Kantonsräte machen Weg frei für Kongresshaus beim HB

Der Carparkplatz neben dem Hauptbahnhof könnte besser genutzt werden. Bürgerliche Kantonsräte setzen sich für den Bau eines Kongresszentrums am Sihlquai ein.

Blick auf Zürich: Im Vordergrund der Carparkplatz in Gelb, dahinter das Geroldareal.<br />Foto: Heinz Leuenberger (Desair, Keystone)

Blick auf Zürich: Im Vordergrund der Carparkplatz in Gelb, dahinter das Geroldareal.
Foto: Heinz Leuenberger (Desair, Keystone)

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Auf dem Areal hätte schon ein Busbahnhof entstehen sollen, ein Hochhaus zur Entlastung des Eurogate-Projekts und der Erweiterungsbau des Landesmuseums. Der Stadtrat hat sich auch kurz überlegt, das Kongresszentrum hier zu bauen. Aber der Carparkplatz ist bis heute ein Carparkplatz geblieben. Und dies, obwohl er hier provisorisch platziert und vor zwanzig Jahren – provisorisch – um das Grundstück des geschleiften AJZs erweitert worden ist.

Die Cars werden wohl noch am heutigen Standort bleiben, denn der Stadtrat möchte das Kongresszentrum nicht hier, sondern auf dem Geroldareal beim Bahnhof Hardbrücke bauen. Und andere Pläne gibt es vorläufig nicht für das Grundstück, wie Arno Roggo, Direktor der städtischen Liegenschaftenverwaltung, sagt.

Das Problem ist die Bauabstandslinie auf dem Areal. Der Kanton blockiert einen grossen Teil des Carparkplatzes für den Fall, dass der Stadttunnel eines Tages doch noch gebaut wird. Diese vierspurige Röhre, so war es einmal gedacht, soll die A 3 mit der A 1 verbinden und von der Brunau unter der Stadt hindurch nach Dübendorf führen. Beim Platzspitz könnten die Autos den Tunnel verlassen und über den tiefer gelegten Sihlquai Richtung Westen abbiegen. Solange dieses Projekt nicht vom Tisch sei, so sagt Roggo, mache es keinen Sinn, hier etwas zu planen. Erst 2007 hat die bürgerliche Mehrheit des Kantonsparlaments bei der Teilrevision des Richtplans Verkehr beschlossen, einen Teil des Areals weiterhin für den Stadttunnel zu blockieren.

Abstriche für Kongresszentrum

Allerdings: Es wäre möglich, dass der Stadttunnel in absehbarer Zeit im Kantonsrat nochmals Thema wird, denn das Parlament muss die verschiedenen Teilrevisionen des Richtplans noch zu einem Ganzen zusammenfügen. Nach einer öffentlichen Auflage kommt die Richtplanvorgabe diese Tage in die vorberatende Kommission für Planung und Bau. Auf Antrag eines Ratsmitglieds würde auch der Kantonsrat nochmals über den Stadttunnel diskutieren.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die FDP. Sie hat 2007 zusammen mit den anderen bürgerlichen Parteien zwar dafür gesorgt, dass der Stadttunnel im Richtplan bleibt, gleichzeitig sähe ihre Stadtpartei das Kongresszentrum aber am liebsten auf dem Carparkplatz. «Ein hervorragender Standort», schwärmt Carmen Walker Späh (FDP, Zürich), die Mitglied der vorberatenden Kommission ist. Ihrer Meinung nach braucht es nach wie vor einen Stadttunnel. Sie wäre aber bereit, mit der Linienführung auf ein Kongresszentrum auf dem Carparkplatz Rücksicht zu nehmen und zum Beispiel den geplanten unterirdischen Halbanschluss des tiefer gelegten Sihlquais zur Diskussion zu stellen. Sie hält es für möglich, dass sich für diesen Kompromiss eine Mehrheit mit Links- und Mitteparteien gewinnen liesse. CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr könnte sich jedenfalls vorstellen, dass seine Partei Hand zu einer Lösung bieten würde.

Aber: «Der Stadtrat muss sich klar zum Standort Carparkplatz bekennen», sagt Carmen Walker Späh. Sonst fehle ihr die Rückendeckung. Sie vermutet jedoch, dass ihm der Standort gar nicht passt und die Baulinie nur Vorwand ist, um das Kongresszentrum auf dem Geroldareal zu bauen.

«Wird kaum je realisiert»

Die linken Parteien sind ohnehin nicht für den Stadttunnel, wie Kommissionsmitglied Monika Spring (SP, Zürich) sagt. Sie werden wohl kein grosses Aufheben um ihn machen, weil er schon aus Kostengründen nicht so bald zur Diskussion stehe. Sie sind auch überzeugt, dass das Projekt kaum je realisiert wird.

Mit der heutigen Situation am Sihlquai ist niemand zufrieden. Der Stadtrat kann es nicht sein, der ein absolut zentrales Grundstück nicht angemessen nutzen kann, während die Stadt richtiggehend über ihre Grenzen quillt. Die Betreiberin des Carparkplatzes ist es aber auch nicht: «Der Platz ist kein Ruhmesblatt», sagt Marcel Müller von der Parking Zürich. Die Fahrgäste müssten bei Wind und Wetter ungeschützt im Freien auf die Cars warten, und es stünden ihnen nur gerade zwei uralte Züri-WCs zur Verfügung. Ein Reiseveranstalter ist bereits vor ein paar Jahren abgesprungen und hat sich auf bei der Hardbrücke einen eigenen Busbahnhof gebaut.

Carparkplatz ist ein Bedürfnis

Obwohl lange Carfahrten wegen der billigen Flugtarife an Attraktivität verloren haben, ist der Platz nach Ansicht Müllers nach wie vor ein Bedürfnis, vor allem für Carausflüge innerhalb der Schweiz und für Stadtrundfahrten. Die Zeiten, in denen Cars Zürich kolonnenweise Richtung Spanien, Portugal oder Prag verlassen haben, sind jedoch vorbei. Heute verzeichnet die Parking Zürich 36'000 Ein- und Ausfahrten von Cars, etwas mehr als bei der letzten Erhebung 1997. Sie geht jedoch davon aus, dass heute die Cars wegen der günstigen Flugtarife weniger gut besetzt sind und die Zahl der Passagiere etwas gesunken ist.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der Stadttunnel je gebaut wird (TA vom 13. April), nachdem es dank Uetlibergtunnel und der ausgebauten A 3 einfacher geworden ist, die Stadt zu umfahren. Um diese Route zu stützen, verbreitert der Bund den Gubristtunnel auf je drei Spuren. Der Stadtrat hat die Förderung des Stadttunnels kürzlich aus der Liste seiner Ziele gestrichen.

Das letzte Wort beim Stadttunnel hat allerdings der Bund, weil der Tunnel eine Nationalstrasse würde. Wie ein Sprecher des Bundesamts für Strassen kürzlich gegenüber dem TA sagte, würde der Bund kaum auf dem Tunnel beharren, wenn ihn Zürich nicht wollte. Schliesslich diene er vor allem der Erschliessung der Stadt.

Erstellt: 10.05.2012, 09:55 Uhr

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(Bild: TA-Grafik)

Kontroverse im Internet

Im Internet-Stadtforum wird der Standort für das neue Kongresszentrum diskutiert.

Der Stadtrat will das geplante Kongresszentrum auf dem Geroldareal neben Hardbrücke und Prime Tower bauen. Dort hat es mehr Platz als auf dem Carparkplatz neben dem Hauptbahnhof, der ebenfalls in der engeren Wahl war. Ist das Geroldareal geeignet? So lautet die Frage im Stadtforum, das vom Hochbaudepartement im Internet eröffnet worden ist. Alle Interessierten können dort ihre Meinung kundtun, alle vier Wochen wechselt das Thema. In den ersten zwei Wochen haben sich über ein Dutzend Personen zum Kongresszentrum geäussert; eine knappe Mehrheit spricht sich für den Carparkplatz aus, einzelne möchten trotz des Scheiterns des Moneo-Projekts in der Volksabstimmung am Seestandort festhalten.

Argumente gegen das Geroldareal in Zürich-West sind unter anderem: unattraktives Gelände zwischen Schienenstrang und ZKB-Überbauung, ein Hinterhof, für Kongressteilnehmer und Touristen zu weit von Altstadt und See entfernt. Für den Carparkplatz spricht neben der Nähe zum Stadtzentrum das heutige Aussehen – «Schandfleck» –, das mit dem Kongresszentrum beseitigt würde. Einzelne Stimmen werfen dem Stadtrat vor, mit dem Geroldareal den Weg des geringsten Widerstandes beschritten zu haben und privaten Interessen und Seilschaften gefolgt zu sein.

Argumente im Stadtforum fürs Geroldareal: ein Ort des Aufbruchs und der Zukunft, mit dem Tram nur 10 bis 15 Minuten von der Altstadt entfernt – «Peanuts» –, als Kombination von Kongressund Kulturzentrum notwendige kulturelle Belebung des Quartiers, da 2015 die Maaghallen einem Neubau weichen müssen. Auch würden dort die Mieten rundum weniger steigen als im vorderen Kreis 5 beim Hauptbahnhof.

Und ewig lockt der See

Zwei Teilnehmer halten den Standort für zweitrangig, entscheidend sei ein «architektonisch, städtebaulicher Leuchtturm» oder eine Architektur ohne «Klotz», welche die «filigrane Kleingliedrigkeit unserer Stadt» respektiert. Eine weitere Stimme meint entschieden: «Man kann diskutieren und für den Kreis 5 lobbyieren, wie man will, in einer Weltstadt wie Zürich gehört ein würdiges Kongresszentrum an den See!»

Link zum Stadtforum
Text: Jürg Rohrer

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