Kreis 12 will keine Einmischung von aussen

Beim Schwamendinger Quartierverein kommt die Kritik am Autobahndeckel nicht gut an: Zu lauter Protest und überrissene Forderungen könnten das Projekt gefährden, wird befürchtet.

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«Nett, dass man sich um uns bemüht, aber wir wissen schon selber, was für Schwamendingen gut ist – auf Ratschläge von auswärts sind wir nicht angewiesen.» So reagiert Maya Burri, Präsidentin des Quartiervereins Schwamendingen, auf die jüngste Kritik am Einhausungsprojekt. Nachdem Stadt und Kanton bekannt gegeben hatten, dass die knapp einen Kilometer lange Einhausung zwischen dem Autobahnanschluss Aubrugg und dem Schöneichtunnel frühestens 2016 statt wie vorgesehen 2012 fertig sein wird und sich statt als grüner Hügel als begrünter Deckel mit Steilwänden präsentieren wird, gab es heftige Kritik.

Die SP-Kantonsratsfraktion nannte es «beschämend», dass die Behörden nicht fähig und willens seien, dieses Bauwerk mit absoluter Priorität zu verwirklichen. Nicht hinnehmbar seien auch die Betonwände anstelle begrünter Böschungen. So werde das Zusammenwachsen des seit Jahrzehnten zerschnittenen Stadtkreises 12 weiter verhindert. Im TA-Interview legte der Seebacher SP-Kantonsrat Hartmuth Attenhofer nach: «Ich bin überzeugt, dass es bessere Lösungen für die Einhausung gibt.» Bereits aktiv wurde auch Gemeinderat Alecs Recher von der Alternativen Liste. Er hat eine Interpellation mit kritischen Fragen zum veränderten Einhausungsprojekt eingereicht. Morgen Mittwoch entscheidet der Gemeinderat, ob der Vorstoss dringlich erklärt werden soll.

«Nicht politisch ausschlachten»

Das alles stösst dem Quartierverein Schwamendingen sauer auf. «Es geht nicht darum, jemandem das Maul zu verbieten, aber wir wollen die Sache selber in der Hand haben und selber mit den Verantwortlichen verhandeln», sagt Burri. Die Federführung müsse im Quartier sein. Es gehe darum, zu verhindern, dass Politiker ohne vorherige Rücksprache Vorstösse produzierten, die wo-möglich kontraproduktiv seien. Zum Vorgehen ihrer eigenen Parteifreunde äussert sich die frühere SP-Gemeinderätin diplomatisch: «Das kann ich nachvollziehen, aber besser wäre es gewesen, sie hätten sich vorher mit uns abgesprochen.»

Auch Roger Tognella, FDP-Gemeinderat und Vorstandsmitglied des Quartiervereins, wehrt sich gegen politische Vereinnahmungsversuche von aussen. Die Einhausung sei ein Thema, das «auf politisch neutralen Boden» gehöre, deshalb müsse der Quartierverein die Führung übernehmen. «Es nützt uns nichts, wenn einzelne Parteivertreter vorpreschen und das Einhausungsprojekt politisch ausschlachten.» Das sei ein falsches Signal. Tognella befürchtet, dass «überzogene Kritik» das ganze Projekt gefährden könnte.

Auch Burri warnt, Einmischungsversuche und immer neue Forderungen von allen Seiten könnten das Projekt zu Fall bringen. Plötzlich könnten Stadt, Kanton, Bund oder Landbesitzer kopfscheu werden und es sich anders überlegen. Wenn an immer mehr Stellen nachgebessert und ergänzt werden müsse, werde das Fuder überladen und womöglich gar eine neue Abstimmung nötig. «Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Projekt aus diesen Gründen scheitert», sagt Burri und erinnert an das Quartierzentrum Schwamendingen, das im Jahr 2000 in einer Volksabstimmung scheiterte. Auch damals habe eine neue Vorlage ausgearbeitet werden müssen, die dann bachab geschickt wurde.

Hoffnung auf Behördenkonferenz

Damit das Quartier die Fäden beim Einhausungsprojekt wieder in die eigenen Hände bekommt, führt der Quartierverein Mitte November eine Behördenkonferenz durch. Dort soll mit Vertretern der Stadt, des Kantons, der Baugenossenschaften und aller politischen Parteien das weitere Vorgehen geklärt werden. Tognella: «Das gemeinsame Ziel muss es sein, dass die Autobahn tatsächlich überdeckt wird und man wieder daran wohnen kann, ohne Autolärm.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 23:15 Uhr

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