Kann der Brunnen auch nach Musik tanzen?

Rund um den Sechseläutenplatz gibt es zahlreiche drängende Fragen. Hier sind die Antworten.

Explodiert künftig auf Valser Granit: Der Böögg. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Explodiert künftig auf Valser Granit: Der Böögg. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Mitten im Sechseläutenplatz gibt es einen Kreis, in dem die Oberfläche des Valser Quarzits rau belassen ist. Am Rand die Zunftwappen. Das ist der Feuerkreis, wo der Böögg ­künftig Platz nimmt. Doch sprengt das Feuer den Stein nicht?
«Die 1000 Grad heissen Flammen könnten tatsächlich den Quarzit sprengen», sagt Stefan Hackh, Informationschef des Tiefbauamtes der Stadt Zürich. Ursprünglich war vorgesehen, dass der Scheiterhaufen auf einer Stahlwanne errichtet wird. Doch wäre der Schutz des Steins damit nicht ausreichend gewährleistet gewesen. Deshalb hat man sich entschieden, den Böögg auf feuerfeste Glasplatten und Brechsand zu stellen.

Ist der Umritt auf dem harten Stein für die Pferde nicht gefährlich?
Um den Scheiterhaufen herum wird eine Schicht aus feuerfestem Quarzsand aufgetragen, der die Stösse dämpft. Solche Unterlagen werden auch bei Hallenwettbewerben im Springreiten verwendet.

Kann das Volksfest nach dem ­eigentlichen Bööggverbrennen weiterhin stattfinden?
Seit vielen Jahren kommt es nach dem Sechseläuten zu einem Volksfest rund um den Scheiterhaufen. Dabei entstehen jeweils kleine private Feuerstellen. Dies ist weiterhin erlaubt, allerdings nur auf dem Quarzsand, der für die Pferde ausgestreut wird. Dieser wird erst oberflächlich gereinigt und auf eine grössere Fläche verteilt. Picknickfeuerchen ausserhalb dieses Bereichs sind verboten. Die Zünfte spendieren dieses Jahr 500 Würste für das Grillfest.

Wer bezahlt den ganzen Aufwand für das Sechseläuten? Die Stadt oder die Zünfte? Wie viel kostet das?
Die Stadt übernimmt den Grossteil der Kosten. Stefan Hackh vom Tiefbauamt begründet dies damit, dass es sich um einen für die Stadt wichtigen Anlass mit weit überregionaler Bedeutung handle.

Wie vertäut der Circus Knie künftig sein Zelt auf dem Platz?
Auf dem Platz sind in zwei unterschiedlich grossen Kreisen rund hundert versenkbare Haken eingelassen, an denen die Zirkuszelte verankert werden können. Der grössere ist auf das Chapiteau des Circus Knie abgestimmt.

Wer darf überhaupt auf dem ­Sechseläutenplatz Platz nehmen?
Die Sechseläutenwiese war bis zu acht Monate im Jahr belegt. Das will man ändern. Der Platz soll in erster Linie der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Das Nutzungskonzept sieht vor, dass er an 180 Tagen pro Jahr frei ist, davon 120 Tage in den Sommermonaten. Sechseläuten, Züri-Fäscht, Knie, Street-Parade und das Zurich Film Festival und ein kleinerer Zirkus im Herbst haben eine Dauerbewilligung. Über die Zulassung weiterer Veranstaltungen entscheidet der Stadtrat.

Darf man auf dem Platz Velo oder Skateboard fahren?
Ja.

Wie oft wird der Platz geputzt? Hätte man den Stein nicht ­imprägnieren sollen?
Der Platz wird täglich gereinigt. Eine Imprägnierung wäre kontraproduktiv, weil diese Schicht rissig würde. Dann könnte Schmutz eindringen und die Situation eher verschlimmern. Ausserdem wurde der Stein ausgiebig getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass auch hartnäckige Flecken von Coca-Cola, Öl oder auch Elefantendung mit der Zeit von selbst verschwinden. Einzig Kaugummireste sind ein Problem – wie auf allen Belägen.

Hätte es nicht ein weniger heikler Belag getan? Etwa Kies?
«Man wollte nicht einen Acker gegen einen Kiesplatz eintauschen», sagt Stefan Hackh vom Tiefbauamt. Darum sei klar gewesen, dass es ein hochwertiger Belag aus Naturstein sein soll.

Auf dem Platz gibt es Bauminseln, in denen 56 amerikanische Roteichen und Tulpenbäume gepflanzt ­wurden. Weshalb hat man sich nicht für einheimische Bäume entschieden?
Einheimische Bäume vertragen das trockene Mikroklima auf dem Platz nicht gut. Deshalb hat man sich für robuste Sorten entschieden, die sich zudem im Herbst schön gelb und rot verfärben. Sie werden nach 10 bis 15 Jahren eine Höhe von rund 20 Metern erreicht haben.

Der Springbrunnen besteht aus 51 Düsen, welche das Wasser bis zu 8 Meter hochspritzen. Ist das Trinkwasser? Wie werden die Strahlen gesteuert? Können die Wasser­fontänen auch nach Musik tanzen?
Unter dem Brunnen liegt ein Technikraum, in dem sich die elektrischen Anlagen für die Platzbeleuchtung, aber auch die Technik befinden. Jede Düse mündet in einen Trichter, der individuell angesteuert werden kann. So kann die Höhe der Wasserfontänen einzeln bestimmt werden. In der Nacht wird jeder Strahl von unten beleuchtet. Die Steuerung erfolgt durch ein Computerprogramm. Theoretisch wäre es möglich, die Wasserfontänen im Takt einer Musik tanzen zu lassen, doch bräuchte es dazu eine spezielle Software. Das Wasser versickert in einem Schlitz, wird dann gefiltert und wieder in die Düsen gepumpt. Es hat die Qualität von Hallenbad­wasser.

Was hat der ganze Platz gekostet? Und was kostet der Unterhalt?
Das Stimmvolk hat 17 Millionen Franken bewilligt. Die Unterhaltskosten sind abhängig von der Anzahl und Art der bewilligten Veranstaltungen und sind daher nicht global zu beziffern.

Erstellt: 22.04.2014, 07:27 Uhr

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