Kompliziert und ineffizient

Bioabfall: Die Stadt Zürich sollte von anderen Gemeinden lernen.

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Viele Stadtzürcher entsorgen ihre Küchenreste im Abfallsack, obwohl sie sie gerne trennen würden. Das bestätigt eine (nicht repräsentative) Internetumfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der Grund: Hausbesitzer und Liegenschaftenverwalter ignorieren das vor vier Jahren eingeführte Bioabfallsystem der Stadt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet von gestern). Sie verzichten auf einen Container und die wöchentliche Abfuhr. Ihnen fehlt der Anreiz, und manche haben zudem schlechte Erfahrungen gemacht: mit Mietern, die normalen Abfall im Grüngutcontainer entsorgen, aus Faulheit und Sparsamkeit.

Es ist Zeit, das Zürcher System zu überdenken. Gefragt ist eine unkomplizierte Lösung, die Verantwortung und Initiative den Mietern überträgt. Am elegantesten und fairsten wäre ein grüner Züri-Sack für Bioabfall. Wer den benutzt, zahlt die Entsorgungsgebühr gleich mit. Leider taugen Säcke aber wenig für sperrige Gartenabfälle. Viele Gemeinden im Kanton Zürich setzen auf eine andere, bestechend simple Lösung: Sie verrechnen die Kosten für die Grünabfuhr mit der jährlichen Grundgebühr, die auch diverse Leistungen wie die Papiersammlung umfasst. So kann jeder nach Lust und Laune Bioabfälle rausstellen. Weil das dem Gefühl nach «gratis» ist, tun das auch viele. Dieses System mag nicht ganz verursachergerecht sein, aber es funktioniert bestens. In Winterthur, Uster oder Dübendorf.

Die Stadt Zürich hat sich bewusst dagegen entschieden. Es sei unfair, wenn Innenstadthäuser ohne Garten gleich viel bezahlen wie solche mit viel Umschwung. Dieses Argument in Ehren, aber wenn man es ernst nimmt, dürfte die Stadt auch keine Grundgebühr erheben für Angebote wie das Cargotram, das manche öfter nutzen als andere. Tut sie aber. Und leistet sich zusätzlich eine komplizierte Abolösung für Bioabfall, die viele abschreckt. Ob hier die Prioritäten richtig gesetzt sind? Eher nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2017, 20:13 Uhr

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