Klassengrössen: Politiker gegen «Entlastung aus der Giesskanne»

Erstmals haben sich Gegner der Klassengrösseninitiative gemeldet. Sie warnen vor Steuererhöhungen und werben für eine «bessere Lösung».

Hängt die Schulqualität mit der Klassengrösse zusammen? Erstklässler beim Unterricht in Suhr. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Hängt die Schulqualität mit der Klassengrösse zusammen? Erstklässler beim Unterricht in Suhr. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Die EVP will mit ihrer am 30. November zur Abstimmung kommenden Volksinitiative eine generelle maximale Klassengrösse von 20 Schülern einführen. Gestern warnten Politiker der Mitteparteien und der Grünen vor den Folgen. Die Mehrkosten von 120 Millionen Franken stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen dieser Lehrerentlastung aus der Giesskanne, sagte Corinne Thomet (CVP). Sie befürchtet «spürbare Steuererhöhungen». Stefan Hunger (BDP) erinnerte daran, dass die Schulqualität mit der Zusammensetzung der Klasse und der Qualität der Lehrer zusammenhänge und nicht mit der Klassen­grösse.

Weder Corinne Thomet, Stephan Hunger, Christoph Ziegler (GLP) noch Res Marti (Grüne) bestreiten, dass es in der Schule überlastete Lehrer gibt. Darum unterstützen sie den Gegenvorschlag aus dem Kantonsrat. Dieser sieht vor, dass der bereits existierende Stellenpool für Härtefälle von 160 auf 260 Stellen aufgestockt wird. «Mit diesen Stellen können Lehrpersonen gezielt entlastet werden», sagte Sekundarlehrer Ziegler aus Elgg. Der Stellenpool funktioniere schon heute ausgezeichnet und unbürokratisch, sagte Ziegler. Er weiss es aus eigener Erfahrung. Im letzten Jahr habe man in seiner Schule wegen Wegzügen aus drei kleinen Klassen zwei grosse machen müssen. Um die Lehrer dieser Klassen zu entlasten, hat Zieglers Schule beim Kanton ein Teilpensum aus dem Pool beantragt. Innert Kürze habe man die gewünschten Stellenprozente erhalten. So könne heute in diesen zwei Klassen Französisch und Deutsch in Halbklassen unterrichtet werden. Für Ziegler ist der Gegenvorschlag eine «Vorlage der Vernunft».

Auch der Gegenvorschlag verursacht Mehrkosten von 15 Millionen Franken. Die Lehrerverbände unterstützten diesen Vorschlag zwar, aber sie erwarten, «keine spürbare Entlastung». Res Marti sagte dazu: «Die Mehrheit der Lehre­rinnen und Lehrer mag davon nichts spüren, aber jene, die es nötig haben, sehr wohl.»

Für den Abstimmungskampf haben GLP, BDP, Grüne und CVP kein Budget. Man wolle zuerst sehen, wie die Kampagne der Initianten aussehe, sagte ­Thomet. Dann werde man entscheiden, ob eine Gegenkampagne nötig sei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 19:58 Uhr

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