«Laptops in Restaurants sind der Untergang der Esskultur»

Elektronische Geräte in Restaurants schaden der Geselligkeit, sagt der Präsident von Gastro Zürich. Ein generelles Laptopverbot hätte allerdings negative Folgen für die Gastwirte.

Surfen statt Schwatzen: IPads und Laptops gehören immer mehr zum Stadtbild wie hier im Restaurant Nooba am Zürcher Kreuzplatz.

Surfen statt Schwatzen: IPads und Laptops gehören immer mehr zum Stadtbild wie hier im Restaurant Nooba am Zürcher Kreuzplatz. Bild: TA

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Andreas Wyss, Direktor der Kronenhalle beim Zürcher Bellevue, hat strikte Regeln für die Gäste seines Nobelrestaurants: Elektronik ist auf den Tischen tabu. «Wir sind ein Speiselokal und kein Büro», sagt er gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Mit dem Entscheid, Laptops aus dem Restaurant zu verbannen, steht Wyss allerdings in Zürich alleine da. «Ich höre zum ersten Mal von einem solchen Verbot», sagt Ernst Bachmann, Präsident von Gastro Zürich, auf Anfrage. Ein generelles Laptopverbot für Zürcher Restaurants sei für den Verband kein Thema. «Das muss jeder Betrieb selbst entscheiden.»

Ein Verlust der Esskultur

Bachmann selbst kann Wyss’ Entscheidung sehr gut nachvollziehen. «Es ist ein fortschreitender Verlust der Esskultur in Zürich. Zuerst müssen alle raus gehen, um zu rauchen. Dann klingelt immer mal wieder ein Handy am Tisch und nun sind plötzlich auch überall Laptops aufgeklappt.» Die Leute würden heute lieber telefonieren oder «in die Kiste starren», anstatt miteinander zu plaudern oder zu relaxen, moniert Bachmann.

Er selbst habe es zwar noch nie erlebt, dass Gäste während des Essens einen Laptop benutzen. «Aber ich habe schon Jassgruppen gesehen, die ihre Resultate in den Computer eingeben anstatt Tafel und Kreide zu verwenden. Das ist immerhin praktisch: Dann müssen sie nicht mehr rechnen.»

«Wo junge Leute sind, würde das Verbot nicht funktionieren»

Auch Rinaldo Cajochen, Mitinitiant von «Gratis WLAN in der ganzen Stadt Zürich», ist schon in eine Situation geraten, in der er den Laptop wieder einpacken musste. «Das war im Starbucks am Bellevue», erinnert er sich, «das Lokal war so voll, dass alle ihre Computer wegräumen mussten, damit es auf den Tischen wieder Platz hatte. Das kann ich absolut verstehen.»

Weniger Verständnis hat er für ein generelles Verbot von elektronischen Geräten in Restaurants und Cafés. «Die Leute würden dann einfach in ein anderes Lokal gehen und dort konsumieren. So etwas kann nicht gut fürs Geschäft sein.» Er glaubt, dass nur eine Minderheit ein Verbot befürworten würde. «Ältere Menschen suchen eher die Ruhe und fühlen sich gestört. In Restaurants, wo sich junge Leute im Alter zwischen 15 und 40 Jahren aufhalten, würde ein Laptop-Verbot sicher nicht funktionieren.»

Unterschriftensammlung für Gratisnetz

Cajochen will dem Laptop sogar noch mehr Raum geben und kämpft für einen Gratiszugang zum Internet auf dem gesamten Stadtgebiet. Gegenwärtig würden nämlich ausser im Zentrum von Zürich – am Limmatquai und rund um die Bahnhofstrasse – kein Gratis WLAN existieren. «Wir haben der Stadt einen Initiativtext vorgelegt. In den nächsten Tagen sollte das O. K. der zuständigen Behörden kommen. Dann können wir mit der Unterschriftensammlung beginnen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.03.2011, 11:15 Uhr

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