hätten Sie es geschafft? Unser Test zeigt es. Mehr...

Die Hälfte der Polizeibewerber fällt beim Deutschtest durch

In Stadt und Kanton Zürich werden die Deutschkenntnisse bei der Rekrutierung von Polizisten zunehmend zum Problem. Jetzt gibts Nachhilfe. Mehr...

«K-O-L-L-I-S-I-O-N» – Ihr Deutsch reicht zum Polizisten

Video Sprachlich schwach, reichts vielen Anwärtern nicht zum Polizisten. Wir testen Passanten. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...