Jederzeit ein Velo zur Hand

Im Frühling 2016 soll der automatische Fahrradverleih «Züri Velo» den Betrieb aufnehmen. Jetzt sucht die Stadt einen Betreiber, der an 100 Standorten 1500 Velos bereitstellt.

Zürich per Velo: Ab Frühling 2016 kann man sich in Zürich einfach und bequem eines von 1500 Velos leihen. Foto: Gaetan Bally / Keystone.

Zürich per Velo: Ab Frühling 2016 kann man sich in Zürich einfach und bequem eines von 1500 Velos leihen. Foto: Gaetan Bally / Keystone.

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Chipkarte oder Handy zücken, Velo entsichern, losfahren, ankommen, Karte zücken, Velo sichern, fertig – so einfach funktioniert der automatische Veloverleih. Was es in anderen Städten schon lange gibt – zum Beispiel in Paris mit 20'000 «Vélibs» –, ist in Zürich erst in Vorbereitung. Jetzt aber ist das Projekt einen grossen Schritt weiter: Das Tiefbauamt hat «Züri Velo» öffentlich ausgeschrieben. Gesucht wird ein Gesamtdienstleister, der die Stationen ab Juli 2015 auf eigene Kosten aufbaut und ab Juni 2016 den Verleih vorerst für fünf Jahre betreibt. «Züri Velo» wird als ganzjähriger Betrieb «Züri rollt» ablösen, den bedienten Veloverleih mit fünf Containern im Sommer.

Die Stadt hat genaue Vorstellungen von «Züri Velo»: Mindestens 1500 Fahrräder an 100 Standorten, davon 40 in der City und je 20 in Wipkingen, Oerlikon und Altstetten. Wünschenswert wären weitere 750 Fahrräder an 50 Standorten in Wollishofen, Schwamendingen, Affoltern und im Seefeld. Sie sollen aber erst realisiert werden, wenn sich das System bewährt. Nach den Erfahrungen in anderen Städten ist die Netzdichte ein zentraler Faktor für die Nutzung.

120-Kilo-Kerle willkommen

Im Schnitt verfügt eine Station über 15 Velos mit 24 Standplätzen, wobei das Tiefbauamt ein System ohne Docks zum Befestigen der Fahrräder bevorzugt. Die Stationen müssen elegant und zurückhaltend gestaltet sein und dürfen weder ein Dach noch eine Umhüllung haben. Die Velos müssen auf ein Körpergewicht von mindestens 120 Kilogramm ausgelegt sein, wegen der Tramgleise Reifen von 40 Millimeter oder mehr haben, Schutzbleche, Standlichter, Schaltung und Transportbehälter, die mindestens 10 Kilogramm aushalten. Elektrovelos sind möglich, werden aber nicht verlangt.

Weil es den automatischen Veloverleih bereits in über 500 Städten in über 50 Ländern gibt, existiert nach Überzeugung der Stadt auch ein internationaler Markt von Anbietern. Für die möglichen Betreiber sind die Züri-Velos interessant, weil sie darauf Werbung platzieren und so Sponsoren gewinnen können. Maximal 600 Quadratzentimeter darf die Werbung am Velorahmen oder am Kettenkasten messen, zusätzlich 400 Quadratzentimeter am Gepäckkorb. In London zum Beispiel wirbt die Barclays Bank mit ihren hellblauen Mieträdern.

Auch für die Tarife hat das Tiefbauamt genaue Vorstellungen, gestützt auf international erfolgreiche Modelle. Das Jahresabonnement kostet 50 Franken, die Registrierung für die Tagesnutzung 5 Franken. Die erste halbe Stunde ist gratis, danach kostet jede halbe Stunde 2 Franken. Der Betreiber kann ein anderes System vorschlagen, muss die Ab­weichung aber plausibel begründen.

Der Anbieter soll zahlen

Ein automatischer Veloverleih in Zürich ist ein Auftrag des Gemeinderats, ausgelöst 2007 durch eine Motion von Franziska Graf (SP) und Daniel Leupi (Grüne), dem damaligem Velopapst und heutigen Finanzvorsteher. In der Vorbereitung konsultierte die Stadt etablierte ­Anbieter im In- und Ausland, die das Zürcher Vorhaben als attraktiv und marktfähig beurteilten. Dabei sind die Investitionskosten für den Betreiber hoch: sechs bis neun Millionen Franken für den Bau der Stationen und den Kauf der Velos und Betriebsfahrzeuge, sowie etwa vier Millionen jährliche Betriebskosten. Das finanzielle Risiko soll beim Betreiber liegen, schreibt die Stadt, sie werde aber einen Beitrag an die ungedeckten Kosten leisten. Im ersten Jahr deckt der Beitrag 40 Prozent des Defizits, im zweiten 30 Prozent, gefolgt von je 10 Prozent. Dafür braucht es aber noch die Einwilligung des Gemeinderats. Wie hoch der Beitrag ist, hängt von der siegreichen Offerte ab.

Für den Stadtrat ist der Veloverleih eine Ergänzung zum öffentlichen und privaten Verkehr, die ganz besonders ­Jugendliche ansprechen soll. Werden die 1500 Velos im Schnitt dreimal täglich benützt, ergibt das eine Zunahme des Veloverkehrs in Zürich um 6 Prozent. Der Einfluss auf die Verteilung der ­Verkehrsträger sei also eher gering, schreibt der Stadtrat. Auch würden ­Studien zeigen, «dass Veloverleih­systeme kaum eine Umlagerung von ­Autofahrten bewirken».

Erstellt: 17.11.2014, 21:22 Uhr

Die geplanten Velostationen

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