Kameras und Schilder gegen das Treiben im Thermalbad

In der Badewelt auf dem Hürlimann-Areal führten sich manche Paare völlig schamlos auf, klagt der Geschäftsleiter. Neu gilt auch ein Handyverbot.

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Die Kameras auf dem Dach sind schon eingerichtet. Das Panoramabad, der absolute Höhepunkt der Wellnessoase im Hürlimann-Areal, steht neu unter Video-Aufsicht. Dort, wo Erholungssuchende im Sitzen oder im Liegen freie Sicht über die Stadt bis hin zu den fernen Bergen geniessen und noch viel mehr, wird in den nächsten Tagen eine Tafel montiert. Die Botschaft lautet: kein Sex, kein Handy, keine Fotos.

«Alles hat seine Grenzen»

Roger Bernet, Geschäftsleiter der Aqua-Spa-Resorts, die für den Betrieb des Thermalbads verantwortlich sind, sagt: «Es ist erstaunlich, wie hemmungslos und schamlos gewisse Leute sind, und auf welche Ideen sie kommen.» Immer wieder müsse das Aufsichtspersonal Pärchen ermahnen, die sich im 150 Quadratmeter grossen Aussenbecken oder in den diskret angelegten Ruhenischen «mehr als nur umarmen». Die verwinkelte Architektur in den Steingewölben verunmöglicht es dem Bademeister, die ganze Anlage zu überblicken.

Zu Wegweisungen aus der Anlage sei es bis anhin nie gekommen: «Den Betroffenen ist es meist ohnehin unangenehm, ja peinlich.» Bernet kann verstehen, dass das stimmungsvolle Ambiente auf gewisse Besucher aphrodisisch wirkt, dass das 35 Grad warme Wasser mit den sprudelnden Massagedüsen amouröse Abenteuer anregen kann, «doch alles hat seine Grenzen». So oder so: Auf die Qualität des Wassers habe das keinen Einfluss. Noch nie sei bei den tagtäglich eigenen Messungen sowie bei jenen unangemeldeten des Kantonalen Labors Verunreinigungen ausgemacht worden. «Unsere Werte haben nie Anlass zu Beanstandungen gegeben.»

Auch in Rigi-Kaltbad ein Thema

Geschäftsleiter Bernet ärgert sich obendrein auch über das Telefonieren und Fotografien, das ein nicht mehr tolerierbares Ausmass angenommen habe. Darum gilt neben dem Sex- neu auch ein Handyverbot. Zur Wahrung der Intimsphäre. «Was, wenn ein Pärchen fotografiert wird, das im wirklichen Alltag gar nicht zusammen ist?» Das Fotografieren sei auch ein Thema im Bad auf Rigi-Kaltbad, das von Architekt Mario Botta erbaut worden war. Dort möchten die Gäste eigentlich die spezielle Architektur festhalten, nehmen gleichzeitig aber auch Badende ins Bild.

Sex im Thermalbad sei ein längst bekanntes Phänomen, mit dem sich auch andere Anlagen landesweit herumschlagen müssten. Die Aqua-Spa-Resorts AG betreibt neben dem Hürlimannbad in Zürich und dem neuen Mineralbad auf der Rigi auch das Solbad im bernischen Schönbühl. Dort seien bei den Becken schon seit geraumer Zeit Kameras zur Überwachung installiert worden, «in erster Linie aus Sicherheitsgründen», betont Bernet.

900 Badegäste pro Tag

Die Anlage in der ehemaligen Brauerei Hürlimann in der Enge ist seit der Eröffnung im Dezember 2010 ein Erfolg. Der «Kraftort» soll eine «Oase der Ruhe» im hektischen Zürich sein und kein «Vergnügungspark», hiess es damals. Das Zürcher Thermalbad hat bei den Besucherzahlen die Erwartungen übertroffen. In der Hochsaison entspannen sich dort bis zu 900 Menschen pro Tag – zum Eintrittspreis von 32 Franken. Der Andrang ist so gross, dass sich an Spitzentagen Gäste vor Ort auf eine Warteliste setzen lassen müssen, auf dass sie dann in etwa zwei Stunden zum Wellness kommen.

Auf bezahlte Werbung sind die Betreiber nicht angewiesen. Einzig auf ihrer Website buhlen sie hin und wieder ums Publikum. Neu preisen sie derzeit in der «sakralen Badewelt» ein Event-Ticket am Valentinstag Mitte Februar von 21 Uhr bis 0.30 Uhr an: «Baden und entspannen Sie zusammen mit Ihrem Liebsten/Ihrer Liebsten im Thermalbad und Spa mit Loungemusik und viel Kerzenlicht.» Die Anmeldefrist läuft.

Erstellt: 16.01.2013, 06:59 Uhr

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