Jörg Schneider lanciert den Conelli

Der Zürcher Weihnachtszirkus «Circus Conelli» feierte auf dem Bauschänzli zum 23. Mal Premiere. Stargast war der erkrankte Volksschauspieler Jörg Schneider.

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850 Gäste feierten im Zirkuszelt, das der Form der Insel in der Limmat angepasst ist. Der Circustraum Conelli, wie er sich nennt, ist benannt nach seinem Gründer Conny Gasser . Eindrücklich war das Programm mit der Crème de la Crème ukrainischer und chinesischer Artisten. Beeindruckend war die Dichte an Promis aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness. Und zum Tränenlachen waren die Auftritte der beiden Hausclowns Roli und Gaston mit ihrem neuen weissen Piano, das ein paar spektakuläre Konstruktionsmängel aufweist.

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Noch emotionaler war eine Begegnung unter der Zirkuskuppel um 18.40 Uhr. Da wird Jörg Schneider im Rollstuhl von seiner Enkelin hineingeschoben. Es ist der erste Auftritt des beliebten Volksschauspielers nach seiner Krebsdiagnose. Und dann kommt der andere grosse Alte am Stock herangehumpelt, umarmt und küsst ihn. Es ist Mathias Gnädinger . Die beiden hatten im Frühsommer ihren ersten gemeinsamen Film abgedreht. «Wie gehts», fragt Gnädinger. Und Schneider sagt: «Gut gehts nicht, aber anständig.»

Dann gesellt sich auch Rotstift-Kabarettist Jürg Randegger dazu, der mit Schneider vor fast 60 Jahren das Cabaret Äxgüsi gegründet hatte. Die beiden waren damals im Saal des Gasthofes Flora in Altstetten erstmals öffentlich aufgetreten. Als jemand Jörg Schneider einen Hotdog bringt und ihm Gnädinger sein rotes Halstuch um den Hals drapiert, strahlt Jörg Schneider. Dieses Strahlen überträgt sich ins Zirkuszelt und bildet ein warmes, wunderbares Gefühl für einen wundervollen Abend.

Es gab all die anderen Promis wie Publikumsliebling Christoph Blocher (er bekam zumindest den lautesten Applaus), Sänger Toni Vescoli , Radstar Franco Marvulli , Fussballlegende Fritz Künzli mit seiner Monika Kaelin , Alt-Skiakrobat und Hotelier Art Furrer oder die beiden Phonak-Brüder Andy und Hansueli Rihs. Und dann kams noch zu einer anderen rührenden Begegnung. Stadtrat Filippo Leutenegger kam mit seiner Mutter Hildegard Leutenegger , und diese wiederum erspähte ihr Idol aus jungen Jahren – Sängerin Lys Assia , die noch immer agil und redselig ist. Die beiden 88- und 90-Jährigen fanden sich sofort.

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Zirkusdirektor Roby Gasser , quasi im Zirkuswagen aufgewachsen, ist vor jeder Show nervöser als ein Schüler am ersten Schultag. «Ich zittere richtig», sagte er. Und hat eine prima Entschuldigung parat. «Mein Freund Sammy Davis Junior sagte mir einmal in Las Vegas: ‹Wenn du nicht mehr nervös bist, musst du aufhören!›» Routiniert hielt hingegen Stadtpräsidentin Corine Mauch nach fünf Jahren im Amt ihre Pausenrede. Für sie ist das die wichtigste Rede des Winters – wenn Zürich wahl- und skandalfrei ist. Das funkelnde Zelt auf dem Bauschänzli mitten in der Limmat erinnere sie an ein ankerndes Schiff. Und, um bei Zürich als Hafenstadt zu bleiben: «Während der Hafenkran bald verschwindet, wird der Conelli hoffentlich auch in vielen Jahren noch die Zürcher Hafen­skyline prägen.»

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Und wer prägte dieses Jahr das Programm? Da war vor allem Steve Eleky , der geizige und witzige Schotte, Jongleur, Provokateur und Clown in einem – eine richtige Saftwurzel, aber nicht aus schottischer sondern ungarischer Zirkustradition in fünfter Generation. Oder Zhang Fan (25) aus China, der weltbeste Schlagseil-Tänzer. Er macht auf dem schwingenden Seil sogar einen Handstand – auf einem Einrad.

Als Sänger und «Ringmaster» der Conelli Dancers , trainiert von Cindy Gasser , charmiert dieses Jahr der Amerikaner Evan Andrews ; er ersetzt den ewigen Playboy Pino Gasparini . Erwähnenswert ist auch die Zigong Acrobatic Troupe aus China. Ein stämmiger Akrobat jongliert drei Mädchen, 14 bis 16 Jahre jung, auf einer Stange, während diese wiederum auf einem Fahrrad balancieren.

Der Circus Conelli bleibt bis 4. Januar auf dem Bauschänzli. Reservation unter 044 212 33 33 oder www.circus-conelli.ch.

Erstellt: 24.11.2014, 23:16 Uhr

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