Kreis 4: Neues Striplokal mitten im Cabaret-Sterben

In jüngster Zeit sorgten Cabaret-Schliessungen im Langstrassen-Quartier für Schlagzeilen. Bald eröffnet nahe dem Helvetiaplatz ein neuer Milieubetrieb.

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Das Ecklokal an der Langstrasse 65 ist seit Monaten geschlossen. Im Schaufenster hängt ein Zettel, der eindringlich auf ein Parkverbot hinweist. An zerbrochenen Leuchtreklamen und Schildern lässt sich die Vergangenheit des Gebäudes ablesen: Spielsalon Las Vegas und En Santo Bar. Besitzer Kyriakos Kitikidis, dem auch der erste Stock des Hauses gehört, erlitt mit diesen Geschäften finanziellen Schiffbruch.

Jetzt soll wieder neues Lebens ins Haus ziehen. Im ersten Stock plant Abbas Sin ein Cabaret, und im Parterre will er ein Pub einrichten. Sin gehört bereits die Lambada-Bar, die ebenfalls an der Langstrasse liegt. Früher betrieb er zwei Stripclubs – das Rothaus und das Malibu – , die mittlerweile beide geschlossen sind und in denen eine Bar und eine Lounge-Bar eingezogen sind. Ein Stück Vergangenheit will Sin in die Zukunft retten: Der Name Malibu habe sich bestens bewährt, deshalb werde das neue Cabaret auch gleich heissen wie das alte. Das Striplokal soll hochklassig sein. Die Eröffnung ist für Anfang November geplant. Das Bauvorhaben war gestern im «Tagblatt» ausgeschrieben.

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist zumindest fraglich. Im Grundbuch ist Kitikidis nach wie vor als offizieller Besitzer eingetragen. Ihm würden 51 Prozent gehören, die anderen habe er ausbezahlt, sagt er. Er habe auch ein Bundesgerichtsurteil. Darin stehe, im ersten Stock dürfe gar kein Cabaret-Betrieb eingerichtet werden. Das Urteil kann er auf Nachfrage hin aber nicht vorweisen.

Anders klingt es bei Sin. Er sagt, er habe eine schriftliche Bestätigung, dass ihm das Lokal gehöre. Kitikidis, der schon wüste Drohungen ausgesprochen habe, werde das Haus räumen müssen. In rund einer Woche sei er draussen, sagt Sin. Das Stadtammanamt kann sich aus Datenschutzgründen nicht zum Fall äussern.

Vieli hat Zweifel an der Rentabilität

Das Haus an der Langstrasse 65 sorgte laut Rolf Vieli, Projektleiter «Langstrasse Plus», in der Vergangenheit wegen Drogenhandel und Prostitution immer wieder für Probleme. Dem neuen Striplokal steht Vieli nicht negativ gegenüber. «Ich habe nichts gegen sehr gut geführte Cabarets.» Er bezweifelt allerdings, ob ein solches überhaupt noch rentieren könne.

In dieser Frage gibt sich Sin zuversichtlich. «Das neue Malibu wird sicher ein Erfolg.» Den alten Standort, habe er nicht aufgegeben, weil das Lokal nicht mehr gelaufen sei. Vielmehr habe er auf die Bitte Vielis und das sich ändernde Umfeld mit den vielen neuen Szenebars reagiert. Im früheren Malibu ist Mitte September die Cocuna-Bar eingezogen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2008, 08:24 Uhr

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