Jeder zweite Zürcher spricht Hochdeutsch im Job

Bei Akademikern und Managern liegt der Anteil sogar bei zwei Dritteln.

So spricht die Stadt Zürich.

So spricht die Stadt Zürich. Bild: TA-Grafik mr / Quelle: Statistik Stadt Zürich

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Die Zürcher sprechen 100 Sprachen. Kein Wunder ist die Stadt ein attraktiver Arbeitsort für ausländische Unternehmen, aber auch für Arbeitnehmer aus der ganzen Welt. Die Stadtzürcher Statistiker sind deshalb der Frage nachgegangen, wie sich diese Vielfalt auf die gesprochene Sprache zu Hause und im Beruf auswirkt.

Die Untersuchung hat Erstaunliches zutage gefördert. Zum Beispiel die Gruppe der «Zuhause-Hochdeutsch-Zürcher»: 13 Prozent der Stadtzürcher Erwerbstätigen sprechen bei der Arbeit Schweizerdeutsch, zu Hause aber Hochdeutsch. Sind es Deutsche, die sich bei ihren Arbeitskollegen anbiedern wollen? Die Daten der Strukturerhebung 2010, sie ist Teil der neuesten Volkszählung, gibt Aufschluss: Einen deutschen Pass hat nur jeder Fünfte dieser eigentümlichen Gruppe, ein Drittel davon sind Schweizer ohne Migrationshintergrund. Die Statistiker vermuten, dass diese Zürcher zu Hause Hochdeutsch sprechen, weil sie einen deutschsprachigen Partner haben.

Verfechter der Mundart mögen nun aufschreien. Doch die Statistiker können sie beruhigen: Am Arbeitsplatz ist das Schweizerdeutsche noch immer die am häufigsten gesprochene Sprache. Drei von vier Zürchern reden im Beruf Mundart, etwas mehr als die Hälfte spricht aber auch regelmässig Hochdeutsch. Und jeder Dritte verständigt sich im Arbeitsleben teilweise auf Englisch.

Handwerker pflegen Mundart

Die wichtigsten Arbeitssprachen unterscheiden sich damit kaum von den zu Hause gesprochenen. Mundart kommt mit knapp 70 Prozent am häufigsten vor, Hochdeutsch am zweithäufigsten, gefolgt vom Englischen. Bemerkenswert ist, dass immer mehr Zürcher zwei oder mehr Hauptsprachen sprechen: Es ist ein Fünftel der Bevölkerung. Die häufigste Kombination ist Deutsch und Englisch, die zweithäufigste Deutsch und Italienisch. Fast die Hälfte der ausländischen Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre wächst zweisprachig auf.

Im Beruf halten vor allem Bürokräfte und Handwerker die Mundart hoch. 87 und 83 Prozent der Zürcher in diesen Berufsgruppen sprechen Schweizerdeutsch bei der Arbeit. Ganz anders Akademiker und Führungskräfte: Zwei von drei reden im Job auch Hochdeutsch. Grund ist die Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften aus Deutschland. 15 von 100 Zürcher Akademikern und Führungskräften sind Deutsche. Auch Englisch ist bei Managern wichtig: Etwas mehr als die Hälfte unterhält sich in dieser Businesssprache.

Alter ist entscheidend

Es ist aber nicht nur der Beruf, der über die gesprochene Sprache entscheidet. Auch das Alter der Arbeitnehmer hat einen wichtigen Einfluss: Während Jugendliche und ältere Personen im Job eher Schweizerdeutsch sprechen, sind es bei den 30- bis 39-Jährigen vor allem Hochdeutsch und Englisch. Das hängt damit zusammen, dass in dieser Altersgruppe auch der Anteil ausländischer Personen am höchsten liegt. Französisch hingegen hat im Geschäftsleben der Zürcher kaum eine Bedeutung.

In der Strukturerhebung 2010 wurden 40'000 Zürcher zu Themen wie Familie, Religion, Sprache und Arbeit befragt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2012, 07:54 Uhr

Umgangssprachen zu Hause (Bild: TA-Grafik mr / Quelle: Statistik Stadt Zürich)

Manager und Akademiker sprechen hochdeutsch: Ein Angestellter in einem Zürcher Büro. (Bild: Keystone )

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