«Kriege haben die Menschheit vorwärtsgebracht»

Die künftige Zürcher FDP-Gemeinderätin Elisabeth Schoch erstaunt durch eine Aussage zum gelockerten Kriegsmaterialexport der Schweiz. Es ist nicht die erste umstrittene Äusserung der Politikerin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bevor Elisabeth Schoch ihr Amt als neue Gemeinderätin in Zürich Anfang Mai angetreten hat, sorgt sie bereits für politische Schlagzeilen. Auf Facebook mischte sie sich in eine Diskussion über den gelockerten Kriegsmaterialexport der Schweiz ein. Dort schrieb sie: «Kriege haben übrigens die Menschheit vorwärtsgebracht.» Und: «Indem man eine Waffe verkauft, hat man noch lange nicht die Verantwortung dafür, was damit angestellt wird.» Oder: «Mir geht halt einfach dieses Gutmenschentum auf den Geist. Alle profitieren, aber die einen versuchen sich einzureden, sie seien besser.»

Nach einem Entscheid des Nationalrats von letzter Woche darf Schweizer Kriegsmaterial künftig auch in Länder exportiert werden, in denen Menschenrechte verletzt werden. Exporte sind neu nur noch dann verboten, wenn «ein hohes Risiko besteht, dass das zu liefernde Material für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt wird».

Nicht nur auf Facebook stossen die Aussagen von Schoch auf Verwunderung und Empörung. Auch ihre künftigen Kolleginnen und Kollegen im Zürcher Gemeinderat zeigen kein Verständnis dafür. SVP-Parteipräsident Roger Liebi hält die Aussage, Kriege hätten die Menschheit vorwärtsgebracht, für daneben. Er betont aber, sich nicht vertieft mit der Diskussion beschäftigt zu haben, die Schoch ausgelöst habe. CVP-Präsident Markus Hungerbühler sagt: «Kriege haben möglicherweise Länder weitergebracht, aber sicher nicht die Menschheit.» Dies sage er als Historiker mit dem Gedanken an den Ersten und den Zweiten Weltkrieg.

GLP-Gemeinderat Samuel Dubno hält Schochs Aussage für zynisch. Kriege hätten wohl technologische Innovationssprünge gebracht. «Wenn sich die Menschheit aber ohne Kriege langsamer entwickelt hätte, wäre das nicht zu bedauern», sagt er. Im Gemeinderat werde sich Schoch jedenfalls nicht mit solchen Fragen beschäftigen müssen. Karin Rykart Sutter, Gemeinderätin und Co-Präsidentin der Grünen, findet, dass sich Gemeindeparlamentarier in der Öffentlichkeit vorsichtiger äussern müssten, daran müsse sich Schoch wohl noch gewöhnen. Sie hält Schochs Aussagen für «grundsätzlich schwierig, zynisch und verantwortungslos».

Elisabeth Schoch war für Tagesanzeiger.ch/Newsnet für eine Stellungnahme noch nicht erreichbar. Gegenüber der Basler Onlineplattform Tageswoche.ch dagegen gab sie Auskunft. «Ich habe mit diesem Zitat darauf hinweisen wollen, dass es immer zwei Seiten gibt. Das ist mir offensichtlich nicht gelungen.» Natürlich sei es schlimm, wenn Menschen im Krieg sterben würden. «Jedoch ist Krieg ein Mittel der Menschheit, um das wir nicht herumkommen – ob wir das gut finden oder nicht. Kriege – respektive die Vorkehrungen zur Vermeidung von Kriegen – haben sehr viel Wissen und Innovation gebracht», sagte sie. «Meiner Meinung nach ist es Augenwischerei, wenn wir denken, dass wir einen Krieg verhindern, wenn wir keine Waffen produzieren oder verkaufen.»

Kampf gegen Asylzentrum

Elisabeth Schoch ist am 9. Februar für die FDP im Wahlkreis 4 und 5 in den Zürcher Gemeinderat gewählt worden. Bekannt geworden ist sie vor allem durch ihren Kampf gegen das geplante Asylzentrum auf dem Duttweiler-Areal, mit dem der Bund das beschleunigte Asylverfahren testen will. Der Widerstand hatte Erfolg – zumindest vorerst: Stadt und Bund haben das Zentrum auf dem Juchhof in Altstetten eingerichtet. Das Projekt auf dem Duttweiler-Areal ist aber noch nicht vom Tisch. In einem Interview mit dem Onlineportal «Westnetz» im Vorfeld der Wahlen hatte Schoch zudem eine Aussage gemacht, die für viel Kopfschütteln sorgte. Dort sagte sie: «Persönlich finde ich, es darf durchaus auch Quartiere geben, in denen man nicht ständig Kindergeschrei hört.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2014, 14:35 Uhr

Artikel zum Thema

Vereinfachter Waffenexport ist Realität – keine neue Abstimmung

Der Nationalrat bleibt dabei: Die Regeln für den Export von Kriegsmaterial werden gelockert. Die grosse Kammer hat einen Rückkommensantrag von Margret Kiener Nellen abgelehnt. Mehr...

Parlament lockert Regeln für Kriegsmaterialexporte

Schweizer Kriegsmaterial darf künftig auch in Länder exportiert werden, in welchen Menschenrechte verletzt werden. Der Nationalrat hat als Zweitrat einer Motion zugestimmt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Das besonders schöne Tor des Monats
Sweet Home Rund und gesund

Die Welt in Bildern

Vier Pfoten für die Zukunft: Chilenische Polizistinnen marschieren mit den Welpen zukünftiger Spürhunde an der jährlichen Parade in der Hauptstadt Santiago de Chile. (19. September 2018)
(Bild: Rodrigo Garrido) Mehr...