Kehrtwende der Fifa zum Zürcher Stadion

Fifa-Präsident Sepp Blatter unterstützt das neue Fussballstadion. Das ist pikant, weil die Fifa ihre zugesagten 20 Millionen Franken wegen der geplanten Stehplätze zurückgezogen hatte.

«Die beiden Stadtzürcher Spitzenclubs leisten hervorragende Arbeit im Nachwuchsbereich und im Frauenfussball»: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

«Die beiden Stadtzürcher Spitzenclubs leisten hervorragende Arbeit im Nachwuchsbereich und im Frauenfussball»: Fifa-Präsident Sepp Blatter. Bild: Doris Fanconi

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20 Millionen Franken hatte der Weltfussballverband dem Zürcher Stadionprojekt zugesagt. Da waren noch keine Stehplätze vorgesehen. Nachdem die Stadt im Sommer 2011 auf die Forderung der Fankurven eingegangen war und in der neuen Arena 6600 Stehplätze plante, zog die Fifa das Geld zurück.

Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte während einer Sitzung im Dezember 2011 noch probiert, Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) umzustimmen. Doch der damalige Finanzvorsteher blieb standhaft. Die Stehplätze waren nun gesetzt.

Sicherheitsbedenken

Stehplätze entsprächen nicht der Fifa-Philosophie, hiess es prompt Anfang 2012. Sitzplatzstadien garantierten «mehr Komfort und – vor allem – mehr Sicherheit», teilte die Fifa mit. Sie zahlte die 20 Millionen dennoch aus – mit dem Auflage an die Stadt, mit 17 Millionen bestehende Sportplätze zu erneuern und mit dem Rest den Frauen- und Mädchenfussball zu fördern.

Seither hat sich die Fifa nicht zum Stadion verlauten lassen. Nun schaltet sich Sepp Blatter im Endpurt zur Abstimmung vom kommenden Wochenende ein. Trotz Stehplätzen befürwortet er das Stadionprojekt, wie Blatter in einem Statement schreibt. Er unterstütze das vorliegende Projekt als Fifa-Präsident, «aber auch als Fussballfan und Wahlzürcher» (höre O-Ton Blatter im Audio-File oben links). Es wäre endlich ein klares Bekenntnis zum Spitzenfussball und eine Investition in die Zukunft.

«Natürlich keine Stadiongegnerin»

Die beiden Stadtzürcher Spitzenclubs leisteten «hervorragende Arbeit im Nachwuchsbereich und im Frauenfussball», so Blatter weiter. Deshalb sagen er und sein ganzes Fifa-Team Ja zum Stadion Zürich.

Auf den Widerspruch angesprochen, dass die Fifa implizit Nein sagte zum Stadion, es nun aber doch befürwortet, heisst es auf der Fifa-Geschäftsstelle am Zürichberg: «Das neue Stadion wird finanziell nicht unterstützt, weil es Stehplätze hat. Die Fifa ist aber natürlich keine Stadiongegnerin.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2013, 17:38 Uhr

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