Keine kurzfristige Lösung für den Bahnhof Wipkingen

Den SBB fehlt das Rollmaterial. Dafür schaffen die VBZ eine neue Buslinie.

Stadtrat Andres Türler sowie Vertreter der SBB und des Verkehrsverbundes orientierten  in Wipkingen. Foto: Dominique Meienberg

Stadtrat Andres Türler sowie Vertreter der SBB und des Verkehrsverbundes orientierten in Wipkingen. Foto: Dominique Meienberg

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Wipkingen und sein Bahnhof liegen dem Stadtrat am Herzen – nicht nur, weil mehrere seiner Mitglieder im Quartier wohnen. Deshalb liess es sich Andres Türler (FDP), der Vorsteher der Industriellen Betriebe, gestern Abend nicht nehmen, seine Antworten auf die Petition für die Wiedereinführung des Viertelstundentakts am Bahnhof Wipkingen dem Quartier persönlich zu präsentieren. Die Petition mit 6384 Unterschriften fordert, dass bis Ende 2015 wieder mindestens ein Zug mehr in Wipkingen hält. Seit der Einführung der Durchmesserlinie wird das Quartier nur noch jede halbe Stunde von der S 24 bedient. Türler beteuerte, der Quartierverein habe mit seinem Anliegen bei ihm offene Türen eingerannt, denn der Stadtrat möchte für alle Stadtbahnhöfe einen Viertelstundentakt. Doch gleichzeitig sagte er: «Wunder dauern oft länger.»

Er nahm damit vorweg, was Urs Arpagaus von den SBB ausführte: «Die Forderung der Petition ist zu kurzfristig, die SBB planen länger voraus.» Obwohl nur 50 Personen im Saal des reformierten Kirchgemeindehauses anwesend waren, war das Raunen laut. Konkret heisst das: Den SBB fehlen für die Umsetzung des Anliegens ein Zeitfenster im Fahrplan, ein geeignetes freies Trassee und ein freies Perron in Oerlikon sowie am Hauptbahnhof. Zudem steht ihnen kein zusätzliches Rollmaterial zur Verfügung. «Für jedes kleine Züglein braucht es einfach eine lange Planung», sagte Arpa­gaus. Langfristig plant auch der Zürcher Verkehrsverbund ZVV: 2030 will er sein neues S-Bahn-Netz verwirklichen, die sogenannte S-Bahn 2G, und möchte ab dann alle städtischen Bahnhöfe im Viertelstundentakt bedienen.

Das leuchtet den meisten Quartier­bewohnern nicht ein. Sie wollen keine 15 Jahre warten. Christian Vogt, beim ZVV zuständig für Verkehrsplanung, konnte nur beteuern: «Die SBB würden gerne mehr fahren, der ZVV würde gerne mehr bestellen, aber bisher hat einfach niemand eine Lösung gefunden, die für alle machbar ist.» Selbst einen Wipkinger-Halt der Schnellzüge von und nach Luzern, Schaffhausen und St. Gallen haben SBB und ZVV geprüft, doch auch das lässt sich nicht umsetzen. Einziger Hoffnungsschimmer: Die S 24 wird ab Ende Jahr über den Flughafen bis nach Winterthur verlängert.

Mehr Busse auf der Hardbrücke

Als Alternative zum Zug eine Busverbindung zum Bahnhof Oerlikon einzusetzen, ist für die VBZ nicht realistisch. Claudio Büchel von den Stadtzürcher Verkehrsbetrieben sagte: «Die S-Bahn ist mit ihren vier Minuten unschlagbar.» Auch eine Verlängerung der Buslinie 46 bis zum Bahnhof kommt aus Kostengründen nicht infrage. Verlängert wird hingegen die Buslinie 71, die in den Stoss­zeiten von der Rosengartenstrasse bis zum Albisriederplatz und zurück fährt. Sie wird ab Dezember mit der Linie 95 zusammengeschlossen und verkehrt ab dann vom Milchbuck bis zum Bahnhof Altstetten. Damit entsteht die neue Linie 96. Was den Bahnhof betrifft, gibt Stadtrat Andres Türler die Hoffnung für eine baldige Umsetzung jedoch nicht auf. Er werde den SBB, dem ZVV und den VBZ noch so lange im Nacken sitzen, wie er Stadtrat sei. Seine Devise: «Geht nicht gibts nicht.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.01.2015, 22:53 Uhr

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