Junger Raser blitzt ab

Eine junge Frau starb vor zwei Jahren bei einem schweren Raserunfall. Der damals 17-jährige Unfallverursacher wird nicht freigelassen und bleibt im Erziehungsheim.

Ein Mädchen starb: Der total zertrümmerte Unfallwagen unter der Europabrücke.

Ein Mädchen starb: Der total zertrümmerte Unfallwagen unter der Europabrücke. Bild: Markus Heinzer, Keystone

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Der Lehrling aus der Region Horgen war am frühen Morgen des 25. März 2012 mit fünf Jugendlichen im Auto in eine Polizeikontrolle an der Pfingstweidbrücke in Altstetten geraten. Die Gruppe war im Ausgang in der Alten Kaserne in Zürich gewesen und befand sich auf dem Heimweg.

Weil der 17-Jährige keinen Fahrausweis besass – das Auto gehörte einem Kollegen seines Vaters –, gab er Vollgas und durchbrach die Kontrollstelle. Er flüchtete mit dem PS-starken Audi in hohem Tempo auf der Bernerstrasse-Nord parallel zur Autobahn A 1 in Richtung Schlieren. Die Polizei verfolgte das Auto, verlor es aber aus den Augen. Auf Höhe Hermetschloobrücke – bei der Sportanlage Juchhof – unterquerte der Lenker die Autobahn und fuhr auf der Bernerstrasse-Süd stadteinwärts.

Wagen flog mehrere Meter durch die Luft

Bei einer starken Rechtskurve direkt unter der Europabrücke verlor der Jugendliche die Kontrolle über den Audi. Das Auto überfuhr das Strassenbord und einen Kiesstreifen, flog mehrere Meter weit, überschlug sich mehrmals und kam nach rund 50 Metern vor dem Gebäude von Erdgas Zürich zum Stillstand. Zuvor hatte der Wagen einen Zaun durchbrochen und war in zwei am Boden liegende Eisenmasten gekracht.

Als eine Polizeipatrouille am Unfallort ankam, fand sie den zerstörten, halb umgekippten Wagen und sechs junge Leute: zwei Mädchen und vier Burschen zwischen 16 und 19 Jahren, alles Schweizer. Eine der Mitfahrerinnen, ein 16-jähriges Mädchen, war tot. Ein 18-jähriger Mann war schwer am Kopf verletzt. Der 17-jährige Lenker war nur leicht verletzt.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Der junge Mann wurde nach dem Unfall in ein Jugendheim gebracht. Die Jugendanwaltschaft erhob Anklage wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung. Das Jugendgericht Horgen verurteilte ihn im letzten Oktober zu einer bedingten Strafe von elf Monaten sowie zu einer offenen Unterbringung in einem Heim mit ambulanter Behandlung.

Der heute 19-jährige Mann zog den Fall ans Obergericht weiter. Der Prozess fand gestern Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien statt. Der Verteidiger verlangte eine Strafe von maximal sechs Monaten und den Verzicht auf die Heimunterbringung.

Das Obergericht bestätigte aber das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich, wie es heute in einer Medienmitteilung schreibt. Der junge Mann bleibt also weiterhin im Erziehungsheim. Diese Schutzmassnahme kann bis zum 22. Lebensjahr andauern.

Erstellt: 13.05.2014, 11:48 Uhr

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