Kein hoher Besuch mehr zur goldenen Hochzeit

Pfäffiker Paare bekommen nach 50 Ehejahren keinen Besuch mehr von der Gemeinde. Die Streichung hat demografische und praktische Gründe.

Kommt es zum goldenen Hochzeit, erhalten sie kein Besuch von der Gemeinde: Paar in Pfäffikon. (Archivbild)

Kommt es zum goldenen Hochzeit, erhalten sie kein Besuch von der Gemeinde: Paar in Pfäffikon. (Archivbild) Bild: Katsumi Kasahara/Keystone

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In Pfäffikon, der Perle am Pfäffikersee, wirds in Zukunft etwas kälter: Die Gemeinde regelt das Gratulationswesen neu. So steht es in der Medienmitteilung. Übersetzt heisst das: Es wird weniger gratuliert. Betroffen davon sind Eheleute, die sich vor einem halben Jahrhundert das Jawort gegeben haben, also goldene Hochzeit feiern. Für sie gibt es nur noch ein Glückwunschkärtchen, ein offizieller Gemeindevertreter schaut nicht mehr vorbei.

Dabei handle es sich mitnichten um eine Sparmassnahme, sagt der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Vielmehr liege der Grund beim Bevölkerungswachstum und bei der demografischen Entwicklung. Circa hundert Besuche hat die Gemeinde im letzten Jahr absolviert und dabei rund 20-mal zu einer goldenen Hochzeit gratuliert. «Die zeitliche Belastung für unsere Mitarbeiter wurde zu hoch», sagt Thoma. Dass man sich von der bisherigen Praxis verabschiede, habe aber auch praktische Gründe: «Die Leute sind im Alter recht mobil, sie gehen auf eine Reise oder machen eine Party, um das Jubiläum zu feiern.» So werde es immer schwieriger, die Visiten zu koordinieren.

«Das ist schon bitter»

Im Pfäffiker Alters- und Pflegeheim Neuhof kommt die Meldung nicht gut an. «Ich finds schade», sagt Leiterin Pietra Lippuner. Die betagten Bewohner würden es jeweils sehr schätzen, wenn eine «amtliche Person» auf Besuch komme. Für die Senioren sei das eine grosse Ehre. Einmal habe ihr eine an Demenz erkrankte Dame voller Stolz erzählt, dass ein Bundesrat da gewesen wäre. Es komme leider ziemlich oft vor, dass Jubilare allein feiern müssten, weil niemand von den Angehörigen an sie denke. «Das ist schon bitter», sagt Lippuner.

Ganz auf Nähe zur betagten Bevölkerung verzichtet Pfäffikon aber nicht. «Für den Gemeinderat steht ausser Frage, dass den älteren Menschen auch in Zukunft zu ihren runden Geburts- und Hochzeitstagen gratuliert wird», heisst es in der Mitteilung. Besuch von der Gemeindeweibelin bekommen weiterhin die 80-Jährigen. Und älteren Jubilaren stattet auch künftig ein Mitglied des Gemeinderats einen Gratulationsbesuch ab und überreicht ein Präsent. Die Jubilare bekommen je nach Wunsch einen Blumenstrauss, Wein oder einen Betrag in der lokalen Währung Pfäffiker Taler. Weiterhin Besuch von offizieller Seite bekommen ebenfalls Paare, welche diamantene (60 Jahre) oder eiserne Hochzeit (65 Jahre) feiern – oder noch länger zusammen sind.

500 Franken zum Hundertsten

In Zürich muss man 100 Jahre alt werden, um von der Stadt geehrt zu werden. Dafür gibts dann gleich einen Brief von der Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), einen Blumenstrauss und 500 Franken. Ab dem 101. Geburtstag bekommen die betagten Menschen jährlich einen Glückwunschbrief und Blumen – aber kein Geld mehr. Gemäss Lukas Wigger von der Stadt werden die Geschenke jeweils persönlich durch eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter des Präsidialdepartements überreicht.

Die älteste Zürcherin und der älteste Zürcher dürfen sich darüber hinaus zum Jahresende über einen Weihnachtsstern freuen, einen Brief von Frau Mauch und 500 Franken. Die jeweils zweitältesten bekommen einen Weihnachtsstern, das Schreiben und 250 Franken.

Erstellt: 05.02.2014, 15:42 Uhr

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