Kronenwiese: Quartiervereine sind gegen die Umzonung

Die Stadt will auf der Kronenwiese in Unterstrass Wohnungen bauen. Die Grünen möchten die Wiese erhalten. Und die Quartiere haben Angst vor einem siebenstöckigen Bau.

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Die Quartiervereine von Unterstrass, Wipkingen und dem Industriequartier wehren sich gegen die Umzonung der Kronenwiese. «Wir haben Angst vor einem siebenstöckigen Ungetüm», sagt Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen. Denn auf der 7000 m2 grossen Kronenwiese könnte nach der Umzonung des unteren Teils eine sogenannte Arealüberbauung entstehen. Dieses Instrument ermöglicht es Bauherren, auf grossen Grundstücken bis zu sieben Geschosse hohe Häuser zu bauen – was in den betroffenen Quartieren meist für Kritik sorgt. Beispiele sind die Überbauungen Rautistrasse in Altstetten oder Ringling im Höngger Rütihof.

Der obere Teil der Kronenwiese, die der Stadt gehört, ist bereits heute Bauland. Stadt- und Gemeinderat wollen nun auch noch den unteren Teil umzonen. 60 Wohnungen will die Stadt auf dem Areal bauen, 40 davon für Familien. Auf der Seite Kornhausstrasse sind zudem Läden und Räume fürs Gewerbe geplant. Das definitive Bauprojekt wird nach der Umzonung in einem Architekturwettbewerb ermittelt.

Grüne: Es gibt genügend Bauland

Der Gemeinderat hat der Umzonung im Mai mit 99 zu 17 Stimmen zugestimmt, die Grünen haben das Referendum gegen den Beschluss ergriffen, am 30. November wird abgestimmt. «Es ist nicht nötig, dass diese Grünfläche geopfert wird», sagt der grüne Gemeinderat Pierino Cerliani. In den bestehenden Bauzonen in der Stadt habe es noch Platz für 30'000 Wohnungen. Die Wiese sei ökologisch wertvoll und könne mit geringem Aufwand attraktiv gestaltet werden. «Der Zaun könnte entfernt, eine Blumenwiese angesät und Schotterwege könnten angelegt werden», sagt Cerliani. Unterstützt werden die Grünen von den Quartiervereinen, den Schweizer Demokraten, von der Christlich-Sozialen Partei (CSP) und vom Heimatschutz.

Die bürgerlichen Parteien, die Alternative Liste (AL) und die SP befürworten die Umzonung. Der Wohnungsmarkt in Zürich sei ausgetrocknet, die sanft ansteigende Wiese fürs Wohnen wie geschaffen. Mit dem an die Kronenwiese angrenzenden Schindlergutpark sowie dem Lettenareal stünden Erholungsuchenden genügend Grünflächen zur Verfügung.

SP-Gemeinderätin und Fraktionspräsidentin Corine Mauch ist überzeugt, dass auf dem Areal eine quartierverträgliche Überbauung entstehen wird. Sie selbst hat drei entsprechende Postulate eingereicht, die der Stadtrat entgegengenommen hat.

Konkretes Projekt käme vors Volk

Der Stadtrat dürfte schon aus taktischen Gründen eine Variante bevorzugen, die keinen siebengeschossigen Riegel vorsieht: Schliesslich kommt der Baukredit für das konkrete Projekt nochmals vors Volk. «Und der Stadtrat kennt die Vorbehalte im Quartier», sagt Mauch.

Ursprünglich gehörte die Kronenwiese und das Schindlergut der Familie Schindler, die sie 1960 an den Kanton verkaufte. Dieser wollte dort Turnhallen für die Berufsschule bauen, tauschte das Land aber später mit der Stadt. In der Zeit der Drogenszene am Letten siedelte sich die Gassenküche auf der Wiese an, später folgten Randständige mit einer Hüttensiedlung. Im Quartier kursiert das Gerücht, dass die Familie Schindler das Grundstück mit der Auflage verkauft habe, die Kronenwiese freizuhalten. Dies wird von Arno Roggo, dem Direktor der städtischen Liegenschaftenverwaltung, dementiert: «Eine solche Auflage gibt es nicht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2008, 08:29 Uhr

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