Labitzke-Demonstration abgewürgt

Knapp hundert Personen sind einem Aufruf gefolgt, auf dem Zürcher Limmatplatz gegen das Ende der Besetzung des Areals zu protestieren. Doch die Polizei liess das nicht zu.

Gegen 23 Uhr formierte sich für ein paar Minuten doch noch ein richtiger Umzug: Demonstranten in der Langstrasse, kurz vor dem Helvetiaplatz. Foto: hub

Gegen 23 Uhr formierte sich für ein paar Minuten doch noch ein richtiger Umzug: Demonstranten in der Langstrasse, kurz vor dem Helvetiaplatz. Foto: hub

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Eine Reihe gut gepanzerter Polizisten zu beiden Seiten der Langstrassenunterführung markierte am Samstagabend kurz nach 22 Uhr: Hier ist für Passanten vorderhand kein Durchkommen mehr. Wer die Stadt queren wollte, musste einen anderen Weg suchen. Auch für die Busse sollte die Langstrasse noch bis Mitternacht gesperrt bleiben.

Hintergrund waren die Bemühungen der Polizei, mit grossem Personalaufwand eine unbewilligte Demonstration gegen die Räumung des bis vor kurzem noch besetzten Labitzke-Areals zu verhindern. Dies, nachdem die letzte ähnliche Abschiedskundgebung – damals zugunsten des Binz-Areals – horrende Sachschäden in der Stadt hinterlassen hatte.

Betreten verboten für die nächsten 12 Stunden

Sympathisanten der ehemaligen Labitzke-Besetzer hatten zur Versammlung auf dem Limmatplatz aufgerufen. Dort fanden sich zum vereinbarten Zeitpunkt um 21.30 Uhr aber fast mehr Uniformierte als Demonstranten ein. Letztere standen in drei kleineren Grüppchen verteilt rund um den Platz herum und warteten ab – keine Transparente, keine skandierten Parolen.

Die Polizisten kreisten in Vollmontur eine Gruppe nach der anderen ein, nahmen Personalien auf und wiesen jene Leute vom Platz weg, die sie für potenzielle Demonstranten hielten: Wiederbetreten bis in 12 Stunden verboten. Dieses Vorgehen löste unter den rund hundert vorwiegend jüngeren Betroffenen Empörung und Proteste aus.

Langstrasse lässt sich nicht blockieren

Schliesslich tummelten sie sich, nur um sich jedoch ein paar Schritte weiter an der Neugasse erneut zu versammeln. Eine Weile sah es dort nach einer spontanen Strassenparty aus, Ghettoblaster inklusive, beäugt von vielen Zaungästen und streng beobachtet von der Polizei, die aber nicht mehr eingriff.

Erst als der Trupp wieder in Bewegung kam, um die belebte Langstrasse hoch Richtung Helvetiaplatz zu ziehen, intervenierte sie erneut. Die kurzzeitige Abriegelung der Unterführung unter den Augen des verwunderten Ausgangsvolks hielt sie aber nicht lange aufrecht.

Doch noch ein paar Minuten Demonstration

So marschierte dann kurz vor 23 Uhr plötzlich doch noch ein richtiger Demonstrationsumzug durch die Langstrasse. Die Schar skandierte «Anticapitalista»-Rufe und tat laut ihre Solidarität mit «den Gefangenen» kund. Als sie auf den Helvetiaplatz einbiegen wollte, wurde sie aber von einem Polizeikordon zurückgedrängt. Es flogen zwei, drei Gegenstände, und mehrere Demonstranten vermummten sich. Eine Eskalation lag in der Luft – aber sie trat nicht ein.

Der Umzug machte kehrt und zog sich in die Stauffacherstrasse zurück, gefolgt von der Polizei. Um Mitternacht hielten sich noch immer diverse kleinere Gruppen rund ums Kanzleiareal auf, und auch ein Wasserwerfer der Polizei stand noch immer in der Nähe bereit, aber zu einer Demonstration kam es nicht mehr. Das einzige Mal, als die Sirenen heulten, war es die Feuerwehr, die einen in Brand gesetzten Container in einer Parallelstrasse der Langstrasse löschen musste. Gemäss Polizeiangaben hat sich die Demonstration um etwa 1 Uhr in der Früh verflüchtigt.

Erstellt: 10.08.2014, 01:07 Uhr

Die Polizei versucht, die Langstrassenunterführung zu blockieren, um den Umzug der Demonstranten zu verhindern. Foto: hub

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