Komfortroute für Velofahrer – zwischen 4 Millionen Fussgängern

Auf der Quaibrücke schlängeln sich jährlich Zehntausende Velofahrer durch Millionen Fussgänger. Nun sollen sie besser getrennt werden. Ein Problem bleibt aber.

Gefährliches Nebeneinander: Fussgänger und Velofahren kommen sich auf der Quaibrücke in die Quere. (Video: Anja Metzger)

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Um die häufigen Beinahekollisionen auf der vielbefahrenen Quaibrücke zu verringern, wollen Polizei- und Tiefbaudepartement zwischen Velofahrern und Fussgängern klarere Verhältnisse schaffen. Denn die Verbindung zwischen Bellevue und Bürkliplatz ist ein zentraler Verbindungsweg vom rechten zum linken See- beziehungsweise Limmatufer. Die Fussgänger auf der Brücke werden oft von rassigen Velofahrern aus ihrer Ferien- oder Feierabendmusse geschreckt.

Für Zürcher Velofahrer, die zügig vom Bürkliplatz zum Bellevue kommen wollen, sind wiederum die kreuz und quer marschierenden Fussgänger auf der Brücke ein Ärgernis. Die Touristen flanieren und schauen auf den See, die Einheimischen aufs Smartphone. Die bisherige Trennung von Fussgängern und Velofahrern ist diffus. Der seeseitige Radweg vom Bürkliplatz in Richtung Bellevue endet auf der Brücke abrupt.

Auf der Seeseite soll der bestehende Radweg in beide Richtungen deutlicher vom Fussgängerbereich abgetrennt werden. Gemäss Heiko Ciceri von der Dienstabteilung Verkehr wird der Veloweg mit einem mehrere Zentimeter hohen Absatz vom Fussgängerweg abgegrenzt.

Metallpfosten verschwinden

Die Metallpfosten, an denen die Fahrleitungen für die Trams befestigt sind und die mitten auf dem Veloweg stehen, sollen an den Brückenrand verlegt werden. Dadurch wird etwas mehr Platz frei für einen Veloweg am Rand der Fahrbahn. Gemäss einer Skizze auf der Website des Polizeidepartements bekommen die Velofahrer in beide Richtungen eine durchgängige Spur von je 1,25 Metern. Der Rest des seeseitigen Trottoirs soll ganz den Fussgängern gehören.

Auf dem limmatseitigen Trottoir bekommen die Velofahrer eine 1,5 Meter breite Spur, dürfen allerdings nach wie vor nur in eine Richtung fahren, nämlich von der Bellevue-Seite in Richtung Bürkliplatz.

Komfortroute über die Brücke

Problematisch bleibt die Situation trotz der geplanten Umgestaltung am Ende der Brücke, wo die Seeanlage entlang des Utoquais beginnt. Gemäss dem Sprecher des Tiefbauamts, Stefan Hackh, sind zwar auch dort Änderungen geplant. Wie diese aussehen, könne man zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bekannt geben.

Klar ist, dass der Weg über die Quaibrücke Teil der Komfortroute werden soll, die gemäss dem Masterplan Velo von der Roten Fabrik bis nach Tiefenbrunnen führen soll. Wenn die Route einst verwirklicht ist, können auch weniger routinierte Radfahrer auf einem 4 bis 4,5 Meter breiten Veloweg den Zürcher Teil des Sees umrunden.

Velos weiter auf dem Trottoir

Vertreter der Velo- und Fussgängerlobby sind froh, dass die Situation auf der Quaibrücke endlich entschärft wird. Simone Brander (SP), im Gemeinderat seit Mai Vizepräsidentin der Verkehrskommission und im Vorstand des Fussgängervereins Zürich, findet es «super, dass man Fussgänger und Velofahrer endlich trennt». Unschön sei lediglich, «dass die Velos weiter auf dem Trottoir fahren müssen, denn eigentlich gehören sie auf die Strasse».

Auch Dave Durner von Pro Velo macht die anvisierte Lösung nicht gänzlich glücklich. «Wenn es nach uns ginge, müsste eine Fahrspur auf der Strasse für die Velofahrer frei gemacht werden», sagt er. Doch dem Velo-Lobbyisten ist klar, dass das ein unrealistischer Wunsch ist. Zumal es sich bei der Quaibrücke um eine Kantonsstrasse handelt und der Kanton sich vehement dagegen wehren würde, dass dem Autoverkehr eine Spur weniger zur Verfügung steht.

Durner geht davon aus, dass Velofahrer die Quaibrücke auch mit einer neuen Markierung nicht im Schnelltempo überqueren können. Zählungen hätten gezeigt, dass jährlich vier Millionen Fussgänger die Brücke überquerten. Auch wenn die Situation auf der Brücke sich verbessere, würden die Velofahrer auf beiden Seiten der Brücke wieder mit querenden Fussgängern konfrontiert. «Egal wie das Brückentrottoir gestaltet wird, dieser Abschnitt der Komfortroute wird ein Hotspot bleiben», ist Durner überzeugt.

Erstellt: 20.08.2014, 15:57 Uhr

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