Zürcher Rentnerpaar zieht in 5000-Franken-Wohnung – ohne zu zahlen

Die beiden Künstler sind hoch verschuldet und geben sich als Leute von Welt aus. Ihnen ging bereits ein anderer Vermieter auf den Leim.

Erst nach zehn Monaten räumten die Mieter die Wohnung: Innenansicht einer Luxuswohnung. Symbolbild: iStock

Erst nach zehn Monaten räumten die Mieter die Wohnung: Innenansicht einer Luxuswohnung. Symbolbild: iStock

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Wie schwierig es ist, Mieter loszuwerden, die ihren Wohnungszins während Monaten nicht zahlen, zeigt das vorliegende Beispiel. Rückblickend ärgern sich die beiden Hausbesitzer, dass sie sich von dem Rentnerpaar blenden liessen und auf einen Betreibungsregisterauszug verzichteten. Denn das betagte Schweizer Ehepaar gibt sich als Leute von Welt: vollendete Manieren, blitzgescheit, kulturell gebildet, freundlich und höflich. Die Frau trat früher als Sängerin an renommierten Opernbühnen auf. Ihr Ehemann war in der Zürcher Kulturszene aktiv.

Das ausnehmend nette Ehepaar interessierte sich 2015 für die Fünfeinhalbzimmerwohnung mit zwei Bädern in einem Jugendstilhaus an bester Lage in der Stadt Zürich. Der monatliche Mietzins von beinahe 4500 Franken, Garage und Nebenkosten mit eingerechnet, schreckte es nicht ab.

Anfangs schien alles seinen normalen Lauf zu nehmen. Doch nach einigen Monaten stockte der Geldfluss. Fünf Monate zahlte das Paar nicht – Kündigung. Doch dann wurden die Rückstände plötzlich doch beglichen, worauf der Vermieter die Kündigung zurücknahm.

50'000 Franken Schaden

Ein entscheidender Fehler. Denn ab April 2017 versiegten die Geldquellen gänzlich. Das Ehepaar versuchte mit allen Mitteln, mit allen Tricks, abstrusen Erklärungen und Lügengeschichten, die Kündigung hinauszuzögern. Erst nach zehn Monaten und mithilfe eines Anwalts, der für den Vermieter vor Bezirksgericht Zürich die Ausweisung erstritt, räumten die Mieter die Wohnung. Ohne dieses Urteil würden die beiden wohl weiterhin in der komfortablen Bleibe leben. Dem Vermieter blieb, alles eingerechnet, ein Verlust von 50'000 Franken.

Bis das Bezirksgericht eine offizielle Ausweisung verfügt, wird es sicher Frühling.

Auch der nächste Vermieter fiel auf den Charme des kultivierten Ehepaars herein. Seit letzten Juli lebt das Paar wieder in einer attraktiven Fünfeinhalbzimmerwohnung, wieder in einem Jugendstilhaus und wieder an bester Lage in Zürich. Der Mietzins beträgt diesmal sogar 5000 Franken.

Die erste Zahlung beglich das Paar vermutlich mit einem Kleinkredit. Doch bereits die Kaution blieb offen, und inzwischen muss der Vermieter rund 30'000 Franken abschreiben. Bis auch hier das Bezirksgericht eine offizielle Ausweisung verfügt, wird es sicher Frühling.

Hoch verschuldet

Der Mann wird jeweils nicht müde, Gründe für die Verzögerung zu liefern. Meist erklärt er sie damit, dass Investitionen, die er im Ausland getätigt habe, nicht flüssig gemacht werden konnten, weil eine Bank aus irgendwelchen bürokratischen Gründen das Geld noch nicht überweisen könne. Der baldigen Freigabe stehe aber nichts mehr im Weg, beteuert er gleichzeitig.


Bilder: Berühmte Hochstapler


Auch im aktuellen Fall muss der Hausbesitzer mit einem Gesamtverlust von rund 50'000 Franken rechnen. Er ärgert sich darüber, wie lange es geht und wie mühsam es ist, in einem solch krassen Fall von Mietzinsmissbrauch die Mieter aus der Wohnung zu bringen.

Die ausstehenden Mieten und Anwaltskosten können die zwei Vermieter abschreiben. Das Künstlerpaar ist hoch verschuldet, wie der Auszug des Betreibungsamtes Zürich zeigt. Das Ehepaar, das früher in der Welt herumreiste, lebt heute am Existenzminimum.

Es nutzt nicht nur Vermieter aus, sondern auch seinen Freundeskreis. Als der Mann seinen Geburtstag in geselliger Runde feierte, liess er eine gute Bekannte das Catering machen – die Rechnung ist bis heute offen. Noch viel gravierender war ein Vorfall vor etlichen Jahren. Damals lieh der beste Freund des Ehemannes diesem 200'000 Franken, die er gespart hatte. Der Ehemann kaufte ein Ferienhaus, verkaufte es wieder und investierte das Geld in ein Musicalprojekt, das scheiterte.

Erstellt: 21.01.2019, 09:04 Uhr

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