Joys Babys treffen zum ersten Mal ihren Vater

Bisher wuchsen die Löwenbabys im Zürcher Zoo vaterlos auf. Erst jetzt darf Oberlöwe Radja seine Kinder beschnuppern – unter dem wachsamen Auge der Mutter.

Mutter Joy kuschelt mit den Löwenbabys. Als sie anderswo weiterdöst, beschnuppert Vater Radja seinen Nachwuchs.
Video: Video: Christoph Landolt

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Aus über 1300 eingegangenen Namensvorschlägen hatte man im Zoo Zürich die Qual der Wahl. Letzte Woche wurden die am 14. Juli geborenen Indischen Junglöwen gegen verschiedene Katzenkrankheiten geimpft und gewogen. Bei dieser Gelegenheit konnte auch endlich das Geschlecht der jungen Wildkatzen bestimmt werden. Es sind ein Kater und drei Katzen und bekommen haben sie klingende Namen. Kuvam (Sonne) wird der Kater getauft, Kalika (Knospe), Keladi (Name einer Königin) und Kanya (Name einer Gottheit, Jungfrau, Tochter) heissen fortan die drei Katzenmädchen. Die Namen gingen aus einem öffentlichen Wettbewerb hervor.

Früher als erwartet, haben die vier Junglöwen zusammen mit Mutter Joy ihre von einer Videokamera überwachte Wurfbox verlassen und sich in einer dahinter liegenden, unbewachten Box installiert. Ende August hat man die Löwenfamilie dann in die einsehbare Innenanlage entlassen. Streng bewachte Mutter Joy die Jungen, die sie immer wieder in die Wurfbox zurückbrachte. Der nächste grosse Schritt war dann die Aussenanlage. Und hier zeigte sich, dass sich auch eine aufmerksame Löwenmutter anstrengen muss, um vier kleine Bälger im Zaun zu halten. Mit grosser Neugier und spielerisch hätten sie das Terrain ausgekundschaftet, meinte Kurator Robert Zingg.

Zaghaftes Beschnuppern

Heute nun fand die Familienzusammenführung vor den Medien statt. Von Mutter Joy mit Argusaugen überwacht, durften die vier Jungtiere zum zweiten Mal ihrem Vater Radja und ihren Geschwistern Jasradj und Jeevana begegnen. Und da Löwen in freier Wildbahn 22 von 24 Stunden dösend und schlafend verbringen, war das auch heute Morgen nicht anders. Mutter Joy sass zuoberst im Gehege auf dem Flurfels, ihr letztes Jahr geborener Sohn Jasradj lag faul unterhalb des Felsens im Gras, nebenan unter einem Baum dösten die vier Kleinen. Vater Radja machte einmal kurz die Runde, schnupperte an seinen jüngsten Sprösslingen, dann am älteren Sohn. Gelangweilt wirkend, trottete er danach wieder zu seinem Lieblingsplatz ganz am anderen Ende des Geheges.

Am Vortag, bei der ersten Begegnung, gab es für Vater Radja noch nicht viel zu schnuppern, erfährt man auf dem Zürichberg. Mutter Joy hielt ihn auf Distanz. «Es wird aber nicht mehr lange dauern», sagte Kurator Zingg, «bis der Vater zum Spielgefährten der Jungmannschaft wird.» Die beiden grossen Geschwister stürmten zuerst auf die Mutter zu, dann auf die neuen Familienmitglieder. Mutter Joy habe aber vorerst keinen direkten Kontakt zwischen den Geschwistern zugelassen, was nicht gerade einfach gewesen sei, so Zingg, da auch die Jüngsten reges Interesse an ihren älteren Geschwistern gezeigt hätten. Alles in allem habe aber Joy die erste Familienzusammenführung fest im Griff gehabt und machte von Anfang an klar, was zu tolerieren sie bereit war und was nicht. Da gabs auch mal einen kleinen Klaps, wenn nicht pariert wurde.

Löwen werden nicht eingeschläfert

Für die nächsten zwei Jahre wird die Löwenfamilie sicher zusammenbleiben. Wenn danach der letztes Jahr geborene Löwe Jasradj geschlechtsreif sein wird, wird sich weisen, ob er mit dem Vater auskommt oder nicht. Würden sie sich bekämpfen, so Zoo-Direktor Alex Rübel, müsste man für Jasradj und später auch für den kleinen Bruder Kuvam einen neuen Platz finden, was aber im europäischen Erhaltungszuchtprogramm nicht allzu schwierig sein dürfte.

Die im Zoo Zürich lebenden Löwen stammen ursprünglich aus Indien. In ihrer Heimat leben nur noch rund 350 Tiere im Gir Forest im Bundesstaat Gujarat. Etwa 80 Tiere leben in europäischen Zoos. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2010, 13:34 Uhr

(Video: Keystone)

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