Hintergrund

Krach bei der FDP: Wagner wollte Leutenegger schon früher verhindern

Ex-FDP-Stapi Thomas Wagner macht sich für SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch stark statt für Parteikollege Filippo Leutenegger. Das ist nur ein weiteres Kapitel in der Geschichte einer persönlichen Feindschaft.

Keine Freunde: Die Freisinnigen Thomas Wagner (l.) und Filippo Leutenegger.

Keine Freunde: Die Freisinnigen Thomas Wagner (l.) und Filippo Leutenegger. Bild: Beat Marti, Dominique Meienberg

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Gestern wurde bekannt, dass der frühere Zürcher Stadtpräsident der FDP, Thomas Wagner, nicht etwa seinen Parteikollegen Filippo Leutenegger zur Wahl ins Stadtpräsidium empfiehlt, sondern SP-Konkurrentin und Amtsinhaberin Corine Mauch.

Das ist parteipolitisch pikant. Im Rückblick ist der Schritt Wagners nicht überraschend. Denn die Wege von Wagner und Leutenegger haben sich schon mehrmals gekreuzt. Und Leutenegger durfte kaum je Freundlichkeiten von Wagner erwarten.

Duell um Nationalratssitz

Der frühere TV-Mann Leutenegger trat 2002 der FDP bei, im Jahr von Wagners Rücktritt aus dem Zürcher Stadtrat. Der Ex-«Arena»-Dompteur fackelte nicht lange und brachte sich ins Spiel um einen Platz auf der FDP-Liste für die Nationalratswahlen 2003. Das Problem: Auch Wagner wollte nach Bern. Öffentlich kommentierte Wagner die neue Konkurrenz gelassen: «Ich nehme das sportlich», sagte er. «Bei uns wäre Leutenegger besser aufgehoben», kommentierte hingegen SVP-Nationalrat Hans Fehr Leuteneggers FDP-Beitritt. Und stichelte weiter: «Vielleicht bringt Leutenegger dort ein paar faule Äpfel zum Gesunden.» Diese so dokumentierte Nähe Leuteneggers zur SVP war Wagner ein Dorn im Auge, wie sich noch zeigen sollte.

Für die FDP-Liste sah es zunächst gut aus für den Ex-Stadtrat. Die Findungskommission setzte Wagner mit dem Segen von Stadt- und Kantonalvorstand auf Platz 6 – nach einer Intervention der Parteiführung gar vor Leutenegger, der auf diesem Platz vorgesehen war und auf dem Kommissionsvorschlag auf Platz 7 versetzt wurde. Das eröffnete Wagner gute Wahlchancen, da die Freisinnigen damals noch sechs Zürcher Nationalräte nach Bern schickten.

«Das ist ein Affront, der mich persönlich trifft»

Doch es kam zu einer Art Putsch der Bezirksparteipräsidenten. Sie setzten durch, dass sich Leutenegger auf Platz 8 wiederfand und Wagner auf Platz 16. Letzterer reagierte «schockiert», sprach von einem «Skandal» und sagte weiter: «Das ist ein Affront, der mich persönlich trifft.» Als Konsequenz zog er sich von der Liste zurück und gründete zusammen mit Franziska Troesch-Schnyder eine alternative FDP-Liste. Troesch-Schnyder war ebenfalls düpiert worden. Obwohl sie vier Jahre lang erste Ersatzfrau und damit nur einen Schritt vor dem Einzug in den Nationalrat gewesen war, kam sie gar nicht auf die Liste.

Im Oktober 2003 wurde Leutenegger trotz mässiger Listenplatzierung glänzend als Dritter gewählt. Er erhielt 72'348 Stimmen. Wagner kam auf seiner Dissidentenliste auf respektable 30'424 persönliche Stimmen, doch insgesamt schnitt die Freie Liste zu schlecht ab für einen Sitzgewinn.

Gegen Leutenegger als FDP-Präsident

Wenige Monate später wurde ruchbar, dass Leutenegger Präsident der Kantonalpartei werden wollte. Wagner warnte darauf die Partei schriftlich, Leutenegger anzufragen. Dabei verwies er darauf, dass Leutenegger via Referendumskomitees zwei Projekte aus freisinniger Küche torpedieren wollte: die Mutterschaftsversicherung mit FDP-Nationalrat Pierre Triponez als «Vater» und das Zürcher Polizei- und Justizzentrum mit FDP-Regierungsrätin Dorothée Fierz als «Mutter». Leutenegger wurde trotzdem Kandidat und unterlag in der Kampfwahl gegen Doris Fiala mit 98 gegen 123 Delegiertenstimmen.

Zu einem kleinen Fernduell kam es 2005, als sich Leutenegger bei der Ersatzwahl des zurückgetretenen SVP-Regierungsrats Christian Huber für den SVP-Kandidaten Toni Bortoluzzi (und im 2. Wahlgang für Bortoluzzi-Ersatz Bruno Heinzelmann) einsetzte und Wagner für den CVP-Mann Hans Hollenstein. Damals obsiegte Hollenstein.

SP: Ausschlüsse wegen Wagner

Komiteewirbel gab es schon zu Wagners aktiver Zeit als Stadtpräsident. Damals war er der Profiteur. Die SP schloss Wagners Stadtratskollegen und SP-Mitglieder Emilie Lieberherr und Jürg Kaufmann aus der Partei aus, weil sie sich für Wagner als Stapi eingesetzt hatten.

Falls Filippo Leutenegger Stadtpräsident oder zumindest Stadtrat wird, trifft er übrigens als Erstes auf Wagner. Genauer gesagt: Auf die sogenannte Lex Wagner. Denn als Thomas Wagner noch in der Stadtregierung war, wollte er Nationalrat werden – was seine Amtskollegen nicht goutierten und schliesslich amtlich untersagten. Nationalrat Leutenegger muss im Erfolgsfall also den Dienst in Bern wegen Wagner quittieren.

Erstellt: 09.01.2014, 07:13 Uhr

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