Königlicher Nachwuchs im Zoo Zürich

Warum bei den Pinguinen im Zoo Zürich grosse Aufregung herrscht und was die Stabheuschrecke mit der Landung der Curiosity auf dem Mars zu tun hat.

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Das Publikum lässt ihn kalt. Statt sich zu zeigen, versteckt sich der kleine Königspinguin lieber in Papas Bauchfalte. Doch bald wird das am 19. Juli im Zoo Zürich geborene Jungtier zu gross dafür sein, denn dank der nahrhaften «Fischsuppe», die die Eltern füttern, wachsen Pinguinküken äusserst schnell.

Die Zucht von Königspinguinen ist nicht einfach, wie Zoodirektor Alex Rübel heute Mittwoch sagte. Doch in dieser Saison haben die Zürcher Königspinguine sieben Eier gelegt. Befruchtet waren allerdings nur zwei. Noch in dieser Woche wird das zweite Küken erwartet.

Der Eier-Trick

Weil immer grosse Aufregung unter den Pinguinen herrscht, wenn Eier gelegt werden und diese dann beschädigt werden könnten, greifen die Betreuer zu einem Trick: Nur routinierte Paare dürfen ihr Ei behalten, bei den anderen werden die Eier durch Imitate ausgetauscht, bis sich die Aufregung gelegt hat. Dann werden die echten Eier den brütenden Paaren wieder untergelegt.

Mit einer Körperlänge von einem Meter und einem Gewicht von rund 15 Kilogramm gehören die Königspinguine zu den Grosspinguinen. Die Vögel mit den charakteristischen goldgelben Ohr- und Kehlflecken leben auf sieben subarktischen Inseln und brüten in bis zu 100'000 Vögeln umfassenden Kolonien auf kargem Grasland oder in steinigem Gelände.

Im Zoo Zürich ist ihre Unterkunft auch bei sommerlicher Hitze auf 7 Grad Celsius gekühlt. Dies allerdings weniger, weil die Tiere es wärmer nicht aushalten würden, sondern wegen Krankheiten, die sich bei hohen Temperaturen ausbreiten könnten. Ins Freie dürfen die Königspinguine daher auch erst wieder, wenn es weniger als 10 Grad hat, wie Alex Rübel sagte.

Schnelle und effiziente Schwimmer

Um das anstrengende Brutgeschäft bewältigen zu können, legen sich die Königspinguine beträchtliche Fettreserven zu. Wenige Stunden nach der Eiablage übernimmt das Männchen das Ei und das Weibchen geht zur Futtersuche ins Meer. Nach einigen Wochen kehrt es zurück, und nun wechseln sich die Partner beim Brüten ab.

Auf ihrer Nahrungssuche bewältigen die Pinguine grosse Distanzen. Brutplätze und Jagdgebiete liegen oft Hunderte von Kilometern auseinander, und die Tiere schwimmen Tagesetappen von bis zu 200 Kilometern.

Während sie an Land eher unbeholfen umher watscheln, bewegen sich die Pinguine im Wasser äusserst gewandt. Sie gleiten mit rund 10 Stundenkilometern durchs Wasser und benötigen dafür nur sehr wenig Energie. So schwimmt ein mittelgrosser Pinguin mit der Energie von einem Kilogramm Krill (Kleinkrebse) knapp 200 Kilometer weit. Das sind umgerechnet rund 7 Zentiliter Benzin auf 100 Kilometer.

Lernen von der Natur

Diese Leistung erreichen die Pinguine durch ihre spindelförmige Körperform. Der Flügelantrieb sorgt gleichzeitig für eine unvergleichliche Manövrierfähigkeit. Techniker haben sich daher von den Tieren inspirieren lassen und einen pinguinförmigen Tauchroboter gebaut.

Auch von anderen Tieren und Pflanzen lassen sich interessante Dinge lernen. Ein eigener Wissenschaftszweig, die Biomimicry, beschäftigt sich mit dem, was die Natur uns lehrt. Ziel ist es, Funktionsweisen der Natur zu verstehen und an unsere Bedürfnisse anzupassen. Einer der ersten Bioniker war übrigens Leonardo da Vinci, der sich von Vögeln und Libellen zu seinen Flugmaschinen inspirieren liess.

Für die Entwicklung von Kletterrobotern standen Geckos Pate, die durch ihre speziellen Haftlamellen an den Zehen auf spiegelglatten, überhängenden Flächen klettern können ohne abzurutschen.

Inspiration für Klettverschluss

Die Techniker der Nasa haben sich beim Bau des Fahrzeugroboters Curiosity, der auf dem Mars im Einsatz ist, an den Bewegungen der Stabheuschrecke orientiert. So verfügt jedes ihrer sechs Beine über eine eigene Steuerzentrale. Aber auch im Bereich Logistik und Management halte die Natur interessante Lösungswege bereit, sagte Samuel Furrer, Kurator Zoo Zürich.

Eine der bekanntesten Biomimicry Innovationen stammt übrigens von einem Schweizer. George de Mestral hat nach einem Spaziergang mit seinem Hund die im Fell hängenden Klettfrüchte näher unter die Lupe genommen und so den Klettverschluss entwickelt, den er 1951 patentieren liess.

Mit Biomimicry beschäftigt sich auch eine Tagung, die vom 29. bis 31. August in Zürich stattfindet. Der Wirtschaftsverband Swisscleantech will das Thema bekannt machen und Unternehmer und Wissenschaftler zusammenbringen. (pu/sda)

Erstellt: 15.08.2012, 16:54 Uhr

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