Kinder und Babys werden nicht mehr durchsucht

«Mehr Fingerspitzengefühl»: Nach Kritik der Stadt Zürich kommt es zu Änderungen im Zürcher Bundesasylzentrum.

Zu Besuch im neuen Zürcher Bundesasylzentrum: Seit November 2019 ist das Bundesasylzentrum auf dem Duttweiler-Areal in Zürich in Betrieb. (Video: Tamedia)

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Der Bund hat aufgrund der Kritik der Stadt Zürich am harten Regime im neuen Bundesasylzentrum (BAZ) «gewisse Anpassungen» vorgenommen. Die Eingangskontrollen werden nun mit mehr Fingerspitzengefühl vorgenommen, Kinder und Babys werden nicht mehr durchsucht.

Zu Beginn hätten es die Sicherheitsangestellten wohl etwas zu genau genommen, räumte Daniel Bach vom Staatssekretariat für Migration (SEM) am Samstag vor den Medien ein. «Das haben wir korrigiert.»

Kugelschreiber und Kaugummi werden den Asylsuchenden nun nicht mehr abgenommen, Schulkinder und Babys nicht mehr durchsucht. Diese werden nur noch visuell kontrolliert. Die Sicherheitsleute würden generell mehr Fingerspitzengefühl zeigen, versicherte Bach.

Quittungen vorzeigen

Dieses Fingerspitzengefühl soll vor allem für Kinder und Frauen gelten. Männer würden aber nach wie vor eingehend kontrolliert, vor allem jene, die neu im Zentrum seien. So soll verhindert werden, dass Drogen oder Waffen ins BAZ auf dem Duttweilerareal gelangen.

«Wir geben unser Sicherheitskonzept nicht auf. An den Zutrittskontrollen wird grundsätzlich festgehalten», stellte Bach klar. Ein Asylsuchender, der mit einem teuren Pullover von der Stadt zurück ins Zentrum kommt, muss also weiterhin eine Quittung vorzeigen, um zu beweisen, dass er den Pulli nicht gestohlen hat. Auch eigene, verderbliche Lebensmittel bleiben verboten, um Krankheiten zu verhindern. Gegessen wird, was das Catering liefert.

Spärlich möbliert

Auslöser für die minimale Lockerung des Sicherheitsregimes ist die Kritik der Stadt Zürich. Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) hatte persönlich beim SEM interveniert, weil der Betrieb seiner Meinung nach menschenunwürdig sei. Das Sicherheitsregime sei viel zu streng und werde von den Bewohnerinnen und Bewohnern als bedrohlich wahrgenommen. Der Aufenthalt im Zentrum sei generell unangenehm.

Kritik übte der Stadtrat auch an der Möblierung. Diese sei viel zu knausrig. Es fehle alles, was eine gewisse Wohnlichkeit ausmache. An der Möblierung wurde jedoch nichts geändert, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Die 6-er-Zimmer sind nach wie vor spartanisch eingerichtet, es gibt keine Vorhänge, keinen Tisch, keinen Stuhl.

Auch in den Räumen, in denen gelernt, gearbeitet, geturnt und gebetet wird, gibt es nichts Überflüssiges. Diese Ausstattung sei in allen Bundeszentren Standard. Das werde nicht geändert, so das SEM.

Etwas wohnlicher ist die Atmosphäre einzig im Begegnungsraum, in dem sich Asylsuchende und Quartierbewohner treffen und austauschen sollen. Nähmaschinen, ein Sofa und eine Küche vermitteln hier etwas Wohnlichkeit. Hier gibt es Pizza-Abende und Flüchtlingskinder basteln Meisen-Knödel, die sie nachher im Quartier aufhängen.

Der Kontakt mit der Bevölkerung ist allerdings noch nicht wirklich in Gang gekommen. Viele Aussenstehende würden sich gar nicht trauen, hereinzukommen. Oft würden sie leider nur durch die Scheibe gucken, sagte die zuständige Sozialpädagogin. Im Moment wohnen im Bundesasylzentrum Zürich rund 200 Asylsuchende, knapp 50 davon sind Kinder. Platz bietet es für 360 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Anlage wurde Anfang November in Betrieb genommen. (sep/sda)

Erstellt: 07.12.2019, 12:17 Uhr

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