Junger Zürcher programmiert faszinierende 3-D-App

Wie Gymi-Schüler Jeremias Baur (16) mit seiner Entwicklung einen Preis gewann und damit nach San Francisco eingeladen wurde.

Ein aufstrebender Programmierer, der seine App in San Francisco präsentieren durfte. (Video: Nicolas Fäs)

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«Es fasziniert mich, wie man aus dem Nichts etwas erschaffen kann, wie aus abstrakten, mathematischen Codes Sichtbares entsteht, das am Ende für jeden verständlich ist», sagt der 16-jährige Jeremias Baur, Schüler am Gymnasium Rämibühl.

Vor ihm auf dem Tisch liegen selbstgestaltete Biologie-Unterrichtsblätter, mit Abbildungen der Gehirnlandschaft oder einer Lunge mit ihren Verästelungen, der Luftröhre, der Lungenarterie, mit dem Zungenbein, den Bronchien. Baur nimmt sein Smartphone zur Hand, öffnet die App «Future AR» und hält das Smartphone über die Grafik mit der Lunge. Auf dem Bildschirm erscheint das Organ, das vorher noch lediglich auf dem Blatt Papier abgebildet war, plastisch und in 3-D. Baur dreht es mit dem Finger in alle Richtungen, damit auch jede Facette und Form der Lunge sichtbar wird (siehe Video oben). «Dasselbe ist auch mit dem Gehirn möglich», sagt er und lässt das Hirn auf seinem Smartphone rotieren. «Diese App», lächelt Jeremias Baur, «habe ich selbst programmiert und entworfen. Ich habe mir das zum grössten Teil alles selber beigebracht und gelernt, wie man virtuell 3-D modelliert und welche Programme dafür zur Anwendung kommen. Besonders nach dem Hype um das Spiel «Pokémon Go» wollte ich selbst so etwas ausprobieren.»

Die virtuelle Speisekarte

Was für Laien wie eine faszinierende und ziemlich kryptische Angelegenheit aussieht, ist für den Schüler schlicht «Augmented Reality», oder kurz «AR», eine computergestützte Erweiterung der Realität. Mit seiner App gewann Jeremias Baur vergangenen Juni den Wettbewerb bugnplay.ch. Dieser vom Migros-Kulturprozent veranstaltete Jugendwettbewerb richtet sich an Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren, welche dort Projekte in den Bereichen Games, Multimedia und Robotik vorstellen. Später wurde er für eine Woche nach San Francisco eingeladen, wo er sein Projekt präsentieren konnte.

«Ich wollte mit meiner App eine praktische Anwendung für Schüler kreieren, die sie im Alltag zum Beispiel im Biologieunterricht nutzen können», erklärt der Jugendliche. «So könnten sie beim Lernen zu Hause virtuell die Organe betrachten, über die sie gerade lesen. Vom Schulbuch direkt in die Augmented Reality. Natürlich müsste dazu ein speziell für die App zugeschnittenes Lehrmittel entwickelt werden.»

Doch nicht nur für den Schulunterricht wäre Baurs App «Future AR» anwendbar. Auch Restaurants könnten die Anwendung dereinst nutzen, eine Speisekarte für Augmented Reality anbieten. Baur hat das Konzept am Beispiel eines Hamburgers in seine App integriert. «Ich scanne mit dem Handy einfach das Gericht auf der Menükarte und schon erscheint der Hamburger in 3-D auf meinem Bildschirm, und der Gast kann sich eine Vorstellung machen, wie das Gericht aussehen wird.» Für seine selbst entwickelte App haben jetzt bereits Firmen aus der Privatwirtschaft Interesse gezeigt. Nur von Bildungseinrichtungen oder Schulbehörden habe er bis jetzt noch nichts gehört. «Das finde ich schon ein bisschen schade.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2017, 15:47 Uhr

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