Kontroverse um Leupi: Polizeivorsteher als Demonstrant?

Um die Rolle des Zürcher Polizeivorstehers Daniel Leupi während der Demonstration vom Sonntag ist eine Kontroverse im Gang.

Garstige Bedingungen: Dem Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi weht ein eisiger Wind entgegen.

Garstige Bedingungen: Dem Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi weht ein eisiger Wind entgegen. Bild: Johannes Dietschi, newspictures

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Die Gewalteskalation in der Innenstadt am vergangenen Abstimmungssonntag schlägt weiter Wellen. Gestern rückte SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) mit seinen Aussagen in die Nähe der Demonstranten. Leupi soll während der unbewilligten Demonstration gesagt haben, dass er lieber auf der Seite der Demonstranten stehen würde. Dies soll Leupi während des Umzugs gegenüber Polizisten geäussert haben, sagte Mörgeli auf TeleZüri. Leupi hatte zuvor in einem TA-Interview keine Aussagen darüber gemacht, wo er sich während der Demonstration aufgehalten hatte.

Kein Verständnis

Auch am Rande der gestrigen Gemeinderatssitzung wollte Leupi dazu nicht Stellung nehmen. Er sagte nur, er habe Verständnis für Leute, die über das Ja zur SVP-Ausschaffungsinitiative enttäuscht gewesen seien, wie eine Mehrheit der Zürcher Bevölkerung.

Er habe aber kein Verständnis für Leute, die Gewalt anwenden würden. Wenn Mörgeli ihm Sympathien für solche Gewalttäter unterstellen wolle, sei dies schlicht lächerlich. Der SVP-Nationalrat wolle ihn in die linksextreme Ecke stellen und eine Polemik entfachen, auf die er sich nicht einlasse.

«Bis spätabends gearbeitet»

Gemäss Aussage der beiden Gemeinderäte Niklaus Scherr (AL) und Balthasar Glättli (Grüne) hat Leupi am Sonntag bis spätabends in seinem Büro gearbeitet. Anschliessend sei er auf dem Nachhauseweg in der Löwenstrasse auf den Demonstrationsumzug getroffen.

Leupi habe nicht an der Demo teilgenommen. Mitmarschiert am Umzug «gegen Rassismus und reaktionäre Hetze» ist Niklaus Scherr, wie er gestern im Gemeinderat in einer persönlichen Erklärung erzählte. Dabei ging er auch auf die Sachbeschädigungen ein. Diese seien von der «Hammerfraktion» im Umzug begangen und so blitzschnell ausgeführt worden, dass auch ein Grossaufgebot der Polizei chancenlos gewesen wäre.

SVP reicht Interpellation ein

Die SVP-Fraktion bezeichnete die Taktik der Polizei in einer Erklärung als verheerend und das Vorgehen als naiv und blauäugig. Eine illegale Ansammlung von Personen für eine nicht bewilligte Kundgebung sei von Anfang an und notfalls mit Gewalt aufzulösen. Die Polizei müsse auch das im Jahr 2004 erlassene Vermummungsverbot durchsetzen.

Die SVP werde den Verdacht nicht los, dass in der Stadt Zürich für linke Chaoten ein rechtsfreier Raum geschaffen wurde. Die Partei hat deshalb gestern eine Interpellation mit zwölf Fragen eingereicht. Sie will vom Stadtrat unter anderem wissen, warum sich der unbewilligte Demonstrationszug in Bewegung setzen konnte und warum nur eine Person verhaftet wurde. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2010, 07:57 Uhr

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