Jetzt müssen am Rosengarten neue Ideen her

Zu teuer für die einen, zu autolastig für die anderen: Die Rosengarten-Vorlage scheiterte, weil sich zwei Lager von Gegnern verbündeten.

Auch viele Anwohner hatten sich ins Nein-Lager geschlagen: Strassenverkehr unter der Rosengartenbrücke. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Auch viele Anwohner hatten sich ins Nein-Lager geschlagen: Strassenverkehr unter der Rosengartenbrücke. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Noch sind nicht alle Stimmzettel ausgezählt, aber das Bild ist eindeutig – die Zürcherinnen und Zürcher begraben die Rosengarten-Vorlage. Damit verpuffen mit einem Schlag fast 10 Jahre Verhandlungs- und Planungsarbeit. Und der Versuch, das gespaltene Quartier Wipkingen zu vereinen, ist für lange Zeit gescheitert.

Für den Regierungsrat ist das Resultat eine schwere Niederlage, insbesondere für Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), die seit mehreren Jahrzehnten für eine Verkehrsberuhigung am Rosengarten gekämpft hatte.

Wer in den letzten Wochen mit Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern sprach, hörte wieder und wieder dieselben zwei Argumente. Das erste, vor allem auch von Bürgerlichen ins Feld geführt, war das zu hohe Preisschild. Mit 1,1 Milliarden Franken überschritt das Projekt eine psychologisch wichtige Grenze. Im Gegenzug wurden dem Volk verhältnismässig wenige «Strassenmeter» versprochen.

Kommt dazu: Für einen Zürcher aus dem Unter- oder dem Weinland war der persönliche Nutzen von Tunnel und Tram nicht ohne Weiteres ersichtlich – anders als bei einem Autobahnprojekt wie zum Beispiel dem Westring. Manch einer mag sich gedacht haben: «Eine Milliarde für die paar Meter Strasse in der Stadt? Auf keinen Fall!»

Das Projekt gilt in den Augen vieler Rotgrüner im Jahr 2020 als Unding.

Das zweite Argument: Klima und Umwelt. Hier zeigen sich ganz konkret die Auswirkungen der Klimastreiks und der «Grünen Welle». Selbst ein ausbalanciertes Gesamtprojekt mit Tunnel, Trams und Tempo 30, unter das die frühere Stadtregierung ihre Unterschrift mit Überzeugung gesetzt hatte, gilt in den Augen vieler Rotgrüner im Jahr 2020 als Unding. Der Betonanteil ist ihnen immer noch zu hoch. Die Rosengarten-Abstimmung ist damit zu einem symbolischen «Stopp!» für eine als gestrig empfundene Verkehrspolitik geworden.

Auch viele Wipkingerinnen und Wipkinger hatten sich ins Nein-Lager geschlagen. Weil sie steigende Mieten fürchteten oder eine langjährige Baustelle. Oder weil sie – mehr als die Hälfte von ihnen wählt linksgrün – ganz grundsätzlich ein Problem mit einem neuen Strassentunnel in der Stadt haben, sogar wenn sie selbst davon profitieren würden.

Damit ist geklärt, was die Bevölkerung nicht will. Nun muss eine Debatte darüber beginnen, was denn tatsächlich infrage kommt: Bringt Tempo 30 etwas? Ein temporäres Lastwagenverbot? Fussgängerstreifen? Zusätzliche Lichtsignale? Was ist mit Roadpricing? Und wie muss der öffentliche Verkehr ausgebaut werden, auch über die Rosengartenstrasse hinaus? Braucht es mehr S-Bahn-Verbindungen? Mehr Busse? Wie müsste die Linienführung aussehen?

Die Planer sollten sofort Druck aufsetzen. Denn über zwei Dinge ist man sich in Zürich einig: Die Stadt wächst in hohem Tempo – und der Rosengarten, wie er sich heute präsentiert, ist keine Lösung.

Erstellt: 09.02.2020, 15:32 Uhr

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