Kägi sind die Baumhütten auf dem Koch-Areal genehm

Der kantonale Baudirektor hat an den Holzaufbauten der Besetzer nichts auszusetzen. Dafür rügt ihn der Hauseigentümerverband. Und auch die Stadt erntet Kritik.

Der Hauseigentümerverband spricht von einem Skandal, dass Baudirektor Markus Kägi die Holzaufbauten auf dem besetzten Koch-Areal toleriert.

Der Hauseigentümerverband spricht von einem Skandal, dass Baudirektor Markus Kägi die Holzaufbauten auf dem besetzten Koch-Areal toleriert. Bild: Thomas Egli

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Auf dem Koch-Areal wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Dies, obwohl die Architektur-Wettbewerbe für Neubauten auf dem städtischen Grundstück noch laufen. In den Jahren der Besetzung sind auf den bestehenden Gebäuden diverse kleine Hütten entstanden, im Inneren haben die Besetzer – rund hundert sind es gemäss Schätzungen – eigenhändig umgebaut. Deswegen wurden Verstösse gegen die baugesetzlichen Vorschriften vermutet. Nun nimmt der abtretende kantonale Baudirektor Markus Kägi (SVP) Stellung dazu.

Er stellt sich auf die Seite der Stadt. Es gibt «keine Veranlassung für aufsichtsrechtliche Massnahmen gegenüber dem Stadtrat von Zürich», heisst es im Schreiben, wie die NZZ schreibt.

Ermessensspielraum gewichtet

Markus Kägi hatte bei der Einschätzung in erster Linie die zukünftige Nutzung vor Augen. Streng genommen hätten die Besetzer für die Aufbauten im Aussenbereich eine Baubewilligung einholen müssen. Aber Kägi gewichtet höher, dass das Areal mittelfristig einer neuen Nutzung zugeführt wird. Frühstens 2023 soll das Areal mit den drei Baufeldern neu überbaut sein.

Der Baudirektor spricht in seinem Schreiben eine zentrale Problematik im Zusammenhang fügt an, dass Gemeinden in diesem Punkt einen grossen Ermessensspielraum hätten. Es sei oft nicht leicht, zu bestimmen, ob eine bauliche Veränderung bewilligungspflichtig sei oder nicht. Statthalter Mathis Kläntschi (Grüne) hatte den Regierungsrat vor gut einem Jahr darüber informiert, dass möglicherweise gegen baugesetzliche Vorschriften verstossen worden ist.

«Das ist ein Skandal»

Wenig Verständnis für die «Nachsicht» der kantonalen Baudirektion hat der Hauseigentümerverband HEV Zürich. Er fordert in einer Mitteilung am Donnerstag «Gesetze gelten für alle». Vorwürfe macht der Verband aber in erster Linie der Stadt. Hausbesetzer liesse sie ungestraft walten, Gewerbetreibende hingegen würden für jedes Vergehen bestraft. Der HEV spricht von einer «irrigen Haltung».

Nationalrat Gregor Rutz (SVP), Präsident des Stadtzürcher Hauseigentümerverbandes, sagt: «Es ist ein Skandal, dass nun sogar die Baudirektion die Arbeitsverweigerung des Zürcher Stadtrats stützt.» Der Verband fordert die Stadt auf, den Entscheid nochmals zu überprüfen. Sonst werde die Stadt zur Bananenrepublik. Oder die Stadt habe bald Zustände wie in Bern, was der HEV für ein «wenig erstrebenswertes Szenario» halte.

Architekten Mitte Mai bekannt

Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) (Baufeld B) und die Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 (Baufeld C) erstellen auf dem Areal 370 preisgünstige Wohnungen. Auf dem Baufeld A werden Gewerbegebäude gebaut. Ein Quartierpark wird den Grünraum auf dem Areal bilden. Spätestens 2022 soll mit dem Bau begonnen werden. Derzeit sind die Architekturwettbewerbe in der Abschlussphase. Am 14. Mai informiert der Stadtrat darüber, wer die einzelnen Ausschreibungen gewonnen hat.

Erstellt: 06.03.2019, 17:05 Uhr

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